Studien, Gutachten und Forschungsberichte

 

Sicherstellung der Versorgung in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte

Expertengespräch Sicherstellung der Versorgung

Auch wenn die Zahl der Ärzte in Deutschland kontinuierlich wächst, ist die medizinische Versorgung in bevölkerungs- und strukturschwachen Regionen nicht mehr ausreichend sichergestellt. Die der Politik derzeit zur Verfügung stehenden Instrumente reichen nicht aus, um einer drohenden Unterversorgung wirksam zu begegnen. Doch welche Alternativen gibt es? Mit dem vorliegenden Expertengespräch möchte der AOK-Bundesverband die Diskussion zur medizinischen Versorgung in unterversorgten Gebieten mit sachlichen Argumenten bereichern und die Entwicklung auf der Basis wissenschaftlicher Grundlagen begleiten.

Sicherstellung der Versorgung in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte
Expertengespräch Berlin 21. Januar 2011

 

Unterstützung der medizinischen Versorgung durch Telematik

Arbeitspapier Unterstützung durch Telemedizin

Die Digitalisierung der Gesellschaft macht auch vor der Medizin nicht Halt. Derzeit beschränkt sich die gesundheitspolitische Diskussion um die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Deutschland jedoch weitestgehend auf die elektronische Gesundheitskarte. Dabei sind die Möglichkeiten der Telematik für eine effizientere medizinische Versorgung vielfältig, wie das vorliegende Arbeitspapier zeigt. Es beschreibt konkrete Anwendungsfelder, zeigt Perspektiven auf und befasst sich darüber hinaus mit den rechtlichen und gesellschaftlichen Anforderungen und Konsequenzen der Nutzung von Telematik in der Medizin.

Unterstützung der medizinischen Versorgung durch Telemedizin (Arbeitspapier)
Dr. Detlef Schmidt

 

Ablauf der Entscheidungsprozesse zur Anlage einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie (PEG)

Ablauf der Entscheidungsprozesse zur Anlage einer PEG

In Deutschland werden schätzungsweise 140.000 PEG-Sonden jährlich gelegt, etwa 65 Prozent davon bei älteren Menschen. Circa 30 bis 50 Prozent der Patienten leiden an psychischen und demenziellen Erkrankungen. Insbesondere für diese Patientengruppe wird der Nutzen der enteralen Ernährung durch eine Ernährungssonde heute infrage gestellt.

Der Entscheidung für oder gegen das Anlegen einer PEG-Sonde sollte ein Prozess des sorgfältigen Abwägens von Nutzen und Risiken im Einzelfall vorangehen. Bisher liegen jedoch kaum systematische Erkenntnisse darüber vor, wie dieser Entscheidungsprozess tatsächlich abläuft. Ein vom AOK-Bundesverband gefördertes Forschungsprojekt hatte daher zum Ziel, den Entscheidungsprozess vor Anlage einer PEG-Sonde zu untersuchen, um Anhaltspunkte zu dessen Qualität zu gewinnen und die Relevanz für die Entwicklung einer Entscheidungshilfe zu ermitteln. Die Ergebnisse des Projektes sind in dem vorliegenden Forschungsbericht dargestellt.

Forschungsbericht PEG 2009

 

Fachgutachten zur Wirksamkeit von CPOE-Systemen

Fachgutachten zur Wirksamkeit von CPOE-Systemen

Elektronische Systeme zur Unterstützung der Arzneimittelverordnung können ein erfolgversprechender Weg für mehr Sicherheit der Arzneimitteltherapie sein. Sie bergen jedoch gleichzeitig neue Risiken. Zu dieser Einschätzung kommen die Autoren eines Fachgutachtens zur Wirksamkeit von CPOE-Systemen (Computerized Physician Order Entry-Systeme), das der AOK-Bundesverband in Auftrag gegeben hat. Die Wissenschaftler des Instituts für Pharmakologie am Klinikum Bremen-Mitte und der Universität Bremen empfehlen daher, dass man CPOE-Systemen (Computerized Physician Order Entry-Systeme) nicht ohne begleitende wissenschaftlicher Evaluation einführen sollte und für eine ausreichende Qualifikation der Nutzer Sorge tragen muss.

CPOE-Gutachten
Beurteilung der Wirksamkeit von CPOE-Verfahren zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit (HTA-Gutachten im Auftrag des AOK-Bundesverbandes, Bremen, März 2009)

"Wir wollten wissen, ob die Studienlage ausreichende Hinweise gibt, die zeigen, dass sich durch den Einsatz von CPOE-Systemen die Arzneitherapiesicherheit verbessern lässt, insbesondere durch das Verhindern von Verordnungsfehlern", erläutert Dr. Gerhard Schillinger, Leiter des Stab Medizin beim AOK-Bundesverband. "Wir wissen durch die Forschung im Bereich der Patientensicherheit, dass Patienten durch vermeidbare unerwünschte Ereignisse im Bereich der Arzneitherapie in bedeutsamen Umfang geschädigt werden und suchen nach Wegen, dem im Sinne der Patientensicherheit entgegenzuwirken. Denn hinter jedem Schaden steht ein Schicksal." Denn im Unterschied zu beispielsweise chirurgischen Behandlungsfehlern würden solche aus dem Bereich Arzneitherapie trotz mitunter gravierender Folgen selten von Ärzten und noch seltener von Patienten entdeckt oder mit Symptomen in Verbindung gebracht, so der Mediziner.

Bei den Maßnahmen zum klinischen Risikomanagement gelten Systeme zur elektronischen Verordnungsunterstützung vielen Experten und Anbietern von IT-Lösungen als Königsweg. Schillinger: "In einigen Ländern gibt es inzwischen sogar gesetzliche oder aus Zertifizierungsanforderungen resultierende Verpflichtungen zur Nutzung von CPOE-Systemen in Krankenhäusern. In der internationalen Fachdiskussion gibt es aber auch ernsthafte Hinweise darauf, dass diese Unterstützungssysteme neue Fehler und Risiken produzieren können und nicht per se die Arzneitherapiesicherheit erhöhen. Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, war es deshalb unerlässlich, die zur Verfügung stehende wissenschaftliche Studienlage überprüfen zu lassen." Das aktuelle Fachgutachten stellt die derzeit umfassendste Bestandsaufnahme zu diesem Thema dar. Die Bremer Wissenschaftler stützen ihre Befunde im Wesentlichen auf 54 für die Expertise als relevant eingestufte Studien aus den Jahren 1998 bis 2008. Nach der Auswertung stufen sie CPOE-Systeme zwar als erfolgversprechenden Weg ein, raten aber angesichts einer überwiegend mäßigen Aussagequalität der vorhandenen Untersuchungen zu neuen, hochwertigen Studien.

Die Gutachter kommen zu folgenden Kernaussagen:

  • Mit einer Ausnahme wurden die für den Bericht als relevant erachteten Studien mit Studiendesign durchgeführt, die methodisch mit einer großen bis sehr großen Ergebnisunsicherheit behaftet sind. Die methodische Qualität der Studien war zudem überwiegend als schlecht, für einige wenige als mäßig zu bewerten. Die Ergebnisse der Untersuchungen wiesen untereinander eine erhebliche Heterogenität auf.
  • In der Mehrzahl der Studien wurden nicht die tatsächlich bei den Patienten aufgetretenen unerwünschten Arzneimitteltherapievorkommnisse untersucht.
  • Es ist anhand der Studienergebnisse derzeit nicht zu beurteilen, welchen Einfluss CPOE-Systeme auf die Sterblichkeit der versorgten Patienten haben.
  • Einen Beleg oder sichere Hinweise für eine konsistente und verlässliche Reduktion von relevanten unerwünschten Arzneimitteltherapievorkommnisse bieten die derzeitigen Studienergebnisse nicht, ebenso nicht hinsichtlich der Untergruppe der vermeidbaren unerwünschten Arzneimitteltherapievorkommnisse.

Trotz methodischer Mängel und der durch das Studiendesign bedingten Ergebnisunsicherheit bei den meisten Untersuchungen kommen die Gutachter aber zu dem Schluss, dass die Studienergebnisse als ausreichend sicherer Beleg dafür angesehen werden können, dass CPOE-Systeme das Risiko für Medikationsfehler reduzieren können.
"Es gibt ihrer Ansicht nach aber auch relevante Hinweise dafür, dass die Systeme nicht risikolos sind und in bestimmten Fällen auch zu einer Zunahme von Medikationsfehlern führen können", so Gerhard Schillinger vom Stab Medizin beim AOK-Bundesverband. "Die Einführung solcher Systeme sollte deshalb an die Durchführung einer Begleitevaluation gekoppelt werden. Zudem müssen die Anwender der Systeme ausreichend qualifiziert werden."

Mit dem Fachgutachten leistet der AOK-Bundesverband nicht zuletzt einen weiteren Beitrag im Bemühen um mehr Sicherheit in der Arzneimittel-Therapie. Schillinger: "Die AOK engagiert sich im Interesse Ihrer Versicherten zum Beispiel im Rahmen des Ende 2007 gestarteten Aktionsplans der Bundesregierung für mehr Sicherheit in der Arzneimitteltherapie. Der AOK-Bundesverband ist außerdem aktives Mitglied im 'Aktionsbündnis Patientensicherheit', das sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt."

 

Arzneitherapiesicherheit bei älteren und hochbetagten Patienten

Arzneitherapie-Sicherheit bei älteren und hochbetagten Patienten

Titel Studie Arzneitherapie-Sicherheit

Aufgrund der demografischen und epidemiologischen Entwicklungen mit steigendem Bedarf medizinischer Versorgung von vor allem chronisch Kranken sind Erkenntnisse zur Förderung der Sicherheit medizinischer Interventionen von zunehmender Bedeutung. Die Anwendung von Arzneimitteln zählt zu den häufigsten medizinischen Interventionen überhaupt. Aufgrund der relativ überproportionalen Arzneimittelexposition älterer Patienten sind Erkenntnisse zur Sicherheit von Arzneimittelanwendung bei Patienten im höheren Lebensalter von großer Bedeutung. Grundsätzlich ergeben sich zwei Herausforderungen im Hinblick auf die Pharmakotherapie im Alter. Die erste besteht in der Entwicklung und Weiterentwicklung präventiver Strategien zur Verminderung von Morbidität im Alter, und zwar auch unter Berücksichtigung präventiver medikamentöser Konzepte. Die zweite Herausforderung besteht in der möglichst effektiven und sicheren Anwendung zur Verfügung stehender medikamentöser Behandlungsmöglichkeiten.

Arzneitherapie-Sicherheit bei älteren und hochbetagten Patienten
Prof. Dr. med. W. von Renteln-Kruse, Dr. med. J. Anders, (Medizinisch-Geriatrische Klinik Albertinen-Haus, Zentrum für Geriatrie und Gerontologie, Wissenschaftliche Einrichtung an der Universität Hamburg)
Prof. Dr. med. C. Sieber (Institut für Biomedizin des Alterns, Universität Erlangen-Nürnberg)