Umgang mit IGeL in Augenarztpraxen verunsichert Patienten

(04.09.19) In der Augenarztpraxis bekommen Patienten besonders häufig Selbstzahlerleistungen angeboten. Versicherte berichten von einem teils aggressiven Praxismarketing. Für den IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS) haben Experten jetzt die Früherkennung eines Glaukoms mit der Optischen Kohärenztomographie (OCT) bewertet. Ihr Urteil: tendenziell negativ.

Die OCT-Früherkennungsuntersuchung soll verhindern, dass Menschen wegen eines Glaukoms erblinden. Das Expertenteam des IGeL-Monitors konnte dazu allerdings keine aussagefähigen Studien finden. „Sie konnten ebenfalls keine Studien finden, die zeigen, dass eine frühe Therapie nützlich ist“, heißt es in einer vor Kurzem veröffentlichten Mitteilung des MDS. Dagegen seien „indirekte Schäden durch Überdiagnosen“ zu erwarten.

Leitlinien empfehlen OCT-Untersuchung nicht

Unter Abwägung des Schaden- und Nutzenpotenzials sei das Team deshalb zu dem Ergebnis gekommen, diese von den Patienten selbst zu bezahlende Früherkennungsuntersuchung als „tendenziell negativ“ zu bewerten.

Im Vorfeld der Recherchen hatten sich laut MDS Versicherte an den IGeL-Monitor gewandt und nach der OCT zur Glaukom-Früherkennung gefragt. „Eine erste Nachfrage bei Augenärzten zum Stellenwert der OCT zur Früherkennung ergab, dass der Einsatz skeptisch gesehen wird. Auch in den Leitlinien wird diese Untersuchung nicht zur Früherkennung empfohlen“, so Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs Evidenzbasierte Medizin beim MDS. Die Recherche bei 100 Augenarztpraxen habe aber ergeben, „dass 25 Prozent der Praxen die OCT genau zu diesem Zweck anbieten“.

Der Markt für IGeL boomt nach wie vor. „Rund eine Milliarde Euro setzen Arztpraxen damit im Jahr um“, so der MDS. Nach einer Ende Februar dieses Jahres veröffentlichten Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) wurde 2018 fast 30 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten eine individuelle Gesundheitsleistung angeboten. Laut WIdOmonitor 01/2019 hängt ein Angebot stark vom Einkommen und der Schulbildung des Patienten ab.

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