Ärzte müssen Befunde unter allen Umständen weitergeben

(27.09.18) Ein Arzt muss dafür sorgen, dass sein Patient von bedrohlichen Befunden und einer angeratenen Behandlung Kenntnis erlangt. Dies gilt auch, wenn der Patient schon länger nicht mehr bei ihm in der Praxis war oder der Behandlungsvertrag sogar schon beendet wurde.

Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe mit einem Urteil entschieden, das am 24. August 2018 veröffentlicht wurde. (Az. VI ZR 285/17)

In dem der Entscheidung zugrunde liegenden Rechtsstreit verlangte ein Mann von seiner langjährigen Hausärztin Schadensersatz. Die Ärztin hatte ihren Patienten wegen Schmerzen im linken Bein und Fuß an eine Fachärztin überwiesen. Diese stellte eine Geschwulst in der Kniekehle fest, die chirurgisch entfernt wurde. Dass es sich dabei um einen bösartigen, behandlungsbedürftigen Tumor handelte, teilte die Klinik im Nachgang ausschließlich der Hausärztin mit. Diese sprach den Mann erst knapp eineinhalb Jahre später auf den Befund an, als sich der Patient wegen einer anderen Erkrankung zu ihr in die Behandlung begab. Da sich bereits ein Rezidiv gebildet hatte, musste der Patient nachfolgend mehrfach operiert werden.

Der Arzt muss den Informationsfluss aufrechterhalten

Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hatte die Klage des Patienten abgewiesen. Die Richter hielten es für nachvollziehbar, dass die Hausärztin, die zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr in die Behandlung eingebunden war, untätig geblieben ist.

Der BGH stellte indes eine Verletzung der ärztlichen Pflichten gegenüber dem Patienten fest. Es sei ein schwerer Behandlungsfehler, wenn der Patient über einen bedrohlichen Befund, der Anlass zu umgehenden ärztlichen Maßnahmen gibt, nicht informiert und ihm die erforderliche ärztliche Beratung versagt wird, so die BGH-Richter. Dabei komme es auch nicht darauf an, ob außer dem behandelnden Arzt möglicherweise auch anderen Ärzten Versäumnisse zur Last gelegt werden müssen.

Dem Arztbrief, der nur an sie ging, habe die Hausärztin unschwer entnehmen können, dass die Klinik sie irrtümlicherweise für die behandelnde Ärztin hielt: „Der Arzt, der als einziger eine solche Information bekommt, muss den Informationsfluss aufrechterhalten, wenn sich aus der Information selbst nicht eindeutig ergibt, dass der Patient oder der diesen weiterbehandelnde Arzt sie ebenfalls erhalten hat“, heißt es im Urteil. Den Arzt trifft insoweit eine aus dem Behandlungsvertrag nachwirkende Schutz- und Fürsorgepflicht. Das OLG Düsseldorf muss den Fall nun neu verhandeln und entscheiden.

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