Netc@rds – Ziele und Umsetzung des Projektes

2005: Die Karte soll international werden

Wer im EU-Ausland zum Arzt muss, soll künftig dort lediglich seine KV-Karte vorlegen, so der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Rolf Hoberg, am 3. März 2005 in Freiburg. Hoberg gab dort im Rahmen einer Veranstaltung an der Uniklinik den Startschuss für den Testlauf in Deutschland, den die AOK stellvertretend für die deutschen Krankenkassen durchführt. Dabei handle es sich, so Hoberg weiter, um ein EU-Projekt unter dem Namen "Netc@rds", bei dem in verschiedenen Ländern der EU ein internationaler Einsatz der jeweiligen Krankenversichertenkarte erprobt wird.

"Wir helfen damit in erster Linie den Versicherten, sich Zeit und Wege zu sparen, weil der notwendige Arztbesuch im Ausland unbürokratisch und ohne viele Formulare ablaufen wird", sind sich Hoberg und der Geschäftsführer des ZIs, Dr. Gerhard Brenner, einig. Dadurch könne der Patient im Krankenhaus und später auch in Arztpraxen zügiger aufgenommen und behandelt werden. "Was wir in Deutschland mit der elektronischen Gesundheitskarte entwickeln, wird im Projekt "Netc@rds" nun auf europäischer Ebene vorbereitet", so Marion Caspers-Merk, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit.

Zielsetzung des EU-Projekts Netc@rds

Das Projekt wurde 2002 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, um die Mobilität der europäischen Bürger im Gesundheitswesen zu fördern, indem die Versichertendaten auch bei einem Arzt- oder Krankenhausbesuch im Ausland elektronisch zur Verfügung stehen. Es wird dabei aber keine zusätzliche Krankenversichertenkarte geschaffen, sondern die Daten sollen auch im Ausland aus der bestehenden nationalen Krankenversichertenkarte, die über einen Speicher-Chip verfügt, ausgelesen werden. Seit 2007 werden die nationalen Krankenversichertenkarten ausländischer Versicherter grenzüberschreitend online geprüft und verifiziert. Die Online-Mitgliedschaftsprüfung erfolgt über sichere Datenverbindungen.

nach oben

Praktische Umsetzung in den Piloteinrichtungen

Die praktische Umsetzung funktioniert dabei folgendermaßen: Bestehende nationale Krankenversichertenkarten mit Speicherchips (z. B. von Bürgern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz) können dank Netc@rds in Piloteinrichtungen anderer EU-Staaten vereinfacht elektronisch ausgelesen und die Mitgliedschaft bei Krankenversicherungen anderer EU-Staaten online geprüft werden.

Für Bürger aus allen anderen europäischen Staaten, die mittlerweile flächendeckend die Europäische Krankenversicherungskarte (European Health Insurance Card = EHIC) eingeführt haben, wird die EHIC ersatzweise dank moderner Scan-Verfahren elektronisch ausgelesen. Das bedeutet konkret: Sowohl Patient als auch Verwaltung sparen in den am Pilotprojekt teilnehmenden Krankenhäusern und Arztpraxen Zeit und Wege; der Prozess des Versicherungs- bzw. Leistungsnachweises sowie der Patientenaufnahme läuft zügig und unbürokratisch und die Abrechnung erfolgt über maschinell gesicherte und geprüfte Daten.

Die AOK Baden-Württemberg hat auf dem Gebiet der grenzüberschreitenden medizinischen Versorgung große Erfahrung und sich in vielen pro-europäischen Projekten einen Namen gemacht ("Netlink" für französische Dialysepatienten, Serviceangebote für Grenzgänger, Pilotprojekte zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Gesundheitswesen "Deutschland/Schweiz" und Deutschland/Frankreich").

nach oben

Folgende Länder nehmen am Projekt "Netc@rds" teil:

  • Deutschland
  • Liechtenstein
  • Niederlande
  • Österreich
  • Polen
  • Schweiz
  • Slowakische Republik
  • Tschechien

nach oben

In den baden-württembergischen Modellregionen beteiligen sich folgende Krankenhäuser:

  • Ortenau-Klinikum Lahr-Ettenheim
  • Uniklinikum Freiburg
  • Diakonie-Krankenhaus Schwäbisch Hall
  • Marienhospital Stuttgart
  • Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart
  • Helios-Klinik Titisee-Neustadt
  • Ortenau-Klinikum Offenburg-Gengenbach
  • Kreiskrankenhaus Emmendingen

nach oben