Ambulante spezialfachärztliche Versorgung

Mit der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) hat der Gesetzgeber eine Bresche in die Sektorengrenze zwischen ambulant und stationär geschlagen. Bei der Behandlung von Patienten mit bestimmten schweren Erkrankungen sollen jetzt niedergelassene Ärzte mit ihren Kollegen in den Kliniken strukturiert zusammenarbeiten. Die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) in der Richtlinie ambulante spezialfachärztliche Versorgung geschaffen.

Die Richtlinie legt unter anderem fest, welche Leistungserbringer an der ASV teilnehmen dürfen und welche personellen Anforderungen hierbei gelten, insbesondere bei der Zusammensetzung der obligatorischen interdisziplinären Teams. So werden niedergelassene Spezialisten Leistungskooperationen sowohl untereinander als auch mit Kliniken schließen müssen, um das geforderte interdisziplinäre Team bilden zu können.

Zudem hat der GBA die sächlichen und organisatorischen Voraussetzungen definiert, die Ärzte und Kliniken erfüllen müssen, um die ASV-Leistungen erbringen zu können. Beispielsweise müssen die teilnehmenden Kliniken über eine Intensivstation und ein Notfalllabor verfügen. Die Richtlinie regelt außerdem die Überweisung von Patienten in die ASV und beschreibt den Behandlungsumfang sowie die Anforderungen an die Qualitätssicherung.

Richtlinie ambulante spezialfachärztliche Versorgung

GBA-Beschlüsse zur ASV

GBA konkretisiert erste Indikationen

Konkretisiert hat der GBA auch Indikationen, mit denen die ASV starten soll. 

Tuberkulose oder atypische Mykobakteriose

Seit April 2014 können sich Ärzte und Kliniken für die ambulante spezialfachärztliche Versorgung von Patienten mit Tuberkulose oder atypischer Mykobakteriose anmelden. Die konkreten Vorgaben für Diagnostik, Behandlung und Beratung solcher Patienten sowie die personellen, sachlichen und organisatorischen Anforderungen an die Vertragsärzte und Krankenhäuser hat der GBA festgelegt. Danach muss das ASV-Kernteam, das Tuberkulose-Patienten behandeln will, aus einem Lungenfacharzt, einem Internisten mit Zusatzweiterbildung Infektiologie, einem Facharzt für Mikrobiologie sowie - sofern Kinder und Jugendliche behandelt werden - zusätzlich einem Kinderarzt bestehen.

Richtlinie ambulante spezialfachärztliche Versorgung § 116b SGB V: Anlage 2 a) Tuberkulose und atypische Mykobakteriose

Gastrointestinale Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle

Seit Juli 2014 stehen auch die Anforderungen zur Teilnahme an der ambulanten spezialärztlichen Versorgung bei gastrointestinalen Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle fest. Mit einem entsprechenden Beschluss hat der GBA die Vorgaben für Diagnostik, Behandlung und Beratung von Patienten ab dem vollendeten 18. Lebensjahr konkretisiert. Darüber hinaus hat der GBA die personellen, sachlichen und organisatorischen Voraussetzungen sowie Mindestmengen festgelegt, die Vertragsärzte und Krankenhäuser, die eine solche Versorgung anbieten wollen, erfüllen müssen. Laut GBA soll sich die ASV auf schwere Verlaufsformen von bösartigen Krebserkrankungen konzentrieren, insbesondere des Darms, aber auch der Gallenblase, der Leber oder der Bauchspeicheldrüse. Auch Tumoren anderer Organe des Bauches, wie Milz oder Nieren, können künftig ambulant spezialfachärztlich behandelt werden. Ein Behandlungsteam soll die Versorgung übernehmen. Es setzt sich aus einer Teamleitung und einem Kernteam zusammen. Wenn es medizinisch notwendig ist, sollen auch Fachärzte verschiedener Disziplinen zeitnah hinzugezogen werden. Zum Kernteam gehören zum Beispiel Fachärzte für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie, für Gastroenterologie, Strahlentherapie sowie für Allgemein- oder Viszeralchirurgie.

Richtlinie ambulante spezialfachärztliche Versorgung § 116b SGB V: Anlage 1 a) onkologische Erkrankungen - Tumorgruppe 1: gastrointestinale Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle

Weitere Informationen zur Anmeldung, Vergütung und Abrechnung von ASV-Leistungen

Hintergrund

Gesetzliche Grundlage der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung ist der Paragraf 116b SGB V, den die schwarz-gelbe Koalition mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetzes neu gefasst hat. Der zuvor ausschließlich auf Krankenhäuser bezogene Geltungsbereich wurde mit dem Gesetz auf die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Leistungserbringer ausgedehnt. Der GBA hat den Auftrag erhalten, die Rahmenbedingungen für den neuen Versorgungsbereich zu schaffen.