Antiobiotika: Weniger Einsatz, mehr Forschung

Antibiotika

(12.06.15) Die sieben großen Industriestaaten haben auf ihrem Gipfeltreffen am 7. Und 8. Juni ein gemeinsames Vorgehen gegen Antibiotika-Resistenzen beschlossen. In der Human- wie auch in der Veterinärmedizin soll künftig die „fachgerechte Verwendung von Antibiotika“ gefördert werden. Gleichzeitig wollen die G7 die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapien, Impfstoffe und Schnelltests fördern. Im selben Zusammenhang erklärten die Konferenzteilnehmer ihre „uneingeschränkte Unterstützung“ des kürzlich von der WHO beschlossenen, globalen Aktionsplans für den Umgang mit Antibiotikaresistenzen. Binnen zwei Jahren wollen die 194 Mitgliedsstaaten die beschlossenen Maßnahmen in nationale Strategien übersetzen. Erst Mitte Mai hatte die deutsche Bundesregierung ihre „Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie“ (DART) auf den Weg gebracht.

WIdO warnte schon vor zwölf Jahren

Bereits 2003 hatte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in einer Studie auf die Gefahren zunehmender Resistenzen hingewiesen und für einen zurückhaltenderen Einsatz antibiotisch wirkender Medikamente plädiert. Eine aktuelle Studie der Berliner Charité zum Einsatz von Antibiotika in Deutschland bestätigt den nach wie vor nicht leitliniengerechten Umgang mit entsprechenden Wirkstoffen. Demnach würden mindestens 30 Prozent der Antibiotika inadäquat eingesetzt, etwa (fälschlicherweise) zur Behandlung von viralen Infektionen oder (zu lange) im zeitlichen Umfeld von Operationen. Der inflationäre Gebrauch begünstigt die Entwicklung resistenter Kulturen. Jeder zehnte gesundheitsgefährdende Keim gilt heute bereits als resistent.

In der deutschen Bevölkerung herrschen indes nur vage Vorstellungen über den Zusammenhang von Antibiotika-Konsum und -Wirkung. Nur jeder vierte Teilnehmer einer TNS-Emnid-Studie wusste, dass Bakterien Resistenzen entwickeln, nicht aber der Mensch. Ein Drittel war der Meinung, dass sowohl Bakterien als auch Viren resistent würden. Nur wenigen ist bekannt, dass auch die falsche Einnahme von Antibiotika Resistenzen begünstigt.