Einschätzung der AOK - Die Gesundheitskasse für Niedersachsen

Oberstes Ziel der AOK ist, für ihre Versicherten in jeder Situation eine qualitativ hochwertige und wirtschaftliche medizinische Versorgung sicherzustellen – in einer fairen Partnerschaft mit Leistungserbringern. Dies gilt natürlich auch für die Versorgung von sterbenden Menschen.

Mit dem Gutachten wurde ein Zeichen für die Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung in Deutschland gesetzt. Palliativmedizin entwickelt sich zu einem festen und integrativen Bestandteil medizinischer und pflegerischer Behandlung.

Differenzierte Betrachtung notwendig

Dennoch müssen die einzelnen Vorschläge differenziert betrachtet werden. Eine Anbindung von Hospiz-Betten an bestehende Einrichtungen beispielsweise ist derzeit rechtlich nicht möglich. Auch eine dirigistische Gründung von Palliativstützpunkten, wie sie vom Gutachten vorgeschlagen wird, hält die AOK - und übrigens auch die anderen Auftraggeber - für wenig sinnvoll, da so zum einen Eigenverantwortlichkeit und Engagement behindert wird und es zum anderen keine gesetzliche Handhabe gibt, um die Zulassung neuer Hospize und Hospizdienste bedarfsgerecht zu steuern.

Der Aufbau additiver Strukturen, der Ruf nach "Mehr Geld ins System", kann aufgrund der knappen finanziellen Ressourcen keine Lösung sein. Vielmehr gilt es, durch eine effiziente Kommunikation und Kooperation aller beteiligten Leistungserbringer die Qualität zum Wohl des Patienten zu verbessern. Solche integrativen Konzepte, gemeint sind die informellen Zusammenschlüsse zwischen Hospizen, Pflegediensten, Krankenhäusern und Ärzten, wurden bereits in vielen Städten Niedersachsens umgesetzt und arbeiten effektiv und reibungslos.

Dynamischer Bereich

Zudem zeigt sich, dass die Palliativmedizin ein sehr dynamischer Bereich ist, in dem ständig neue Leistungserbringer hinzukommen. So haben sich nach Einführung der gesetzlichen Möglichkeit 1998 allein in Niedersachsen bereits zwölf Hospize mit 78 Betten gegründet, eine ähnlich starke Expansion gibt es auch im ambulanten Bereich. Hier fördern die gesetzlichen Krankenkassen ambulante Hospizdienste, wenn diese bestimmte Voraussetzungen (zum Beispiel Mindestgröße, professionelle Supervision) erfüllen. Die Gesetzliche Krankenversicherung hat in Niedersachsen im Jahr 2004 mehr als 1,1 Millionen Euro an 54 ambulante Hospizdienste an Fördermitteln ausgeschüttet. Gegenüber 2003 entspricht dies einer Steigerung der Mittel um 41 Prozent. Palliativmedizin wird auch ein immer wichtigerer Bestandteil medizinischer Aus- und Fortbildung.

Darüber hinaus richten immer mehr Krankenhäuser Palliativstationen ein. Diese Entwicklung allerdings sieht die AOK sehr kritisch, da im Sinne der Hospizbewegung Palliativpatienten nur kurzzeitig zu einer Akutbehandlung stationär behandelt werden sollen und dies am besten in der jeweiligen Fachabteilung (zum Beispiel Innere Medizin, Chirurgie) erfolgen kann. Ein gesondertes Leistungsangebot der Akutkrankenhäuser im Rahmen einer Subdisziplin Palliativmedizin entspricht weder dieser Zielsetzung noch dem bisherigen Selbstverständnis der Fachmediziner.

Hausarzt ist Vertrauensperson

Eine hervorgehobene Rolle bei der Erbringung von Palliativmedizin sollte aus unserer Sicht viel mehr der eigene Hausarzt einnehmen. Auf Grund des besonderen und langjährigen Vertrauensverhältnisses ist er am besten dazu geeignet, eine individuell auf den einzelnen Patienten ausgerichtete palliativmedizinische Betreuung durchzuführen beziehungsweise zu koordinieren.

Positive Entwicklung

Die palliativmedizinische Versorgung in Niedersachsen ist auf einem guten Weg. Bereits jetzt existieren in vielen Regionen vernetzte Leistungsangebote. Flächendeckende, integrative Palliativstützpunkte werden in Zukunft eine qualitativ hochwertige Versorgung sterbender Menschen sicherstellen. Hierfür werden wir uns als AOK - Die Gesundheitskasse für Niedersachsen einsetzen.

Gutachten zur Palliativversorgung in Niedersachsen