Arztnetze

In Arzt- oder Praxisnetzen schließen sich niedergelassene Ärzte einer Region zusammen, um eine effizientere und qualitativ bessere Versorgung der Patienten zu ermöglichen. Ziele und Instrumente von Arztnetzen sind:

  • die verbesserte Kommunikation und Kooperation der behandelnden Ärzte, z. B. durch Patientenbegleitbriefe und erweiterte Falldokumentationen sowie Patienteninformationen,
  • ein effektives und systematisches Qualitätsmanagement sowie eine verbesserte Qualitätskontrolle und -sicherung, z. B. durch Qualitätszirkel und Netzkonferenzen, konsequente Anwendung von Leitlinien und Einsatz von Qualitätsindikatoren wie QISA,
  • die Übernahme von Budgetverantwortung durch die Netzärzte für die Versorgung der Netzversicherten,
  • die Erhöhung der Therapieeffizienz, z. B. durch Koordination und Zusammenarbeit mit Altenheimen, Krankenhäusern, Rehakliniken oder ambulanten Pflegediensten,
  • die Ausweitung der ambulanten Versorgung und Präsenz, z. B. durch Anlaufpraxen, erweiterte Praxisöffnungszeiten oder Bereitschaftsdienste,
  • eine höhere Effizienz durch die gemeinsame Nutzung medizinischer Geräte und einen gemeinsamen Praxiseinkauf.

Die Praxisnetze der AOKs teilen sich in populationsbezogene bzw. indikationsspezifische Netze auf. Bei den populationsbezogenen Netzen erfolgt die Steuerung indikationsübergreifend durch die teilnehmenden Ärzte der verschiedenen Fachrichtungen (Hausärzte bzw. auch Fachärzte). Hinzu
kommen je nach Praxisnetz Kooperationen mit weiteren Leistungserbringern
wie Kliniken bzw. auch nichtärztlichen Leistungserbringern. Praxisnetze mit einem indikationsspezifischen Versorgungsansatz spezialisieren sich auf die Versorgung einer bestimmten Erkrankung, wie z. B. des Diabetischen Fußsyndroms. Dazu arbeiten die Ärzte verschiedener Fachrichtungen eng zusammen und Schnittstellen zu weiteren Kooperationspartnern werden gebildet.

Arztnetze werden in der Regel als Verträge zur Integrierten Versorgung nach § 140 a-d SGB V geschlossen. Neben Add-on-Verträgen, bei denen den teilnehmenden Versicherten außer der ambulanten Regelversorgung verschiedene weitere Leistungen angeboten werden, haben AOKs auch Vollversorgungsverträge geschlossen. Diese Verträge ersetzen die ambulante Regelversorgung und bieten ebenfalls weitere sinnvolle Leistungen an.

Außerdem können die gesetzlichen Krankenkassen Modellvorhaben nach § 63-65 SGB V Direktverträge mit Arztnetzen über die Versorgung ihrer Versicherten schließen. Modellvorhaben sind bei den Honorarverhandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen an den Grundsatz der Beitragssatzstabilität gebunden, d. h. die vereinbarten Vergütungen dürfen nicht zu einer Erhöhung der Kassenbeiträge führen. Allerdings können entstandene Mehraufwendungen mit Einsparungen des Modellvorhabens verrechnet werden. Ferner besteht die Möglichkeit der extrabudgetären Vergütung.

Mit dem Versorgungsstrukturgesetz von 2012 wurde eine Regelung eingeführt, nach der Kassenärztliche Vereinigungen organisierte Arztnetze im Rahmen des Honorarverteilungsmaßstabes (HVM) fördern können. § 87b Abs. 2 SGB V eröffnet die Möglichkeit, dass Kassenärztliche Vereinigungen Praxisnetzen ein eigenes Honorarbudget oder Honorarvolumen als Teil der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung zuweisen können, soweit dies einer Verbesserung der ambulanten Versorgung dient und das jeweilige Netz von der KV anerkannt wird. Zur Anerkennung hat die KBV im Einvernehmen mit dem GKV-Spitzenverband zum 1. Mai 2013 eine Rahmenvorgabe verabschiedet. Sie regelt unter anderem die nachzuweisenden Strukturvorgaben und Kriterien für die Erreichung der Versorgungsziele. Die Rahmenvorgabe sieht beispielsweise ein dreijähriges Bestehen des Netzes, die Teilnahme von mindestens drei Fachgruppen sowie eine Größe von mindestens 20 bis höchstens 100 teilnehmenden Praxen vor. Die Rahmenvorgabe muss nun durch Richtlinien der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen zur Anerkennung von Praxisnetzen umgesetzt werden.

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