Behandlungsfehler: Jeder vierte Vorwurf bestätigt sich

(20.05.19) Der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) hat seine aktuelle Behandlungsfehler-Statistik vorgestellt. Danach haben die Sachverständigen der Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) 2018 insgesamt 14.133 Erstgutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern erstellt. Das waren rund 600 mehr als im Vorjahr. In rund jedem vierten Fall hat sich der Verdacht bestätigt.

Laut Statistik kamen die MDK-Gutachter zu dem Ergebnis, dass in knapp 3.500 Verdachtsfällen ein Behandlungsfehler vorlag. Doch die Dunkelziffer sei hoch, sagt Dr. Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des MDS: „Wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass auf jeden festgestellten Behandlungsfehler mindestens 30 unentdeckte Fälle kommen.“ 

MDS fordert mehr Engagement für die Sicherheit

Zwei Drittel der MDK-geprüften Vorwürfe (9.433 Fälle) betrafen Behandlungsfehler in der stationären Versorgung, etwa ein Drittel (4.649 Fälle) richtete sich gegen ambulante Behandlungen. Hinsichtlich der Verteilung der Vorwürfe auf die medizinischen Fachgebiete sind nach Angaben des MDS  Zunahmen in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe und in der Pflege zu verzeichnen. Der Hauptanteil der Vorwürfe entfällt erneut auf die Orthopädie/Unfallchirurgie. Am häufigsten wurden Fehlervorwürfe nach operativen Therapien und im Zusammenhang mit der Befunderhebung formuliert

Aussagen zur Entwicklung der Sicherheit der Patienten in Deutschland können auf Basis der vorhandenen Daten jedoch nicht getroffen werden. Zurzeit gibt es keine Organisation, die bundesweit repräsentative Daten für die tatsächliche Anzahl von Behandlungsfehlern liefert. Lediglich die Ärztekammern berichten über die Fälle der Schlichtungsstellen, allerdings mit weniger Informationen zu den Details der Fehler beziehungsweise der Schäden. Einzig und allein die Medizinischen Dienste weisen  sogenannten Never Events öffentlich aus – schwerwiegende und sicher vermeidbare Schadensereignisse, wie etwa Patienten- und Seitenverwechslungen oder im Körper verbliebene Fremdkörper. Der MDS sprach sich daher in der Pressekonferenz für die Entwicklung einer Liste für in Deutschland zu erfassende Never Events aus, die klar definierte Schadensereignisse enthalt sollte, die unbedingt vermieden werden müssen. „Sicherheitskultur ist auch Berichtskultur“, so Gronemeyer. Zudem sollten Patientensicherheitsbeauftragte eingesetzt werden, um die Sicherheitskultur in Deutschland zu fördern.

Wie geht der MDK mit Behandlungsfehlervorwürfen um?

Im MDK gehen spezialisierte Gutachterteams Behandlungsfehlervorwürfen nach. Dabei prüfen sie, ob die Behandlung nach dem anerkannten medizinischen Standard erfolgt ist. Liegt ein Behandlungsfehler vor, so wird außerdem ermittelt, ob der Schaden, den der Patient erlitten hat, auf den Fehler zurückzuführen ist. Nur dann sind Schadensersatzforderungen aussichtsreich. Die MDK-Begutachtung umfasst auch Fehler in der Zahnmedizin.

Die AOK hat für Versicherte, die einen Behandlungsfehler vermuten, ein professionelles Behandlungsfehler-Management entwickelt. Die Fachleute der AOKs unterstützen insbesondere mit den gutachterlichen Bewertungen der MDKs ihre Versicherten bei der Prüfung des Verdachts auf einen Behandlungs- oder Pflegefehler und beraten sie hinsichtlich möglicher weiterer Handlungsoptionen.  

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