Neuer Kriterienkatalog für Hausgeburten veröffentlicht

(09.04.20) Der GKV-Spitzenverband und die Hebammenverbände haben aktualisierte Kriterien zu Geburten im häuslichen Umfeld veröffentlicht. Der neue Kriterienkatalog soll Schwangeren und freiberuflichen Hebammen helfen, den richtigen Geburtsort zu finden.

Die Kriterien gelten seit dem 1. April 2020 und lösen die 2015 vereinbarten Ausschlusskriterien ab. Sie sind für freiberuflich tätige Hebammen verbindlich, damit sie Hausgeburten mit der gesetzlichen Krankenversicherung der Schwangeren abrechnen können.

Unterscheidung zwischen absoluten und relativen Kriterien

Der Kriterienkatalog unterscheidet zwischen absoluten und relativen Ausschlusskriterien für eine Hausgeburt.

  • Absolute Kriterien: Die Risiken aus der erhobenen Krankengeschichte der Schwangeren und aktuelle Untersuchungsbefunde schließen eine Geburt im häuslichen Umfeld aus
  • Relative Kriterien: Die bestehenden medizinischen Risiken müssen durch einen Facharzt abgeklärt und gegebenenfalls zusätzlich im Team beurteilt werden, schließen eine Geburt im häuslichen Umfeld aber nicht generell aus.

So ist beispielsweise eine Geburt im häuslichen Umfeld nicht möglich, wenn eine Unverträglichkeit der Blutgruppen von Mutter und Kind besteht oder die Schwangere Diabetes hat und sich Insulin spritzen muss (absolutes Kriterium). Auch Drogen- und Alkoholabhängigkeit beziehungsweise Adipositas mit einem Body-Mass-Index größer als 35 vor der Schwangerschaft gehören zu den absoluten Ausschlusskriterien.

Als relative Kriterien zählen zum Beispiel eine Beckenanomalie der Schwangeren oder wenn das Kind im Verhältnis zum anatomischen Geburtskanal der Mutter relativ groß ist. Hier ist laut dem Katalog eine Hausgeburt möglich. Allerdings muss ein Facharzt die Situation beurteilen.

Auch bei der Überschreitung des errechneten Geburtstermins um mehr als eine Woche, erfolgt ein fachärztliches Konsil (41 Schwangerschaftswochen +/- zwei Tage) und es wird über das weitere Vorgehen bis zur vollendeten 42. Schwangerschaftswoche entschieden.

Zum Kriterienkatalog (siehe Anlage 3 - Hebammenhilfevertrag)