Pflegebedürftigkeit bei Kindern

Bei der Ermittlung des Pflegegrades bei Kindern und Jugendlichen folgt das neue Begutachtungsinstrument den gleichen Grundsätzen wie bei Erwachsenen. Die relevanten Kriterien treffen mit nur wenigen Anpassungen auch auf Kinder und Jugendliche zu.

Andere Maßstäbe für Kinder unter zwölf Jahren

Pflegebedürftigkeit bei Kindern

Der wesentliche Unterschied im Vergleich zu Erwachsenen besteht darin, dass für Kindern unter zwölf Jahren bei der Bewertung andere Maßstäbe gelten. Dies ist notwendig, da Kinder im Gegensatz zu Erwachsenen erst Fähigkeiten und Selbstständigkeit entwickeln müssen und Erwachsenen ihre Selbstständigkeit durch Krankheit oder Behinderung verlieren können. 

Ob und in welchem Maße ein Kind pflegebedürftig ist, zeigt sich bei der Begutachtung im Vergleich mit gesunden Altersgenossen. Dabei muss der Gutachter nicht mehr wie bisher entscheiden, inwieweit fehlende Selbstständigkeit altersgemäß oder ob sie durch eine Krankheit bedingt ist. Dies leistet das Begutachtungsinstrument selbst anhand vorgegebener Altersstufen.

Die Übersicht mit den Altersstufen gibt dem Gutachter Aufschluss darüber, wie sich die Selbstständigkeit bei gesunden Kindern entwickelt und wie das pflegebedürftige Kind davon abweicht. Den Unterschieden in der Selbstständigkeit zwischen pflegebedürftigen und gesunden Kindern sind feste Punkte zugeordnet.

Ab einem Alter von zwölf Jahren kann ein Kind in allen Modulen des neuen Begutachtungsinstruments, die in die Berechnung des Pflegegrads eingehen, selbständig sein. Deshalb gelten für Kinder ab zwölf Jahren dieselben pflegegradrelevanten Berechnungsregeln wie für Erwachsne.

Sonderregelung für Kinder unter 18 Monaten

Bild: Pflegebedürftigkeit bei Babys

Da Kleinkinder bis 18 Monate von Natur aus in den meisten Bereichen des Alltagslebens Hilfe benötigen, können sie ohne eine Sonderregelung keine oder nur niedrige Pflegegrade erreichen. Deshalb werden Kinder dieser Altersgruppe pauschal einen Pflegegrad höher eingestuft. Liegt das Gesamtergebnis zwischen 47,5 und 70 Punkten, so bekommt ein Kind unter 18 Monaten den Pflegegrad 4. Für alle anderen Altersstufen entspricht dieses Punktintervall dem Pflegegrad 3.

Für Kinder unter 18 Monaten sind nur die Module 3 und 5, die Fragen zur besonderen Bedarfskonstellation und anstelle des Moduls 4 die Frage nach den gravierenden Problemen bei der Nahrungsaufnahme, die einen außergewöhnlich pflegeintensiven Hilfebedarf im Bereich der Ernährung auslösen, ausschlaggebend. Wird diese Frage bejaht, vergibt der Gutachter pauschal 20 Punkte.

Nach dem 18. Lebensmonat erfolgt eine reguläre Einstufung, ohne dass es einer erneuten Begutachtung bedarf. Diese erfolgt nur, wenn relevante Änderungen zu erwarten sind.


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