Besonderheiten der Organlebendspende

Gesunde Menschen können auch bereits zu Lebzeiten bestimmte Organe oder Organteile an ihnen Nahestehende spenden. Üblich sind bisher Spenden von Leberteilen und Nieren. Die Spender können mit verbleibender Niere oder Leber weiterleben. Nach Angaben der Stiftung Lebendspende wurden 2011 insgesamt 795 Nieren lebender Spender verpflanzt. Das sind 27,9 Prozent aller Nierentransplantationen in Deutschland.

2012 ist erstmals hierzulande eine Lungenlebendspende gelungen. An der spektakulären Transplantation waren 20 Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover zeitgleich beteiligt. Beim Eingriff spendeten die Eltern ihrem todkranken elfjährigen Sohn einen Teil ihrer Lungen.

Die gesamte Finanzierung der Organlebendspende und -transplantation erfolgt über das DRG-System. Die Vermittlungsstelle Eurotransplant und die Koordinierungsstelle Deutsche Stiftung Organtransplantation sind am Prozess nicht beteiligt. Jeder Lebendspender hat heute einen Anspruch gegenüber der Krankenkasse des Organempfängers auf Krankenbehandlung, Vor- und Nachsorge, Rehabilitation sowie Krankengeld.

gesetzliche Anforderungen
Finanzierung
Absicherung lebender Spender

Gesetzliche Anforderungen

Einzelheiten zu Organspenden während des Lebens regelt das Transplantationsgesetz (TPG). Es schreibt vor, dass die Lebendspende nur zulässig ist, wenn kein postmortal gespendetes Organ für den Empfänger zur Verfügung steht (Subsidiarität). Das bedeutet, dass der Empfänger vor der Transplantation auf einer Warteliste bei Eurotransplant stehen muss. Ein Organ kann nur Verwandten, Ehegatten, Lebenspartnern oder engen Freunden gespendet werden, die dem Empfänger in besonderer Weise verbunden sind.

Es gilt darüber hinaus: Wer zeitlebens ein Organ spenden will, muss volljährig sein und über alle Risiken aufgeklärt werden. So muss ein Arzt des Transplantationsteams den Spender vor der stationären Aufnahme über die Art des Eingriffs, den Umfang und mögliche Folgen der beabsichtigten Organentnahme für seine Gesundheit sowie über die zu erwartende Erfolgsaussicht der Organübertragung informieren. Außerdem muss der Spender in die Organentnahme schriftlich einwilligen. Die Einwilligungserklärung und der Inhalt des Aufklärungsgesprächs hält die Klinik in einem Protokoll fest, das der Arzt und der Spender unterschreiben. Dieses Protokoll muss nach dem Transplantationsgesetz auch Angaben über die versicherungsrechtliche Absicherung der gesundheitlichen Risiken des Spenders enthalten. Außerdem sind sowohl der Spender als auch der Empfänger gesetzlich dazu verpflichtet, an einer ärztlich empfohlenen Nachbetreuung teilzunehmen.

Vor der endgültigen Entscheidung muss eine Ethikkommission einen jeden Fall begutachten. Sie prüft, ob sich der Spender aus freien Stücken für die Operation entschieden hat und ob eine besondere Verbundenheit zwischen ihm und dem Empfänger bestehet. Der Kommission gehören ein Arzt, ein Jurist mit der Befähigung zum Richteramt und ein in psychologischen Fragen erfahrener Sachverständige. Der Arzt darf weder an der Entnahme noch an der Übertragung von Organen beteiligt sein, noch Weisungen eines Arztes unterstehen, der an solchen Maßnahmen beteiligt ist.

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