Neues Qualitätssystem in der vollstationären Pflege

Die schrittweise Umsetzung des neuen Qualitätssystems in der stationären Langzeitpflege hat begonnen. Zum 1. Oktober 2019 hat die Datenauswertungsstelle (DAS) für den Bereich der vollstationären Pflegeeinrichtungen ihre Arbeit aufgenommen. Die DAS hat die Aufgabe, die von den stationären Pflegeeinrichtungen erhobenen Indikatoren zur Messung der Ergebnisqualität in der Pflege zusammenzuführen und auszuwerten. Das Verfahren sieht vor, dass die Einrichtungen ab dem 1. Oktober 2019 ihre erhobenen Daten übermitteln können.

Alle Einrichtungen sind während einer neunmonatigen Testphase verpflichtet, bis zum 30. Juni 2020 mindestens einmal den anhand des indikatorengestützten Verfahrens erhobenen Datensatz zu übermitteln. Diese Daten werden nicht veröffentlicht.

Ab Juli 2020 Jahres nimmt die DAS zweimal jährlich von jeder Einrichtung die pseudonymisierten Versorgungsdaten entgegen. Diese werden dann ab Juli 2020 veröffentlicht. Anhand des indikatorengestützten Verfahrens wird eine Vergleichbarkeit der Qualität in den Einrichtungen der stationären Pflege ermöglicht. Damit wird auch die Basis für die weitere interne Qualitätsentwicklung geschaffen. Zudem sollen die Qualitätsindikatoren auch bei externen Qualitätsprüfungen genutzt werden.

Externe Qualitätsprüfung ab November 2019

Am 1. November 2019 hat die externe Qualitätsprüfung auf neuer Grundlage begonnen. Bis Ende 2020 sollen alle vollstationären Pflegeeinrichtungen einmal durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) oder den Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung e.V. geprüft sein. Die Ergebnisse der Qualitätsprüfungen werden dann ab Januar 2020 im AOK-Pflege-Navigator veröffentlicht.

Künftig gibt es drei Säulen der Informationen:

  1. Indikatoren: Einrichtungen erheben Daten
  2. Externe Qualitätsprüfung des MDK beziehungsweise den Prüfdienst der PKV
  3. Qualitätsdarstellung

Zu 1. Indikatoren

Die zentrale Neuheit der neuen Qualitätsmessung und -darstellung sind die zehn Qualitätsindikatoren. Die Indikatoren verstehen sich als Instrument, um das Ergebnis der pflegerischen Versorgung am Bewohner zu messen. Erhoben werden zehn Indikatoren aus drei Qualitätsbereichen. Sechs der Indikatoren beziehen sich auf die Ergebnisqualität im engeren Sinne. Sie drücken aus, wie häufig ein Ereignis in der Einrichtung eingetreten ist. Fünf der Indikatoren differenzieren zwischen Bewohnergruppen mit und ohne hohes Risiko für das Ereignis.

Neben den sechs Indikatoren, die mit guter beziehungsweise schlechter Pflege assoziierte Ergebnisse aufzeigen, gibt es vier weitere, die qualitätsrelevante Struktur- beziehungsweise Prozessmerkmale abbilden.

Erster Qualitätsbereich: Erhalt und Förderung von Selbständigkeit

  1. Erhaltene Mobilität
  2. Erhaltene Selbstständigkeit bei Alltagsverrichtungen
  3. Erhaltene Selbständigkeit bei der Gestaltung des Lebensalltags

Zweiter Qualitätsbereich: Schutz vor gesundheitlichen Schädigungen und Belastungen

  1. Dekubitusentstehung
  2. Schwerwiegende Sturzfolgen
  3. Unbeabsichtigter Gewichtsverlust

Dritter Qualitätsbereich: Unterstützung bei spezifischen Bedarfslagen

  1. Durchführung eines Integrationsgesprächs
  2. Anwendung von Gurten
  3. Anwendung von Bettseitenteilen
  4. Aktualität der Schmerzeinschätzung

Zu. 2 Externe Qualitätsprüfung

Ein weiterer fester Bestandteil der Qualitätsdarstellung sind auch weiterhin die Ergebnisse der MDK-Prüfung. Zusätzlich bekommt die MDK-Prüfung auch einen beratungsorientierten Ansatz.

Die MDK-Prüfung bezieht sich auf insgesamt sechs Qualitätsbereiche. Dabei werden mehrere bewertungsrelevante und darstellungsrelevante Qualitätsaspekte geprüft.

BereichBeispiel
1.Mobilität und SelbstversorgungMobilität, Ernährung, Kontinenz, Körperpflege
2.Unterstützung im Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten AnforderungenSchmerzmanagement, Wundversorgung
3.Gestaltung des Alltagslebens und Förderung sozialer KontakteKommunikation, Tagesstrukturierung
4.Besonderer BedarfPflegeüberleitung, herausforderndes Verhalten
5.Übergreifende AspekteHygiene, Hilfsmittel
6.Einrichtungsinterne Organisation und internes Qualitätsmanagement

Bewohnerbezogene Aspekte werden stärker betont, wohingegen Strukturkriterien in den Hintergrund treten. Außerdem zielen die Bewertungsfragen nun darauf ab, ob für den Bewohner negative Folgen oder Risiken entstanden sind. Als negative Folgen ist beispielsweise definiert, wenn der Bewohner eine gesundheitliche Schädigung erlitten hat, die durch das Handeln eines Mitarbeiters entstanden ist.

Der MDK prüft die Versorgungssituation der Bewohner anhand einer vierstufigen Bewertung von „A - Keine Auffälligkeiten oder Defizite“ bis zu „D – Defizit mit eingetretenen negativen Folgen für den Bewohner“.

Das Fachgespräch mit den Mitarbeitern der Einrichtung wird im neuen Prüfverfahren stark aufgewertet. Außerdem erfolgt durch die externe Prüfung auch eine Plausibilitätskontrolle der Ergebniserfassung bei einer Stichprobe von sechs Bewohnern.

Einzelheiten dazu enthalten die Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR vollstationär) vom 17. Dezember 2018. Diese treten am 1. November 2019 in Kraft.

Zu 3: Qualitätsdarstellung

Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen stehen jetzt eine Vielzahl an strukturellen Informationen über die Pflegeeinrichtung zur Verfügung.

Die Qualitätsinformationen der jeweiligen Einrichtung werden jetzt

  • im Standarddokument
  • im webbasiertes Informationsangebot und
  • im individuell gestaltbaren Dokument

dargestellt.

Das Standarddokument besteht aus fünf Teilen:

  1. Einem Überblick der Bewertungen der Ergebnisqualität. Hier werden die einzelnen Indikatoren einschließlich ihrer Bewertung dargestellt. 
  2. Einem Überblick der Ergebnisse aus Qualitätsprüfungen. Dabei wird die Bewertung der einzelnen Qualitätsaspekte ohne weitere differenzierende Informationen dargestellt.
  3. Die Darstellung der einrichtungsbezogenen Informationen.
  4. Die Erläuterung der Bewertungen der Ergebnisqualität.
  5. Die Erläuterungen der Ergebnisse aus Qualitätsprüfungen.

Das webbasierte Informationsangebot enthält neben dem Standarddokument ein individuell gestaltbares Informationsangebot. Damit sollen die Nutzer in der Lage sein, die sie interessierenden Informationen auszuwählen und nicht benötigte Informationen auszublenden.

Die dritte Form der Aufbereitung von Qualitätsdarstellungen ist ein individuell gestaltbares Dokument. Es setzt auf dem webbasierten Angebot auf. Nutzer können für die sie interessierenden Einrichtungen eine Zusammenstellung ausgewählten Informationen vornehmen und diese als gesondertes Dokument generieren.

Näheres regelt die Qualitätsdarstellungsvereinbarung (QDVS) mit ihren acht Anlagen.

MuG: Grundlage der Qualitätssicherung

Grundlage des Systems der Qualitätssicherung sind die "Maßstäbe und Grundsätze für die Qualität, die Qualitätssicherung und -darstellung sowie für die Entwicklung eines einrichtungsinternen Qualitätsmanagements nach 113 SGB XI in der vollstationären Pflege" (MuG). Die MuGs sind für alle Pflegekassen, deren Verbände sowie für zugelassene Pflegeeinrichtungen verbindlich.