Glossar


Bundesärztekammer
Die Bundesärztekammer (BÄK) ist als Arbeitsgemeinschaft der Landesärztekammern auf Bundesebene die zentrale Institution der ärztlichen Selbstverwaltung. Orientiert am Transplantationsgesetz, erstellt sie unter anderem die Richtlinien zur Hirntoddiagnostik, zur Aufnahme auf die Warteliste für eine Transplantation und zur Verteilung der Spenderorgane.
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Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist eine Fachbehörde des Bundesministeriums für Gesundheit. Sie ist für die bundesweite Koordinierung und Verstärkung der gesundheitlichen Aufklärung und Gesundheitserziehung zuständig.
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Deutsche Stiftung Organtransplantation
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) koordiniert die Organspenden innerhalb Deutschlands - von der Meldung eines möglichen Spenders bis zur Übergabe der Organe. Sie arbeitet mit Transplantationszentren und solchen Krankenhäusern zusammen, die eine Intensivstation haben und Organe entnehmen dürfen. Die Aufgaben der DSO sind gemeinsam mit der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem GKV-Spitzenverband festgelegt.
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Dringlichkeit
Die Dringlichkeit ist neben der Erfolgsaussicht das Hauptkriterium für die Verteilung von Spenderorganen und wird auf der Warteliste vermerkt. Sie hängt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer von dem jeweiligen Schaden ab, der durch eine Transplantation verhindert werden soll. Eine besondere Dringlichkeit besteht dann, wenn das Leben eines Patienten unmittelbar bedroht ist. Bei der Verteilung von Organen werden entsprechende Patienten besonders berücksichtigt. Die Bundesärztekammer hat in ihren Richtlinien für jedes Organ spezielle Kriterien für die besondere Dringlichkeit formuliert.
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Entnahmekliniken
Die Zulassung als Entnahmeklinik erfolgt im Rahmen der üblichen Krankenhauszulassung der Länder. Ein eigenständiges Zulassungsverfahren gibt es nicht. Mit der Reform des Transplantationsgesetzes 2012 hat der Gesetzgeber den Kreis der Entnahmekliniken erweitert. Demnach ist die Entnahme von Organen keine originäre Aufgabe der Maximalversorger/Universitätskliniken, sondern obliegt grundsätzlich allen Krankenhäusern, die über einen Operationssaal und eine Intensivstation mit Beatmungsplätzen verfügen.
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Erfolgsaussicht
Die Erfolgsaussicht ist neben der Dringlichkeit das Hauptkriterium für die Verteilung von Spenderorganen. Der Erfolg einer Transplantation wird nach den Richtlinien der Bundesärztekammer an drei Merkmalen festgemacht: das Überleben des Empfängers, die längerfristig gesicherte Funktion des transplantierten Organs und eine Verbesserung der Lebensqualität.
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Erweiterte Zustimmungslösung
Nach dem Transplantationsgesetz gilt in Deutschland die erweiterte Zustimmungslösung. Dies bedeutet, dass eine Organentnahme ohne Zustimmung des Spenders beziehungsweise der nächsten Angehörigen unzulässig ist. Entscheidungsgrundlage ist immer der bekannte oder mutmaßliche Wille des Verstorbenen.
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Eurotransplant
Die Stiftung Eurotransplant mit Sitz im niederländischen Leiden koordiniert die Organzuteilung für acht Länder: Deutschland, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Der Zusammenschluss der Länder soll die Chancen der Patienten erhöhen, ein passendes Organ zu erhalten. Bei Eurotransplant läuft alles zusammen: die Daten der Menschen, die auf eine Transplantation warten, und die Daten der gespendeten Organe. Die Informationen über die Wartenden kommen von den Transplantationszentren, die Daten über die Organe von der Deutschen Stiftung Organtransplantation.
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Gewebespenden
Neben Organen kann in Deutschland auch Gewebe gespendet werden. Das betrifft die Hornhaut der Augen, Haut, Knochen, Knorpel und Herzklappen. Die Entnahme von Gewebe kann bis zu 24 Stunden nach Eintritt des Todes erfolgen. Gewebebanken bereiten das menschliche Gewebe nach der Entnahme auf und lagern es. Das Gewebe wird im Gegensatz zu Organen nicht sofort transplantiert und muss uch in der Aufarbeitung und Konservierungsphase ein Sterilisationsverfahren und Quarantänezeiten durchlaufen. Gewebe können grundsätzlich auch für die Herstellung von Arzneimitteln oder für die Forschung verwendet werden. Werden sie für die Arzneimittelherstellung verwendet, unterliegen sie dem Arzneimittelgesetz.
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Humanes Leukozytenantigen (HLA)
Das humane Leukozytenantigen (HLA), auch Transplantationsantigen genannt, ist für die Funktion des Immunsystems zentral. HLA dienen der Bestimmung der Gewebeverträglichkeit, die für den Erfolg von Transplantationen wichtig ist. Es gilt: Je ähnlicher sich die HLA-Muster von Spender und Empfänger sind, desto geringer ist die Gefahr von Abstoßungsreaktionen.
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Hirntod
Der Hirntod bezeichnet den Organtod des Gehirns und somit einen unwiederbringlichen Verlust der Gesamtfunktion des Gehirns. Da das Gehirn neben dem Denken, Handeln und Wahrnehmen auch wesentliche Körperfunktionen wie die Atmung, den Kreislauf und die Temperaturregulation steuert, ist der Körper in seiner Gesamtheit im Falle des Hirntods nicht mehr funktionsfähig. Lediglich durch Beatmung und Medikamente kann die Herz- und Kreislauffunktion noch künstlich aufrechterhalten werden. Bei der Organspende gilt: Ehe jemand als Spender infrage kommt, müssen zwei erfahrene Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen.
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Koordinator
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation setzt ärztliches und pflegerisches Fachpersonal als Koordinatoren ein. Sie sind für den Organspendeprozess besonders qualifiziert und übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben. So klären sie beispielsweise die medizinischen Voraussetzungen einer Organspende, führen Angehörigengespräche, leiten Daten an die Vermittlungsstelle Eurotransplant weiter und organisieren Organentnahme und Transport in die Transplantationszentren.
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Lebendspende
Das Transplantationsgesetz regelt auch Organspenden während des Lebens. Dabei gilt: Wer zeitlebens ein Organ spenden will, muss volljährig sein und über alle Risiken aufgeklärt werden. Ein Organ kann nur Verwandten, Ehegatten, Lebenspartnern oder engen Freunden gespendet werden. Jeder Lebendspender hat einen Anspruch gegen die Krankenkasse des Organempfängers auf Krankenbehandlung, Vor- und Nachsorge, Rehabilitation sowie Krankengeld.
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Mehraugenprinzip
Das sogenannte Mehraugenprinzip dient dazu, Manipulationen bei der Organvergabe zu verhindern. Heute entscheidet in jedem Transplantationszentrum eine ständige, interdisziplinäre und organspezifische Expertenkonferenz über die Aufnahme eines Patienten in die Warteliste, deren Führung und die Abmeldung eines Patienten. In dieser Konferenz muss neben den direkt beteiligten medizinischen Disziplinen mindestens eine weitere Disziplin vertreten sein, die nicht unmittelbar in das Transplantationsgeschehen eingebunden ist.
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Patientenverfügung
Die Patientenverfügung stellt eine vorsorgliche Willenserklärung dar. Diese tritt in Kraft, sobald der Betroffene einer Behandlungsmaßnahme nicht mehr selbst zustimmen oder diese ablehnen kann. In der Patientenverfügung werden Bestimmungen zu medizinischen Behandlungsmaßnahmen in Bezug auf konkrete Situationen festgehalten. Eine Patientenverfügung muss schriftlich verfasst werden. Sie ist verbindlich zu befolgen, sofern sie sich konkret auf die eingetretenen Umstände beziehen lässt.
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Postmortale Organspende
Wer seine Organe nach dem Hirntod spenden möchte, muss einer Entnahme ausdrücklich zustimmen. Seit dem 1. November 2012 gilt außerdem die sogenannte Entscheidungslösung: Jeder Krankenversicherte wird regelmäßig angeschrieben und gefragt, ob er im Todesfall seine Organe spenden will. Die Entscheidung für oder gegen die Organspende kann jeder im Organspendeausweis dokumentieren. Wenn aber ein möglicher Spender zu Lebzeiten nichts verfügt hatte, werden nach seinem Tod die Angehörigen gefragt, ob sie einer Spende zustimmen. Maßgeblich ist juristisch dann aber der zu Lebzeiten formulierte Wille des Verstorbenen.
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Transplantationsbeauftragter
Seit der Organspende-Reform 2012 sind alle Krankenhäuser, in denen eine Organentnahme möglich ist, einen Transplantationsbeauftragten zu benennen. Zu den Aufgaben des Transplantationsbeauftragten gehört es, die Voraussetzung und die Zustimmung zur Organspende gegebenenfalls mit Angehörigen eines möglichen Spenders zu klären, die Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation und den Transplantationszentren zu koordinieren und das Krankenhauspersonal mit allen Belangen einer Organspende vertraut zu machen.
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Transplantationszentren
Transplantationszentren sind interdisziplinäre Einrichtungen, die laut Transplantationsgesetz für die Übertragung von Spenderorganen zugelassen sind. Welche Krankenhäuser welche Organe verpflanzen dürfen, legen die Bundesländer in ihren Krankenhausplänen fest. Dabei sind die Länder gesetzlich verpflichtet, die Schwerpunkte beziehungsweise Zentren so zu bilden, dass eine bedarfsgerechte, leistungsfähige und wirtschaftliche Versorgung gewährleistet und die erforderliche Qualität der Organübertragung sichergestellt sind. In Deutschland gibt es 47 Transplantationszentren und 140 organspezifische Transplantationsprogramme, und zwar für Niere, Herz, Leber, Lunge, Pankreas und Dünndarm (Stand: November 2013). Der Aufgabenbereich der Transplantationszentren umfasst die Führung von Wartelisten, die Organübertragung, die Dokumentation der Organübertragung selbst, die Nachsorge der Patienten, die psychische Betreuung von Patienten vor und nach der Transplantation sowie die Dokumentation der Ergebnisse der Transplantation.
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Warteliste
Patienten, die auf eine Transplantation angewiesen sind, werden auf Wartelisten registriert. Dafür werden alle notwendigen medizinischen Informationen, die für die Zuteilung eines Spenderorgans benötigt werden, von den Transplantationszentren erfasst. Die Informationen werden an Eurotransplant übermittelt, wo für jedes Organ gemeinsame Wartelisten der Eurotransplan-Mitgliedsländer geführt werden,
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