Neue Austauschmöglichkeiten für Apotheken

(23.04.20) Apotheker erhalten weiterreichende Austauschmöglichkeiten bei der Medikamentenabgabe. Während der Corona-Pandemie dürfen sie von der Verordnung des Arztes abweichen, wenn das entsprechende Arzneimittel nicht lieferbar ist (Aut-idem-Austausch).

Das sieht die sogenannte SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungs-Verordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) vor. Die Verordnung gilt seit dem 22. April. Nach Angaben des BMG sollen Patienten so „ohne zusätzliche Arztkontakte auch bei Lieferengpässen mit den notwendigen Arzneimitteln versorgt werden“. Auch die Abgabe von Teilmengen wird erlaubt, sofern dadurch die verordnete Gesamtmenge des Wirkstoffs nicht überschritten wird.

Was müssen Apotheker beachten?

Apotheker dürfen von den bisher geltenden Vorgaben des Fünften Buches Sozialgesetzbuch nur unter bestimmten Bedingungen abweichen.

  1. Ist das auf Rezept abzugebende Arzneimittel „in der Apotheke nicht vorrätig“, dürfen Apotheker an den Versicherten ein „in der Apotheke vorrätiges wirkstoffgleiches Arzneimittel“ abgeben (aut-idem-Austausch).
  2. Sofern aber weder das auf der Grundlage der Verordnung abzugebende noch ein wirkstoffgleiches Arzneimittel vorrätig oder lieferbar ist, dürfen „Apotheken nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt ein pharmakologisch-therapeutisch vergleichbares Arzneimittel an den Versicherten abgeben“ (aut-simile-Austausch). Dies ist auf dem Rezept zu dokumentieren.

Bei diesen und weiteren Abweichungen (Packungsgröße, Packungsanzahl, Entnahme von Teilmengen aus Arzneimittelpackungen und Wirkstärke) hat das Bundesgesundheitsministerium die Beanstandung und Retaxation gegenüber Apotheken ausgeschlossen.

Neben der Erweiterung von Austauschmöglichkeiten sieht die Verordnung zahlreiche weitere Ausnahmen und Ergänzungen zu bestehenden Regelungen vor. Hauptziel dieser Maßnahmen ist es, das Infektionsrisiko zu minimieren, indem die Zahl der Apotheken- und Arztkontakte für die Versicherten reduziert wird.

Botendienste bis 30. September vergütet

Neben den neuen Austauschmöglichkeiten sieht die Regelung eine zeitlich befristete Vergütung für den Botendienst von Apotheken während der Corona-Epidemie vor. Ziel ist die Sicherstellung der Versorgung chronisch Kranker sowie von Patienten in Quarantäne und häuslicher Isolation.

Konkret wird der Botendienst mit einem einmaligen Zuschuss von 250 Euro (zuzüglich Umsatzsteuer) je Apotheke gefördert. Mit dem Geld sollen die Apotheken Schutzausrüstung für die Boten beschaffen. Zudem wird jede Lieferung mit fünf Euro (zuzüglich Umsatzsteuer) je Lieferort und -tag vergütet. Dies gilt bis zum 30. September 2020. Die Details der Abrechnung müssen noch vom Deutschen Apothekerverband und dem GKV-Spitzenverband geklärt werden.

Darüber hinaus dürfen Apotheken und Krankenhausapotheken nun untereinander Betäubungsmittel abgeben, um die Verfügbarkeit von Betäubungsmitteln entsprechend der jeweiligen Bedarfslage zu erhöhen.

Substitutionsärzte erhalten die Möglichkeit, bei der engen Betreuung und Behandlung von opioidabhängigen Menschen von bestimmten Vorgaben der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung abzuweichen, soweit dieses ärztlich vertretbar ist.

Hintergrund

Mit der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungs-Verordnung nimmt das BMG Abweichungen von den Vorschriften des Fünften Buches Sozialgesetzbuch, des Apothekengesetzes, der Apothekenbetriebsordnung, der Arzneimittelpreisverordnung, des Betäubungsmittelgesetzes und der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung infolge der SARS-CoV-2-Epidemie vor. Die Arzneimittelversorgungsverordnung beruht auf dem Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite, das am 28. März 2020 in Kraft getreten ist.

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