Entnahmekliniken

Entnahme- oder Spenderkliniken sind laut Gesetz zugelassene Krankenhäuser, die nach ihrer räumlichen und personellen Ausstattung in der Lage sind, Organe zu entnehmen (§ 9a Abs. 1 TPG). Grundsätzlich sind das alle Kliniken, die über einen Operationssaal und eine Intensivstation mit Beatmungsplätzen verfügen. Ob eine Klinik Organe entnehmen darf, entscheiden die Bundesländer im Rahmen ihrer Krankenhausplanung und haben der Klinik darüber eine offizielle Mitteilung zu geben. Ein besonderes Zulassungsverfahren für Entnahmekliniken gibt es nicht.

Derzeit gibt es in Deutschland über 1.300 Entnahmekliniken (Stand: November 2013). Die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) führt über sie eine Liste und klassifiziert sie in drei Kategorien: A - Universitätskliniken, B - Krankenhäuser mit Neurochirurgie und C - Krankenhäuser ohne Neurochirurgie. An der Organspende beteiligen sich bisher die Universitätskliniken am intensivsten. Den Organspendeprozess in den Kliniken sollen die sogenannten Transplantationsbeauftragten unterstützen, und dafür sorgen, dass insbesondere C - Krankenhäuser ohne Neurochirurgie ihre Rolle als Entnahmekliniken intensiver wahrnehmen.

 

 

Aufgaben

Entnahmekrankenhäuser übernehmen im Organspendeprozess folgende Aufgaben. Sie

  • identifizieren potenzielle Organ- und Gewebespender, stellen den Hirntod des Patienten fest und melden der Koordinierungsstelle den potenziellen Spender.
  • gewährleisten, dass die Entnahme in einem Operationssaal erfolgt, der dem aktuellen Stand der Medizin und Technik entspricht, um die Qualität und Sicherheit der entnommenen Organe sicherzustellen.
  • sind für die Qualifizierung des eingesetzten medizinischen Personals verantwortlich.
  • bestellen mindestens einen Transplantationsbeauftragten.
  • müssen die Bestimmungen des Vertrages zwischen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem GKV-Spitzenverband, der Bundesärztekammer und der Koordinierungsstelle über die Zusammenarbeit bei der Entnahme von Organen und Geweben einhalten.
  • arbeiten bei der Organspende mit den Transplantationszentren und der Koordinierungsstelle zusammen (§ 11 TPG).
  • erstellen Berichte über die Entnahmetätigkeit und übermitteln diese an die Koordinierungsstelle zur Veröffentlichung.

nach oben

 

Transplantationsbeauftragte

Der Gesetzgeber hat die Entnahmekrankenhäuser dazu verpflichtet, mindestens einen Transplantationsbeauftragten zu bestellen (§ 9b TPG). Auch können mehrere Kliniken unter bestimmten, auf Landesebene zu definierenden Voraussetzungen einen gemeinsamen Beauftragten einsetzen. Der Transplantationsbeauftragte ist unmittelbar der ärztlichen Leitung unterstellt und fungiert als Verbindungsglied zwischen dem Krankenhaus und der Koordinierungsstelle (Deutsche Stiftung Organtransplantation). Er soll dafür Sorge tragen, dass das Krankenhaus seine Aufgaben nach dem Transplantationsgesetz erfüllt. Dabei koordiniert er den Organspendeprozess innerhalb des Krankenhauses, unterstützt das Klinikpersonal in Fragen der Organspende und betreut die Angehörigen der Spender. Die Details zur Qualifikation und organisationsrechtlichen Stellung der Transplantationsbeauftragten sowie deren Freistellung von sonstigen Tätigkeiten im Krankenhaus regeln die Bundesländer in den entsprechenden Landesgesetzen. Darüber hinaus können Landesbehörden Ausnahmeregelungen treffen, die Entnahmekliniken von der Verpflichtung, einen Transplantationsbeauftragten zu bestellen, befreien. Die Tätigkeit der Transplantationsbeauftragten finanzieren die Krankenkassen in Form eines pauschalen Zuschlags zusätzlich zu den Krankenhausbudgets, der im DSO-Budgetvertrag geregelt ist.

nach oben

 

Unterstützung für die Entnahmekliniken

Während des gesamten Organspendeprozesses unterstützt vor allem die Koordinierungsstelle Deutsche Stiftung Organspende die Entnahmekliniken bei ihrer Arbeit.

nach oben

 

Aufsicht

Aufsicht über die Spenderkliniken hinsichtlich ihrer Tätigkeit nach dem TPG haben die Prüfungs- und die Überwachungskommissionen und die für die Krankenhausplanung zuständigen Landesbehörden.

nach oben

Zurück zu Postmortale Spende von Organen und Geweben