(Update 20.04.20: Ärzte können ihren Patienten wohl doch weiter nach telefonischer Anamnese einen Krankenschein ausstellen. Mehr dazu in dieser Meldung. Aus Gründen der Transparenz findet sich unten der Informationsstand vom 17. April 2020.)

 

Coronavirus: Keine Krankschreibungen mehr per Telefon

(17.04.20) Für eine Krankschreibung müssen Ärzte ab dem 20. April ihre Patienten wieder persönlich untersuchen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Freitag beschlossen.

Die bis zum 19. April geltende Ausnahmeregelung zur telefonischen Feststellung von Arbeitsunfähigkeit wurde nicht verlängert. Die entsprechende Sonderregelung anlässlich der gegenwärtigen COVID-19-Pandemie hatte der G-BA am 20. März beschlossen. Damit hatten Ärzte die Möglichkeit, die Arbeitsunfähigkeit telefonisch festzustellen.

Hecken: Ende der Sonderregelung ohne Gefahr einer Erhöhung des Infektionsrisikos

Konkret heißt das Ende der Sonderregelung: Die persönliche und unmittelbare Anamnese muss nun wieder zwingend erfolgen, um eine Krankschreibung zu erhalten. Dazu sagte Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses: „Das ist vor allem dann wichtig, wenn es um Erkrankungen geht, die nur durch persönliche ärztliche Untersuchung umfassend und präzise erkannt werden können.“

Weiter sagte Hecken, die Dynamik der Neuinfektionen sei inzwischen durch die strikten Abstands- und Hygieneregeln in allen Bereichen des täglichen Lebens, darunter auch in den Arztpraxen, deutlich verlangsamt worden. Die Behelfsregelung könne deshalb „ohne Gefahr einer Erhöhung des Infektionsrisikos“ für Patienten oder Ärzte zum vorgesehenen Termin auslaufen. Dies entspreche den Schritten der Lockerung, die Bund und Länder jüngst beschlossen haben.

Allerdings gelte weiterhin, dass Versicherte bei typischen COVID-19-Symptomen, nach Kontakt zu COVID-19-Patienten und bei unklaren Symptomen von Infektionen der oberen Atemwege vor dem Arztbesuch telefonisch Kontakt zur Praxis aufnehmen und das weitere Vorgehen besprechen sollten.

Hintergrund: Anamnese zur Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit

In der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie (AU-RL) des G-BA ist festgelegt, welche Regeln für die Feststellung und Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit von Versicherten durch Vertragsärzte sowie im Rahmen des Entlassmanagements aus dem Krankenhaus gelten. Grundsätzlich gilt, dass die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und ihrer voraussichtlichen Dauer sowie die Ausstellung der Bescheinigung nur aufgrund einer ärztlichen Untersuchung erfolgen darf.

Weiterführende Informationen:

Mitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA): Krankschreibungen setzen wieder eine ärztliche Untersuchung voraus – Befristete Ausnahmeregelung zur telefonischen Anamnese wird nicht verlängert