Mehr Transparenz bei Mehrkosten: Erster Bericht über freiwillige Aufzahlungen bei Hilfsmitteln

Foto: Orthese

(05.07.19) Vier von fünf gesetzlich Versicherten (82 Prozent) erhalten eine mehrkostenfreie Hilfsmittelversorgung durch ihre Krankenkassen. Bei den meisten Produktgruppen gibt es nahezu keine oder nur in sehr wenigen Fällen Mehrkostenvereinbarungen. 18 Prozent der Versicherten legen freiwillig aus eigener Tasche drauf – vor allem für Einlagen und Hörhilfen, gefolgt von Brustprothesen, Kompressionsstrümpfen und Beinprothesen. Zu diesem Ergebnis kommt der erste Bericht des GKV-Spitzenverbandes über Mehrkosten bei der Versorgung mit Hilfsmitteln innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Zwei Drittel der Mehrleistungen für Hörhilfen

Von Juni bis Dezember 2018 zahlten Versicherte bei 2,5 Millionen Hilfsmittelversorgungen 303 Millionen Euro dazu. In rund zwei Dritteln aller Fälle ging es um Hörhilfen; hierfür gaben die Versicherten insgesamt etwa 198 Millionen Euro aus. 48 Prozent der Versicherten entschieden sich für ein Mehrkostengerät, zum Beispiel wegen einer technischen Zusatzausstattung oder besonders kleiner Bauform. Die durchschnittliche Höhe der Mehrkosten von 118 Euro ist daher stark durch diesen Produktbereich geprägt. Ohne Hörhilfen lägen die Aufzahlungen nur bei durchschnittlich 44 Euro.

Der Bericht geht auf das im April 2017 beschlossene Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) zurück. Ausgewertet wurden 85 Prozent der Abrechnungsdaten von Versorgungsfällen aus dem zweiten Halbjahr 2018; diese wurden kassenartenübergreifend und leistungserbringerneutral analysiert. Insgesamt handelt es sich um 15,3 Millionen Hilfsmittelversorgungen mit einem Ausgabevolumen um die 3,9 Milliarden Euro. Der Bericht erscheint von nun an jedes Jahr zum 30. Juni.

Das Prinzip Sachleistung in der Diskussion

Hintergrund der Untersuchung ist die öffentliche Diskussion über das Sachleistungsprinzip in der GKV. Demnach sollen Versicherte die medizinisch notwendige Versorgung ohne Mehrkosten erhalten. Als gesetzliche Zuzahlung sind lediglich Selbstbeteiligungen zwischen fünf und zehn Euro pro Hilfsmittel vorgesehen. Versicherte können aber auch Leistungen erhalten, die über das Notwendige hinausgehen, wenn sie bereit sind, die entsprechenden Mehrkosten selbst zu tragen. Anbieter bewerben daher häufig Produkte mit zusätzlichen Merkmalen, -funktionen oder besonderen Bauformen, die über den medizinischen Bedarf hinausgehen und gegen einen freiwillig gezahlten Aufpreis abgegeben werden. Die Krankenkassen empfehlen daher ihren Versicherten, sich den Mehrwert gegenüber dem als Sachleistung angebotenen Produkt genau erläutern zu lassen, und auch die Preise verschiedener Leistungserbringer zu vergleichen.