Elektronische Patientenakte: Bundesbürger sehen Vorteile

(12.10.15) Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung befürwortet das Sammeln von Patientendaten. 71 Prozent der Teilnehmer einer Studie zum Thema haben keine Vorbehalte gegen die elektronische Speicherung medizinischer Daten, sofern sie wissen, um welche Daten es sich handelt. Das ergab die repräsentative Studie des infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der Stiftung Münch. Zu den individuellen Vorteilen der Anwendung befragt, gaben 55 Prozent der Teilnehmer an, die wiederholte Mitteilung aller relevanten Informationen mühsam zu finden. 59 Prozent sprachen sich explizit für die Einführung einer elektronischen Patientenakte (EPA) aus, wie sie im derzeit beratenen E-Health-Gesetz geplant ist. 85 Prozent sehen dabei vor allem den Vorteil, im medizinischen Notfall alle wichtigen Informationen verfügbar machen zu können. Dass sich dies auch generell positiv auf die Qualität der Behandlung auswirken werde, erwarten 78 Prozent. Auch in Bezug auf den Versorgungsalltag glauben rund drei von vier Deutschen an die Vorteile der elektronischen Erfassung von Patientendaten. 72 Prozent sprechen sich zudem für eine verstärkte Nutzung der Informationen für die medizinische Forschung aus. Chronisch Kranke stehen der elektronischen Datenspeicherung noch etwas positiver gegenüber als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Gender- und Generation-Gap beim Datenschutz

Bei aller Zustimmung fördert die Studie auch Skepsis zutage. Während 85 Prozent durch die Einführung der EPA Vorteile für die medizinische Forschung erwarten, melden 71 Prozent Bedenken beim Datenschutz an, weil zu viele Menschen Zugriff auf sensible Informationen hätten. 76 Prozent befürchten ganz konkret den Missbrauch medizinischer Daten durch Unbeteiligte. Mit höherem Bildungsabschluss wächst der Wunsch, auf die eigenen Daten zugreifen zu können. Frauen äußern sich zum Datenschutz generell kritischer als Männer. Menschen im Alter von über 30 Jahren legen im Umgang mit persönlichen Informationen mehr Vorsicht an den Tag als die Gruppe der 18- bis 30-Jährigen.

Den Auftrag für die Befragung der 2001 Personen über 18 Jahren hatte die Stiftung Münch gegeben. Die Organisation wurde 2014 vom Gründer des privaten Klinik-Betreibers Rhön-Klinikum AG Ernst Münch ins Leben gerufen.