Antibiotika: Aufklären gegen Resistenzen

Das Aqua-Institut, die AOKs Bayern und Rheinland/Hamburg sowie knapp 200 Arztpraxen klären nun gemeinsam Patienten zum richtigen Umgang mit Antibiotika auf. Dazu haben sie Mitte Januar in 14 Arztnetzen in Bayern und Nordrhein-Westfallen das Forschungsprojekt "ARena" gestartet. Die Abkürzung steht für "Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden". Denn Ziel des Projektes ist es, mit mehr Aufklärung die Verschreibungsquote von Antibiotika in den Fällen, in denen sie nicht verordnet werden müssten, tatsächlich zu senken.

Sorgenkinder unter Medikamenten

Antibiotika sind die talentierten Sorgenkinder unter den Medikamenten. Ihre Entdeckung im 19. Jahrhundert war ein Meilenstein in der Geschichte. Erstmals konnten Infektionskrankheiten erfolgreich bekämpft werden. Da sie heute weltweit zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten zählen, steigt mit jeder Verordnung jedoch die Gefahr einer Resistenz-Entwicklung. Hier soll „ARena“ gegensteuern. Im Mittelpunkt steht dabei ein Trainingsprogramm für niedergelassene Ärzte und ihre Teams. Sie werden dabei unterstützt, Patienten zu den vier häufigsten Erkältungskrankheiten besser aufzuklären (wir berichteten kurz). Denn zur Behandlung eines grippalen Infektes, von Sinusitis, Mittelohrentzündung, Harnwegsinfektion braucht es oft kein Antibiotikum. Werden sie dennoch eingenommen, kann das die Resistenzbildung bei Bakterien weiter vorantreiben. Ein sorgsamer Umgang und eine gezielte Verschreibung der Antibiotika sind daher dringend geboten, um deren Wirkkraft bei gravierenden Erkrankungen zu sichern.

Aktuell beteiligen sich 304 Ärztinnen und Ärzte sowie 86 Medizinischen Fachangestellte (MFA) aus insgesamt 193 Praxen am "ARena"-Programm. Sie durchlaufen ein spezielles Online-Kommunikationstraining und erhalten speziell entwickelte Medien für ihre Aufklärungsarbeit (siehe Interview). Ein weiterer Baustein sind Qualitätszirkel, an denen Ärzte, MFAs sowie sektorenübergreifend auch Klinikpersonal, Pflegefachkräfte und Apotheker beteiligt werden. Darüber hinaus wurden Plakate mit Slogans wie "Lieber mal inhalieren!" oder "Lieber mal einen Tee!" für die Praxen entwickelt. Sie sollen Patienten dazu anregen, auch auf traditionelle Hausmittel zurückzugreifen, um wieder gesund zu werden. "Oftmals würde es ausreichen, wenn der Arzt dem Patienten rät, sich zu schonen und viel zu trinken sowie je nach Krankheit sich bewährter Hausmittel und Medikamente gegen Fieber und Schmerzen zu bedienen, um die Symptome zu lindern. Dieses Wissen wollen wir den Menschen im Rahmen des Projektes näherbringen und damit einen Beitrag gegen einen übermäßigen Gebrauch von Antibiotika leisten", sagt Dr. Veit Wambach, Vorstandsvorsitzender der Agentur deutscher Arztnetze.

"Garant für mehr Qualität"

Der Geschäftsführer des aQua-Instituts, Professor Dr. Joachim Szecsenyi, erwartet, dass die Studienergebnisse "einen starken Impuls für einen vernünftigeren Umgang mit Antibiotika" setzen werden und sich so "die Patientenversorgung langfristig spürbar verbessern kann." Sein Göttinger Forschungsinstitut hat die Konsortialführung des Innovationsfonds-Projektes übernommen. Neben der Agentur deutscher Arztnetze, dem Aqua-Institut, den AOKs Bayern und Rheinland/Hamburg sind auch der AOK-Bundesverband sowie die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns beteiligt. Matthias Mohrmann, Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg, sieht einen zentralen Gewinn darin, dass mit „Arena“ die Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen gelebt wird: "Das ist ein Garant für mehr Qualität, die den Patientinnen und Patienten zugutekommt." Insbesondere die Arztnetze könnten, so Mohrmann, durch ihr Engagement zu "systematischen Verbesserungen in der ambulanten Versorgung beitragen." Martin Steidler, Bereichsleiter Versorgungsmanagement bei der AOK Bayern, setzt darauf, dass "ARena" bei den Patienten wirklich ankommt und sie beim Antibiotika-Einsatz künftig "rational" vorgehen: "Das heißt nicht, künftig komplett auf Antibiotika zu verzichten. Wohl aber werden die Patienten besser einschätzen können, was ihre Erkrankung ausgelöst hat und was sie selbst für ihre Gesundheit tun können." Zudem würden die Patienten darin gestärkt, im Ernstfall das Antibiotikum so einzunehmen, wie es der Arzt auch verordnet hat.

Projekt ARena

  • ARena steht für "Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden."
  • Finanzmittel: 5,1 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses.
  •  Konsortialführer: aQua-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH
  •  Weitere Projektpartner: AOK Bayern, AOK Rheinland/Hamburg, AOK-Bundesverband, Agentur deutscher Arztnetze, Kassenärztliche Vereinigung Bayern
  •  Laufzeit: von 2018 bis 2019.
  • Teilnehmer: 193 Arztpraxen mit 304 Ärztinnen und Ärzten sowie 86 Medizinischen Fachangestellten in Bayern und NRW

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