ICD-11: Neue Struktur und neue Inhalte für die Klassifikation von Krankheiten

(28.05.19) Die World Health Assembly (WHA) hat eine neue Version ihrer Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) beschlossen. Nach zwölf Jahren Revision durch 96 Mitgliedsstaaten ist die ICD-11 flexibler und digitaler geworden, auch inhaltlich gibt es Neuerungen. Die neue Fassung soll am 1. Januar 2022 in Kraft treten. Bis zu ihrer Anwendung in Deutschland bleibt jedoch noch viel zu tun.

Viele Neuerungen des Katalogs sind technischer Natur. Alle Informationen der ICD werden künftig in einer umfassenden Datenbasis („Foundation“) zusammengefasst, aus der anwendungsspezifische Fassungen („Linearizations“) abgeleitet werden können. Die neue Struktur soll die Vernetzung mit anderen Technologien und Klassifikationen erleichtern. Hinzu kommen digitale Tools und Plattformen, die die Implementierung, Pflege, Testung, und Übersetzung der ICD-11 unterstützen, aber auch die Anwendung und Kodierung selbst. So ersetzt zum Beispiel ein Coding-Tool das bisherige alphabetische Verzeichnis. Für die Einführung in den Mitgliedsstaaten plant die World Health Organisation (WHO) Trainingsprogramme und entwickelt unterstützende Tools.

Künftig gibt es wenige Basiskodes mit Spezifikationen

Inhaltlich gibt es sechs neue Kapitel, die teilweise durch Streichen bestimmter Bereiche aus vorhandenen Bereichen entstanden sind. Zudem enthält das Standardwerk neue Diagnosen zu zwanghaftem Sexualverhalten und Computerspielsucht; der Schlaganfall wird aus der Liste der Herz-Kreislauferkrankungen gestrichen und als neurologische Erkrankung deklariert. Auch mit dem Thema Antibiotikaresistenzen hat sich die WHA befasst und den neuen Katalog dahingehend angepasst, dass diese besser dokumentiert werden können. Dabei ist für die Kodierung grundsätzlich ein neues Schema vorgesehen: Das bisher geltende Prinzip „Ein Kode pro Krankheit und so viele präkombinierte Kodes wie möglich“ wird abgelöst durch ein sogenanntes „Cluster Coding“, das heißt: Relativ wenige Basiskodes werden künftig durch zusätzliche Kodes spezifiziert.

Bis zum verbindlichen Einsatz des neuen Katalogs bleibt den Anwendern ab 2022 eine Übergangsfrist von fünf Jahren. Viele für Deutschland relevante Aspekte sind in der internationalen Version bereits berücksichtigt, teilte das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) mit. Dennoch könnten die Folgen des Umstiegs und die Anforderungen an die deutsche Fassung noch nicht abschließend bewertet werden. Neben zahlreichen Projekten und Beratungen zur Einführung der ICD-11 startet im ersten Schritt die Übersetzung der mehr als 100.000 Einträge der Basisdaten (Foundation). Die deutsche Fassung (ICD-11-GM) soll den Anwendern dann nach und nach zur Verfügung gestellt werden.

Die ICD bildet neben dem Prozedurenschlüssel OPS die Grundlage der Entgeltsysteme im ambulanten und stationären Bereich. Beide werden jedes Jahr vom DIMDI aktualisiert und veröffentlicht.

Zur Pressemitteilung des DIMDI

Internationale Klassifikation der Krankheiten in Deutschland (ICD-10-GM)