Psychotherapie-Richtlinie

Die Psychotherapie-Richtlinie regelt unter anderem Einzelheiten zu den Anwendungsbereichen der Psychotherapie, den geeigneten Behandlungsformen sowie zu Art, Umfang und Durchführung der Behandlung. Sie dient zudem als Grundlage für Vereinbarungen, die zur Durchführung von Psychotherapie in der vertragsärztlichen Versorgung zwischen den Vertragspartnern abzuschließen sind.

Seit der Neuordnung der Richtlinie zur ambulanten Psychotherapie zum 1. April 2017 sollen Patienten mit seelischen Erkrankungen schneller und unkomplizierter Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung erhalten.

Zu den Neuerungen gehört die Einführung von regelmäßigen Sprechstunden und von Zeiten telefonischer Erreichbarkeit. So müssen nach Psychotherapeuten mit vollem Versorgungsauftrag 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein (§1, Absatz 8). Jede Praxis mit einem vollen Versorgungsauftrag bietet nach Sprechstunden von mindestens 100 Minuten pro Woche an (§11).

Die Sprechstunde dient der diagnostischen Abklärung. Patienten können sie bis zu sechs Mal für jeweils 25 Minuten in Anspruch nehmen. Besteht ein Behandlungsbedarf, kann der Patient im Anschluss ohne Antrags- und Genehmigungsverfahren eine Akutversorgung von bis zu zwölf Stunden erhalten. Wie der Gemeinsame Bundesausschuss im Oktober 2018 beschlossen hat, können Menschen mit einer geistigen Behinderung bis zu zehn psychotherapeutische Sprechstunden-Einheiten je Krankheitsfall in Anspruch nehmen.

Weitere Vorgaben der Richtlinie

  • Vor einer Erwachsenentherapie sollen mindestens zwei und bis zu vier probatorische Sitzungen je 50 Minuten stattfinden. Nach der Probatorik entscheiden Therapeut und Patient gemeinsam, ob und welche der in der Richtlinie anerkannten Therapien (Richtlinientherapie) geeignet ist. Der Patient kann im Anschluss daran sofort mit der Therapie beginnen.
  • Jedes der drei Richtlinienverfahren - Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Psychotherapie - wird in der Regel zunächst als Kurzzeittherapie begonnen und, wenn nötig, als Langzeittherapie fortgesetzt. Alle Verfahren können als Einzel- oder Gruppentherapie sowohl für Erwachsene als auch für Kinder angeboten werden.
  • Die Kurzzeittherapie umfasst zwei Abschnitte mit jeweils zwölf Stunden. Sie kann zeitnah beginnen. Eine Langzeittherapie schließt sich in der Regel an die Kurzzeittherapie an. Die Krankenkasse muss diese weiterhin genehmigen und ein Gutachter prüft, ob und wie die Therapie fortgesetzt werden soll.
  • In allen Richtlinienverfahren können Patienten Gruppentherapien mit drei bis maximal neun Teilnehmern in Anspruch nehmen. Sie können flexibel Einzel- und Gruppentherapien kombinieren oder zwischen beiden wechseln. Im Rahmen einer gemeinsamen Behandlung können zwei Therapeuten jeweils Einzel- und Gruppentherapie für den gleichen Patienten anbieten.
  • Die Rezidivprophylaxe (Vorbeugung vor Rückfällen) zur Stabilisierung des Behandlungserfolges ist Bestandteil der Langzeittherapie. Patienten können zwischen acht und 16 Behandlungen zur Rezidivprophylaxe je nach vorheriger Behandlungsdauer über einen Zeitraum von zwei Jahren in Anspruch nehmen.

Leichteres Antrags- und Genehmigungsverfahren

Nachdem der Patient die Therapie beantragt hat, können Kurzzeittherapien spätestens drei Wochen danach beginnen. Eine formale Genehmigung der Therapie mit Begutachtung ist nicht mehr notwendig. Diese ist nur noch bei Anträgen auf eine Langzeittherapie erforderlich.

Terminvermittlung durch Terminservicestellen

Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen sollen für ein Erstgespräch oder eine Akutbehandlung innerhalb von einer Woche einen Termin beim niedergelassen Psychotherapeuten vermitteln. Kann die Terminservicestelle den Termin nicht in einem Zeitrahmen von vier Wochen anbieten, muss sie innerhalb einer weiteren Woche für eine ambulante Versorgung in einem Krankenhaus sorgen. Eine Überweisung ist nicht erforderlich.

Zur Psychotherapie-Richtlinie auf der Website des GBA