Ärzte dürfen Diagnose am Telefon stellen

(12.06.18) In Schleswig-Holstein ist es Medizinern künftig erlaubt, Diagnosen am Telefon oder per Videochat zu stellen. Das gilt auch dann, wenn sie einen Patienten zuvor nicht persönlich gesehen haben. Bisher war das nicht zulässig.

Voraussetzung für eine telemedizinische Behandlung ist, dass diese ärztlich vertretbar und ein persönlicher Kontakt dem Patienten nicht zwingend erforderlich ist. Bei chronischen Erkrankungen konnten Ärzte und Patienten auch bisher schon auf diesem Wege zusammenfinden

Der Hintergrund: Im April hatte die Ärztekammer Schleswig-Holstein ihre Berufsordnung geändert. Darin heißt es nun unter § 7, Absatz 4, dass "eine Beratung oder Behandlung ausschließlich über Kommunikationsmedien erlaubt" sei, wenn dies ärztlich vertretbar und ein persönlicher Kontakt mit dem Patienten nicht erforderlich sei. Vor Kurzem hat auch das Gesundheitsministerium des Bundeslands seine Zustimmung zur neuen Berufsordnung erteilt. Diese ist damit gültig.

Änderungen in Schleswig-Holstein weitergehend als auf Bundesebene

Franz Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, sagte, man habe nun die Möglichkeit einer "Patientensteuerung per Telefon geschaffen". Das erlaube eine Versorgung mit telefonischem Erstkontakt zwischen Arzt und Patient. "Damit ist unsere Regelung weitergehend als auf der Bundesebene", sagte Bartmann.

Beim Deutschen Ärztetag im Mai hatten die Delegierten für eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots gestimmt. Entsprechend wurde die Musterberufsordnung geändert. Bindend ist für Mediziner jedoch die Berufsordnung ihrer jeweiligen Landesärztekammer.

Schleswig-Holstein ist das erste Bundesland, das Fernbehandlung regulär erlaubt. In Baden-Württemberg laufen derzeit Modellprojekte. Andere Länder können nachziehen.

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