Junge Frauen nehmen häufig riskante Anti-Baby-Pillen

(21.10.15) Fast 500.000 junge Frauen in Deutschland tragen bei der hormonellen Empfängnisverhütung mit der „Pille“ unnötig hohe Gesundheitsrisiken. Das ergab eine Auswertung entsprechender Verordnungen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). Allein unter AOK-Versicherten verwenden 220.000 Frauen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren Anti-Baby-Pillen der sogenannten dritten und vierten Generation, die ein erhöhtes Risiko lebensbedrohlicher Thrombosen aufweisen. Das entspricht zwei Dritteln aller Anwenderinnen in dieser Altersgruppe.  

Sichere Alternativen werden selten verordnet

Nach Einschätzungen des europäischen Risikobewertungsausschusses (PRAC) wie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) überwiegen zwar bei allen niedrig dosierten, kombinierten Anti-Baby-Pillen die Vorteile der Verhütung den möglichen Schaden. Dennoch haben bereits die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das BfArM auf erhöhte Thrombose-Risiken durch Drospirenon-haltige Anti-Baby-Pillen hingewiesen – beide raten insbesondere Erstanwenderinnen zu Alternativen auf Basis des Gestagens Levonorgestrel. Nur ein Drittel aller verordneten Anti-Baby-Pillen entfällt jedoch auf diese Wirkstoffgruppe. Fast jede zweite Verordnung von Kontrazeptiva enthielt die Gestagene Dienogest oder Chlormadion, deren Gefährdungspotenzial durch Thrombosen noch nicht abschließend bewertet wurde. Kaum eine Rolle spielen trotz geringen Risikos die Anti-Baby-Pillen auf der Basis von Norgestimat-Kombinationen.