Personalvorgaben für Frühchen-Stationen

Perinatalzentren müssen seit 2017 spezifische Anforderungen an die Qualifikation ihres Personals und in der Patientenversorgung einen bestimmten Betreuungsschlüssel erfüllen.

Foto: Frühchen im Inkubator

(10.10.19) Seit dem 1. Januar 2017 gelten auf Frühchen-Stationen präzise Vorgaben für die Personalausstattung. Das hat der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) Ende 2016 in seiner Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene (QRF-RL) festgelegt. Die ursprünglich bis Ende 2019 vorgesehene Übergangsphase, in der die Zentren von den Regelungen abweichen können, wurde nun um weitere zwei Jahre, in Teilbereichen bis zu vier Jahre verlängert.

Die Richtlinie fordert von den Kliniken nicht nur eine bestimmte Personalausstattung, sondern regelt auch dessen Qualifikation. Auf der neonatologischen Intensivstation eines Perinatalzentrums muss je intensivtherapiepflichtigem Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm mindestens eine Kinderkrankenpflegerin oder ein -krankenpfleger verfügbar sein. Bei der Intensivüberwachung gilt ein Personalschlüssel von eins zu zwei. Außerdem müssen in Level 1-Zentren 40 Prozent (30 Prozent in Level 2-Zentren) der Mitarbeiter des Pflegedienstes eine Fachweiterbildung im Bereich "Pädiatrische Intensivpflege" abgeschlossen haben. Dem neuen G-BA-Beschluss zufolge können die Kliniken bis Jahresende 2021 von den Vorgaben abweichen, sofern sie Schritte vereinbaren, um sie künftig zu erfüllen.

Darüber hinaus erhalten die Kliniken mehr Spielraum. So müssen die Zentren den schichtbezogenen Personalschlüssel von 2020 bis zum Jahr 2022 nur zu 90 Prozent erfüllen, im Jahr 2023 zu 95 Prozent und erst ab Januar 2024 zu 100 Prozent. Kinderkrankenpflegekräfte, sie sich in der Fachweiterbildung „Pädiatrische Intensiv- und Anästhesiepflege“ befinden, können zur Hälfte auf die Fachweiterbildungsquote angerechnet werden. Darüber hinaus benannte der G-BA Ausnahmetatbestände, die die Krankenhäuser auch nach Ablauf der Fristen von der Einhaltung der Vorgaben entbinden. Dies sind krankheitsbedingte Personalausfälle, die über 15 Prozent des benötigten Personals hinausgehen und unvorhersehbare Zugänge von mehr als zwei extrem Frühgeborenen (Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm) innerhalb einer Schicht.

Personaltransfer ist grundsätzlich möglich

Der Beschluss lässt in begrenztem Umfang auch den Einsatz von Personal aus fachfremden Stationen zu, sofern die dafür vorgesehenen Pflegekräfte einschlägige Weiterbildungen absolviert oder bereits in der direkten Patientenversorgung auf  neonatoogischen Intensivstationen gearbeitet haben. Pflegekräfte, die eine ausreichende Berufserfahrung nachgewiesen haben, können auf die geforderte Fachweiterbildungsquote (40 beziehungsweise 30 Prozent) angerechnet werden. Voraussetzung für diese letztmalige dauerhafte Anerkennung ist, dass die Pflegekraft mindestens fünf Jahre in Vollzeit auf einer neonatologischen Intensivstation tätig war. Erstmals legt der G-BA im Übrigen fest, dass die Personalanforderungen der Richtlinie für jeden Standort gelten.

Kliniken, die die Vorgaben verfehlen, müssen sich bereit erklären, auf Landesebene eine Zielvereinbarung zur Erfüllung der Anforderungen abzuschließen. Die Kliniken sollen darin festlegen, welche Schritte und Maßnahmen sie ergreifen wollen, um die Personalvorgaben zu erfüllen.

Jährliche Strukturabfrage bringt personelle Probleme an den Tag

Bis 2018 lagen dem G-BA keine verlässlichen Daten zur tatsächlichen Personalausstattung der Perinatalzentren vor. Um diese zu erheben, führte der G-BA jährliche Strukturabfragen ein. Weichen die Kliniken nun von den gesetzlichen Personalschlüsseln ab, müssen sie sämtliche Ereignisse, die dazu geführt haben, unter Angabe der jeweiligen Gründe und der Dauer der Abweichung dokumentieren und dem G-BA übermitteln. Die Befragungen zeigen, dass die Zentren die Anforderungen an die pflegerische Versorgung intensivtherapiepflichtiger Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm mehrheitlich verfehlen.

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