Vermittlungsstelle Eurotransplant

Die Stiftung Eurotransplant im niederländischen Leiden ist für die Vermittlung gespendeter Organe innerhalb von acht europäischen Ländern Deutschland, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Slowenien und Kroatien und Ungarn zuständig. Dazu erstellt und führt Eurotransplant im Auftrag der jeweiligen nationalen Institutionen und Organisationen eine einheitliche Warteliste für alle Empfänger in den Mitgliedsländern, die von den Transplantationszentren gemeldet werden. Ihre Auftraggeber in Deutschland sind nach dem Transplantationsgesetz der GKV-Spitzenverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Bundesärztekammer. Die Wartelistenführung und Organvermittlung erfolgt hierzulande streng getrennt von der Koordination des Organspendeprozesses, die die Deutsche Stiftung Organspende übernimmt.

 

 

Aufgaben

Wartelistenführung
Die Richtlinien der Bundesärztekammer sehen vor, dass über die Aufnahme eines Patienten in die Warteliste zur Organtransplantation eine interdisziplinäre und organspezifische Expertenkonferenz (Transplantationskonferenz) des jeweiligen Transplantationszentrums entscheiden soll. Mit diesem sogenannten Mehraugenprinzip sollen Manipulationen verhindert werden. Bei positiver Entscheidung übermittelt das Transplantationszentrum alle wichtigen Merkmale der Patienten, die eine Organtransplantation benötigen, an Eurotransplant. Dort werden sie in eine zentrale Datenbank aufgenommen, auch einheitliche Warteliste genannt, und dann mit den Daten der gemeldeten Organspender verglichen.

Organvermittlung
Bei der Vergabe von gespendeten Organen berücksichtigt Eurotransplant die für das jeweilige Land geltenden Regeln. Für Deutschland sind das die entsprechenden Allokationsrichtlinien nach dem Transplantationsgesetz (§ 16 TPG), die die Ständige Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer entwickelt und beschließt. Diese Richtlinien werden kontinuierlich überprüft und an den aktuellen medizinischen Kenntnisstand angepasst. In Folge der Organspendeskandale und der Debatte um die Notwendigkeit einer Stärkung der staatlichen Kontrolle über die Organverteilungsregeln und -prozesse werden die Richtlinien der Bundesärztekammer zukünftig unter einen Genehmigungsvorbehalt des Bundesgesundheitsministeriums gestellt.

Die Vermittlung der Organe erfolgt zum einen auf Basis organspezifischer medizinischer Kriterien wie Blutwerte, die Blutgruppe und Gewebemerkmale, zum anderen nach Dringlichkeit und  Erfolgsaussicht der Transplantation. Dieses Vergabeverfahren soll die größtmögliche Chancengerechtigkeit bei der Verteilung der knappen Organe gewährleisten. Anhand dieser Kriterien erstellt Eurotransplant für jedes Spenderorgan eine eigene Prioritätenliste, in der die möglichen Empfänger des Organs aufgeführt sind. Ein Organangebot bekommt derjenige Patient, der die höchste Priorität aufweist. Wird das Angebot nicht akzeptiert, wird das Organ dem nächsten Patienten angeboten. Eurotransplant sucht dabei zuerst im Land des Empfängers nach einem passenden Spenderorgan, danach international im Verbund.

Weitere Aufgaben
Neben der Wartelistenführung und Organvermittlung erfüllt die Vermittlungsstelle noch weitere Aufgaben. So dokumentiert Eurotransplant die Vermittlungsentscheidung für jedes Organ, stellt sicher, dass jede der Entscheidungen rückverfolgt werden kann und überprüft diese sowie die Regeln der Organverteilung regelmäßig. Die Vermittlungsstelle arbeitet mit der Koordinierungsstelle und den Transplantationszentren zusammen und tauscht mit ihnen Erfahrungen aus. Schließlich erstattet Eurotransplant regelmäßig Bericht an seine Auftraggeber nach dem TPG. Das sind der GKV-Spitzenverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Bundesärztekammer.

nach oben

 

Aufsicht

Aufsicht über die Vermittlungsstelle haben die Prüfungs- und die Überwachungskommission und der Stiftungsrat von Eurotransplant.

nach oben

Zur Vermittlungsstelle Eurotransplant

Zurück zu Postmortale Organspende