Gewebespende und -transplantation

In Deutschland ist es möglich, neben Organen auch Gewebe zu spenden. Die Entscheidung für oder gegen die Gewebespende kann jeder im Organspendeausweis dokumentieren. Eine Transplantation von Geweben wie Augenhornhäuten, Herzklappen, Knochen und Blutgefäßen kann Leben retten oder zumindest die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessern. So können Ärzte zum Beispiel gespendete Augenhornhaut transplantieren, sodass Blinde ihre Sehkraft wiedererlangen. Mit Hilfe von gespendeten Knochen erhalten Menschen etwa nach Unfällen oder Krebserkrankungen ihre Mobilität zurück.

 

Gewebe und Gewebebanken

Gewebe im Sinne des Transplantationsgesetzes sind alle aus Zellen bestehenden Teile des menschlichen Körpers, die keine Organe sind, einschließlich einzelner menschlicher Zellen. Eine Gewebespende läuft von der Spendermeldung bis zur Transplantation ähnlich wie die Organspende ab. Auch für die Gewebespende ist der Hirntod die zentrale Voraussetzung. Die Gewebespende unterscheidet sich von der Organspende nur dadurch, dass die gespendeten Gewebe je nach Gewebeart bis zu 24 Stunden nach dem Tod noch entnommen werden können. Außerdem müssen sie nicht unmittelbar nach der Entnahme transplantiert werden. Es ist möglich, gespendete Gewebe eine gewisse Zeit zu lagern, ohne dass sie davon Schaden nehmen. Die Gewebespenden werden in Gewebebanken aufbewahrt. Gewebebanken sind Einrichtungen, die oft an Kliniken angebunden sind. Dort werden gespendete Gewebe auch aufbereitet und konserviert (Prozessierung). Ziel dabei ist es, das Gewebe nach der Präparation in seiner ursprünglichen Struktur und Funktion zu erhalten. Die Gewebepräparate werden in den Gewebebanken auch medizinisch untersucht, um eine Übertragung von Infektionen zu verhindern.

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung werden folgende Gewebe am häufigsten übertragen:

  • Augenhornhaut: zur Wiederherstellung der Sehfähigkeit
  • Herzklappen: zur Vermeidung oder Behebung einer Herzschwäche
  • Knochen: zur Behebung von Knochenschädigungen nach Unfällen oder Krankheiten
  • Haut: zur Abdeckung großer Wundflächen, insbesondere nach Brandverletzungen.

Gewebe und Zellspenden können im gesetzlichen Rahmen grundsätzlich auch für die Forschung verwendet werden und unterstützen so den medizinischen Fortschritt.

Seit August 2007 regelt das Gewebegesetz die Gewebespenden in Deutschland. Die Koordination und Organisation von Gewebespenden übernehmen sogenannte Gewebeeinrichtungen.

Weitere Informationen zu Gewebebanken

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Vermittlung

Anders als bei der Organspende gibt es bei der Gewebespende keine zentrale Vermittlungsstelle, die die Zulassung von Gewebe übernimmt. Vielmehr kann ein Patient sich direkt bei diversen Gewebebanken über das behandelnde Krankenhaus registrieren lassen. Dies hat vor allem folgende Gründe:

Die meisten Gewebe können länger als Organe gelagert werden und sind deshalb länger verfügbar. Bei Augenhornhäuten sind das 28 Tage, bei Herzklappen und Gefäßpräparaten sogar bis zu mehreren Jahren. Aufgrund der besseren Verfügbarkeit bedarf es auch keiner Warteliste, auf die Patienten nach definierten Kriterien wie Dringlichkeit und Erfolgsaussicht gesetzt werden. Außerdem setzt die Transplantation bei den meisten Geweben keine Blutgruppen- oder Gewebekompatibilität voraus. Nur bei der Stammzell- oder Knochenmarktransplantation ist eine Übereinstimmung der Gewebemerkmale erforderlich (HLA-Muster), um eine Abstoßung des Transplantats zu vermeiden. Bei der Suche nach passenden Spendern hilft das Zentrale Knochenmarkspenderregister Deutschlands (ZKRD). Über das ZKRD können Kliniken für ihre gemeldeten Patienten in den nationalen und internationalen Spenderdatenbanken, sogenannten Dateien, zum Beispiel der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) passende Spender recherchieren lassen.

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Finanzierung

Gewebebanken sind in der Regel keine direkten Vertragspartner der Kassen, sondern der Transplantationszentren. Krankenhäuser erwerben die für die Versorgung ihrer Patienten notwendigen Implantate bei den Gewebebanken gegen eine Aufwandserstattung, die sie direkt begleichen. Die Kliniken holen sich das Geld wieder zurück, indem sie entsprechende Zusatzentgelte zu den DRG-Fallpauschalen mit der Krankenkasse des Patienten abrechnen. Auch die Kosten für die Transplantation von Gewebe übernimmt die Krankenkasse des Empfängers.

Ein gewinnorientierter Handel mit nicht weiterverarbeiteten Gewebeimplantaten ist verboten. Anders ist das bei Gewebespenden, die mittels industrieller Verfahren zu Arzneimitteln weiterverarbeitet werden. Sie fallen unter das Arzneimittelgesetz und sind vom Handelsverbot ausgenommen.

Da es für Gewebespenden keine zentrale Vermittlungsstelle gibt, wird auch die Zuteilung von den Krankenkassen nicht gesondert finanziert. Eine Ausnahmeregelung gilt auch hier für die Vermittlung von Knochenmark- und Blutstammzellspenden durch das ZKRD. Die Suche nach geeigneten Spendern mit einem passenden HLA-Muster, das in aufwändigen labortechnischen Verfahren geprüft wird, vergüten die Krankenkassen mit Suchpauschalen, die der GKV-Spitzenverband jährlich verhandelt.

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