Bekämpfung resistenter Erreger: Zehn-Punkte-Plan zur Vermeidung behandlungsassoziierter Infektionen und Antibiotika-Resistenzen

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) infizieren sich jährlich im Krankenhaus 400.000 bis 600.000 Menschen mit multiresistenten Keimen. Zwischen 10.000 und 15.000 Menschen sterben pro Jahr daran. 2011 reagierte der Gesetzgeber unter anderem mit schärferen Regeln für Hygiene und Kontrolle. Doch brachten bisherige Maßnahmen nicht den erhofften Erfolg. Nun will Bundesminister Hermann Gröhe mit einem Zehn-Punkte-Plan gegen das Problem vorgehen.

Schärfere Meldepflichten für gefährliche Erreger

Geplant ist unter anderem, die Meldepflichten für Kliniken bei Auftreten besonders gefährlicher Keime zu verschärfen. So müssen Kliniken Krankheitskeime, wie multiresistente gram-negative Erreger (4MRGN) sowie Clostridium difficile, künftig bereits beim ersten Nachweis melden. Davon erhofft sich der Gesetzgeber, die notwendigen epidemiologischen Daten über die Entwicklung und Verbreitung dieser Erreger zu bekommen, um sie zielgenaue zu bekämpfen.

Darüber hinaus will die Bundesregierung eine Pflicht für ambulante Screenings auf gefährliche Erreger vor planbaren Krankenhausaufenthalten weiter untersuchen und prüfen. Kliniken sollen zudem verpflichtet werden, in den jährlichen Qualitätsberichten in allgemein verständlicher Sprache über ihre Hygienestandards zu informieren.

Verpflichtende Weiterbildung fürs Personal

Bereits mit dem "Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung-2 im Jahr 2013 wurde ein Hygieneförderprogramm beschlossen. Im Rahmen des Programms erhalten Krankenhäuser bis 2016 von den Krankenkassen 365 Millionen Euro, um notwendiges Hygienepersonal einzustellen sowie Ärzte und Pflegekräfte auf dem Gebiet der Krankenhaushygiene weiterzubilden. Nach Ansicht des BMG ist die Einhaltung der Maßnahmen des Hygieneförderprogramms ein wesentliches Qualitätskriterium von Krankenhäusern, das auch bei der Landeskrankenhausplanung berücksichtigt werden sollte. Darüber hinaus soll eine verpflichtende Fortbildung für das medizinische Personal in Kliniken und Arztpraxen zum Einsatz von Antibiotika eingeführt werden.

Im aktuell vorgelegten Zehn-Punkte-Plan zur Bekämpfung resistenter Erreger gibt es keine Aussage zur Finanzierung.

Stärkere Förderung der Forschung

Das Problem mit den multiresistenten Keimen liegt unter anderem darin, dass solche Erreger eine hohe Resistenz gegen Antibiotika entwickelt haben. Hier gelte es, die Forschung zu intensivieren und neue Antibiotika zu entwickeln, so der Plan. So will die Bundesregierung über einen Zeitraum von drei Jahren Forschungsvorhaben zu den Themen nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Resistenz fördern. Im Rahmen des Pharmadialogs der Bundesregierung soll es außerdem darum gehen, Hindernisse in Forschung und Entwicklung zu identifizieren und gemeinsam mit der Wissenschaft und der pharmazeutischen Industrie Lösungen zu erarbeiten, wie sie dieser Verantwortung gerecht werden können.

Aktualisierung der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie

Weil Erreger, die Resistenzen entwickelt haben, besonders problematisch sind, will der Gesetzgeber nun die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) der Bundesministerien für Gesundheit, Ernährung und Landwirtschaft sowie Bildung und Forschung bis Sommer 2015 aktualisieren. Resistenzen entwickeln sich vermutlich unter anderem, weil Antibiotika in der Tiermast, aber auch bei Menschen zu häufig und nicht zielgenau verabreicht werden. Deshalb plant die Bundesregierung, das Auftreten von Antibiotika-Resistenzen und den Antibiotika-Verbrauch sowohl in der Human- als auch der Tiermedizin und der Landwirtschaft stärker zu überwachen und weitere Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Resistenzen zu unternehmen.