Untergrenzen für Pflegepersonal

Krankenhäuser müssen seit Jahresbeginn 2019 in bestimmten Abteilungen konkrete Vorgaben für die Besetzung ihrer Stationen mit Pflegepersonal einhalten.

Foto: Pflegerin am Krankenbett

Die Vorgaben gelten für sogenannte „pflegesensitive“ Bereiche, also zunächst für die Abteilungen der Intensivmedizin, der Geriatrie, der Kardiologie und der Unfallchirurgie. Entsprechende Regelungen hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) per Verordnung auf den Weg gebracht. In den genannten Abteilungen soll eine Pflegekraft demnach nicht mehr als die für ihren jeweiligen Fachbereich definierte Höchstzahl an Patienten betreuen. Die Verordnung wurde mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz um eine Reglung ergänzt, die die pflegerische Versorgung auch auf den übrigen Stationen sichern soll. Demnach dürften Kliniken künftig einen sogenannten Pflegepersonalquotienten in Bezug auf das ganze Haus nicht unterschreiten.

Verpflichtende Pflegepersonaluntergrenzen in pflegeintensiven Krankenhausbereichen sollen die Patientensicherheit unterstützen und die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte im Krankenhaus verbessern. Die Einhaltung der Vorgaben wird pro Monat als Durchschnittswert ermittelt. Kliniken müssen jedoch für jedes Quartal sämtliche Schichten ausweisen, in denen die Grenzen unterschritten wurden. Zu den bereits definierten Geltungsbereichen der Verordnung (Geriatrie, Unfallchirurgie, Kardiologie, Intensivmedizin) kommen im Lauf des Jahres 2019 die Neurologie und Herzchirurgie hinzu. Ab 2020 sollen jedes Jahr zwei weitere Fachrichtungen folgen.

Im Februar 2019 hat das InEK eine aktuelle Liste der pflegesensitiven Abteilungen und Stationen in allen deutschen Kliniken veröffentlicht. Die Aufstellung beruht auf Informationen der Krankenhäuser, die das Institut im Rahmen der Umsetzung der Verordnung erhalten hat.

Weitere Abteilungen können als pflegesensitive Bereiche klassifiziert werden

Laut Verordnung werden alle Personaluntergrenzen als Verhältnis der Anzahl von Patienten zur Anzahl der Pflegekräfte definiert. Dabei unterscheidet das Ministerium lediglich Tag- und Nachtschichten. Schwächere personelle Besetzungen an Wochenenden und Feiertagen, die der Referentenentwurf für einige Abteilungen vorgesehen hatte, sind in der finalen Fassung nicht mehr enthalten.

Über die festgelegten Abteilungen hinaus können weitere Stationen eines Krankenhauses als pflegesensitiv klassifiziert werden. Dafür muss der Anteil der für eine Abteilung im Jahr abgerechneten Fälle, die auf einen der pflegesensitiven Bereiche hindeuten, mindestens 40 Prozent betragen. Für das Jahr 2019 hat das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) an allen Klinikstandorten die vorhandenen pflegesensitiven Abteilungen erhoben (anhand sogenannter Indikatoren-DRGs) und die Krankenhäuser über die Auswertung informiert. Aufgrund der Komplexität und zahlreicher Nachfragen zur Umsetzung der Verordnung hat das InEK auf seinen Webseiten zudem wesentliche Informationen zur Datenauswertung, Antworten auf häufige Fragen (FAQs) und eine Klarstellung des Bundesgesundheitsministeriums zur Intensivmedizin veröffentlicht.

  • Untergrenzen für die Besetzung mit Pflegepersonal

    • Intensivmedizin
    in der Tagschicht 2,5 : 1 und in der Nachtschicht 3,5 : 1;
    ab 2021: in der Tagschicht 2 : 1 und in der Nachtschicht 3 : 1 

    • Geriatrie
    in der Tagschicht 10 : 1 und in der Nachtschicht 20 : 1 

    • Unfallchirurgie
    in der Tagschicht 10 : 1 und in der Nachtschicht 20 : 1 

    • Kardiologie
    in der Tagschicht 12 : 1 und in der Nachtschicht 24 : 1 


  • Obergrenzen für den Anteil von Hilfskräften

    • Intensivmedizin
    in der Tag- und Nachtschicht 8 Prozent

    • Geriatrie
    in der Tagschicht 20 Prozent und in der Nachtschicht 40 Prozent 

    • Unfallchirurgie
    in der Tagschicht 10 Prozent und in der Nachtschicht 15 Prozent 

    • Kardiologie
    in der Tagschicht 10 Prozent und in der Nachtschicht 15 Prozent 

  • Regelungen zum Nachweis der Personalausstattung

    Die Kliniken müssen ab Januar 2019 quartalsweise über die Einhaltung der Pflegepersonaluntergrenzen in allen pflegesensitiven Bereichen berichten. Die Meldung soll jeweils zum 15. April, 15. Juli, 15. Oktober und zum 15. Januar eines Jahres für das jeweils vorangegangene Quartal erfolgen. Dabei müssen die Kliniken die durchschnittliche Pflegepersonalausstattung – differenziert nach Pflegefachkräften und Pflegehilfspersonal – mitteilen, die durchschnittliche Patientenbelegung und die Anzahl der Schichten, in denen die Pflegepersonaluntergrenzen nicht eingehalten wurden. Zusätzlich ist eine Differenzierung nach Standort, pflegesensitivem Bereich (zurzeit Geriatrie, Kardiologie, Unfallchirurgie, Intensivmedizin), Schicht und Station gefordert. Informiert werden das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) und die örtlichen Vertragspartner. Weitere Fragen beantwortet das InEK auf seinen Webseiten zum Thema.


Weitere Informationen:
Gutachten legt Personalausstattung in der Pflege offen
Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz (PpSG)