Wir müssen in Kompetenzen investieren

Interview Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin

Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin

Ärzten fehlt oftmals schlicht die Zeit fürs Nachhaken, so Berlins Ärztekammerchef Dr. Günther Jonitz. Daher seien Kommunikationstrainings so wichtig..

ÄrzteZeitung: Welche Stolpersteine erschweren die  Kommunikation zwischen Arzt und Patient?

Dr. Jonitz: Zeitmangel und Verständigungsprobleme. Die Arzt-Patienten-Kommunikation ist sehr wichtig, damit eine erfolgreiche Therapie besprochen und durchgeführt werden kann. In unserem immer stärker regulierten Gesundheitswesen hapert es daran, dass Ärzte genug Zeit haben, um sich in Ruhe mit den kranken Menschen zu befassen, und dass das auch honoriert wird. Gleichzeitig müssen alle Gesundheitsberufe schon in der Ausbildung besser darauf vorbereitet werden, wie man mit Patienten verständlich spricht. Kommunikation kann und sollte gelernt werden. In der Medizinerausbildung ist das bereits verankert, die ärztlichen Weiterbildungsordnungen legen gerade nach. Diese Kurse sind sehr beliebt.

Was bedeutet das für den Versorgungsalltag?

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist groß. Natürlich kann man sich in der zur Verfügung stehenden Zeit um eine patientenverständliche Sprache bemühen. Aber oft fehlt die Zeit, nachzufragen, ob das Gesagte auch verstanden wurde. Wenn Therapien nicht zum Erfolg führen, ist das für beide Seiten unbefriedigend. Wir müssen darum in  Menschen, Kompetenzen, Systeme und Kultur investieren!

Wie können die Gesundheitsberufe die Gesundheitskompetenz der Patienten stärken?

Wenn Menschen früh an das Thema herangeführt werden, kann man chronischen Krankheitskarrieren vorbeugen. Es muss mehr Zeit für das Gespräch möglich gemacht werden, auch im Team der Versorgung und gerade bei chronisch Kranken. Schriftliche Informationen in verständlicher Sprache, evidenzbasiert und auf die individuellen Probleme der Patienten zugeschnitten, müssen verfügbar gemacht werden. Das Gleiche gilt für Apps, die den Patientinnen und Patienten helfen, sich besser zurechtzufinden, und die direkte Kommunikation mit dem Arzt erleichtern. Patientenschulungen in Gruppen können helfen, sich gemeinsam besser zu verhalten und sich gegenseitig zu unterstützen.

Zurück zu PRO DIALOG aktuell vom 12.07.2019