Abrechnungsprüfung

Die Krankenkassen sind verpflichtet, Krankenhausrechnungen auf Auffälligkeiten zu prüfen.

Krankenhäuser übermitteln ihre Rechnungen mit allen erforderlichen Patientendaten auf elektronischem Wege an die Krankenkassen. Diese prüfen sämtliche Angaben in einem automatisierten Verfahren auf ihre Konformität im Hinblick auf das Entgeltsystem und nach medizinischen Kriterien. Wo keine Auffälligkeiten zutage treten, werden die Rechnungen unmittelbar bezahlt.

Wesentliche Prüfgegenstände waren bisher die Kodierung - so etwa bei Unstimmigkeiten zwischen den kodierten Operationsschlüsseln und Diagnosen -, die Verweildauer und die primäre Fehlbelegung, also die Frage, ob die Leistung nicht ambulant hätte erbracht werden können.
 

 

Prüfquoten

Mit dem MDK-Reformgesetz hat der Gesetzgeber feste Prüfquoten eingeführt. Im Jahr 2020 können die Krankenkassen 12,5 Prozent der jeweils im Quartal eingegangenen Schlussrechnungen für vollstationäre Behandlungen prüfen. Rechnungen über ambulante Leistungen sind künftig von den Regelungen (des neuen Paragrafen 275c SGB V) ausgenommen.

Ab 2021 müssen die Kassen jeweils quartalsbezogene Prüfquote für Rechnungen über vollstationäre Behandlungen berücksichtigen. Die Prüfquote richtet sich nach dem Anteil unbeanstandeter Rechnungen im maßgeblichen Quartal und ergibt sich wie folgt:

  • mehr als 60 Prozent der Rechnungen korrekt: 5 Prozent
  • mehr als 40 Prozent der Rechnungen korrekt: 10 Prozent
  • weniger 40 Prozent der Rechnungen korrekt: 15 Prozent
  • weniger 20 Prozent: Prüfquote entfällt bzw. 100 Prozent

Sowie den Kassen Hinweise auf systematische Abrechnungsfehler vorliegen, verliert die Prüfquote ihre Gültigkeit und es können nach Abstimmung mit den anderen Kassen eines Bundeslandes sämtliche Rechnungen geprüft werden.

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Das Verfahren bei Auffälligkeiten

Wenn das Standardverfahren Hinweise auf inkonsistente Angaben erbringt, kommt es zu einer tiefergehenden Prüfung. Für das weitere Vorgehen in solchen Fällen haben die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der GKV-Spitzenverband Anfang 2016 eine bundesweite Regelung, die Prüfverfahrensvereinbarung getroffen, die infolge des MDK-Reform-Gesetzes bis zum 30. Juni 2020 neu verhandelt werden muss. Übergangshalber haben die Verhandlungspartner eine vorläufige Fassung vereinbart

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Krankenkassen die Auffälligkeiten auf direktem Weg mit den Kliniken erörtern können. Der sogenannte Falldialog soll den Aufwand für Prüfungen auf beiden Seiten reduzieren. Bleiben dennoch Zweifel am Rechnungsinhalt der Klinik bestehen, beauftragt die Kasse den MD, die Rechnung zu kontrollieren. Um die umstrittenen Sachverhalte zu klären, prüft der MD Bund die Voraussetzungen der stationären Behandlung, die Art und den Umfang der Leistungen sowie Auffälligkeiten in der Abrechnung des Falls. Dafür können die Gutachter die Unterlagen des Krankenhauses anfordern oder die Klinik zum Zweck der Nachforschung persönlich aufsuchen.

Anders als bisher, ist die nachträgliche Rechnungskorrektur ist nicht mehr zulässig, es sei denn, sie wird zur Umsetzung eines Gerichtsurteils oder zur Umsetzung einer MD-Prüfung notwendig. Sowie eine Einzelfallprüfung nach Maßgabe der Vereinbarung abgeschlossen ist, können keine weiteren Prüfungen mehr durchgeführt werden.

Vereinbarung über das Nähere zum Prüfverfahren (Prüfverfahrensvereinbarung – PrüfVv)
Die Vereinbarung tritt zum 01.01.2020 in Kraft und gilt bis zur Ablösung durch die endgültie Fassung am 30. Juni 2020 (Stand: 10.12.19)

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Aufwandspauschale und Sanktionen

Krankenhäuser, deren Abrechnung im Rahmen einer Prüfung nicht beanstandet wird, erhalten eine Aufwandsentschädigung. Werden die Angaben des Krankenhauses bestätigt, zahlt die Krankenkasse der Klinik zu diesem Zweck eine gesetzlich festgelegte Pauschale in Höhe von 300 Euro. Kommt die Krankenkasse hingegen zu dem Schluss, dass der Rechnungsbetrag zu hoch ist, muss die Klinik der jeweiligen Krankenkasse neben der Rückzahlung des festgestellten Differenzbetrages einen Aufschlag zahlen. Zur genauen Ausgestaltung gibt es unterschiedliche Regelungen für 2020 und 2021:

  • 2020: Aufschlag auf Differenzbeträge in Höhe von 10 Prozent  des Differenzbetrages, mindestens aber 300 Euro (gilt ohne Abstufung für alle Krankenhäuser)
  • ab 2021: Aufschläge auf Differenzbeträge in Höhe von 25 Prozent und 50 Prozent, jedoch mindestens 300 Euro und max. 10 Prozent auf den geminderten Rechnungsbetrag. Der Mindestbetrag hat hierbei Vorrang vor dem Höchstbetrag.

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Schlichtungsausschuss für Grundsatzfragen auf Bundesebene

Um die Sozialgerichte zu entlasten, haben die Selbstverwaltungspartner 2014 beschlossen, einen Bundesschlichtungsausschuss für Grundsatzentscheidungen zu bilden. Das Gremium setzt sich zusammen aus Vertretern des GKV-Spitzenverbandes und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Nicht stimmberechtigte Mitglieder sind das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) und das Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Hauptaufgabe des Ausschusses ist es, Kodier- und Abrechnungsfragen von grundsätzlicher Bedeutung verbindlich zu klären, auch wenn der Rechtsweg nicht eingeschränkt werden kann. Seine Geschäftsordnung wird durch InEK festgelegt. Auch einzelne Krankenhäuser können den Ausschuss anrufen. Seine Entscheidung muss dann innerhalb von acht Wochen getroffen und veröffentlicht werden. Entscheidungen des Schlichtungsausschusses sind für die Krankenhäuser im selben Maße verbindlich wie die Deutschen Kodierregeln.

Vereinbarung Schlichtungsausschuss Bund
Stand: 14.02.14

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Erörterung von Einzelfällen im Vorfeld gerichtlicher Klagen

Bevor Kliniken oder Krankenkassen ihre Forderungen auf juristischem Weg durchsetzen können, müssen sich die beteiligten Parteien über den Einzelfall verständigen, um die Sozialgerichte zu entlasten. Andernfalls ist die Klage ausgeschlossen, die Einzelfallerörterung wird also vorausgesetzt. Das Verfahren der Erörterung sollen die Selbstverwaltungspartner auf Bundesebene in der neu zu verhandelnden Prüfverfahrensvereinbarung bis zum 30. Juni 2020 festlegen. Die Regelung sollen Fristen für die Erörterung setzen, die Folgen verspäteter Einwendungen oder Konsequenzen eines verspäteten Tatsachenvortrages bestimmen und festlegen, wie die Ergebnisse dokumentiert werden sollen.

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