Berliner Gesundheitspreis zeigt: Gesundheit lässt sich lernen

"Gesundheit lässt sich lernen" lautete das Motto des Berliner Gesundheitspreises 2019. Insgesamt 50.000 Euro gingen an Projekte, die nach Überzeugung der unabhängigen Jury mit innovativen Ansätzen die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung stärken und es den Menschen erleichtern, Gesundheitsinformationen aktiv zu nutzen.

Den Sieg und damit ein Preisgeld von 25.000 Euro errang "Was hab’ ich?" für seine Krankenhaus-Entlassbriefe, die laut Firmengründer Ansgar Jonietz "Medizinerlatein in Patientendeutsch" übersetzen. Das Team von "Was hab’ ich?" entwickelte dafür eine innovative Software, mit der Kliniken individuelle, verständliche Patientenbriefe automatisiert erstellen können. Denn gerade nach einer stationären Behandlung ist es für Patienten wichtig zu wissen, welche Diagnose vorliegt und wie sie sich im Interesse der Gesundheit verhalten sollten. Zwar werden diese Themen in der Regel auch im Entlassgespräch erläutert. Doch eigene Erhebungen haben gezeigt, dass sich viele Menschen bereits unmittelbar nach einem Arztgespräch an bis zu 80 Prozent der dabei besprochenen Inhalte nicht mehr erinnern können. Gefragt sind deshalb verständliche Informationen, die Patienten in die Lage versetzen, auf Augenhöhe mit den behandelnden Ärzten zu sprechen.

Studierende übersetzen Arztbriefe

Prodialog 12.07.19  Arztbrief

Ansgar Jonietz gründete dazu 2011 gemeinsam mit zwei befreundeten Medizinstudierenden die Internetplattform "Was hab’ ich?". Patientinnen und Patienten können hier ärztliche Befunde und andere medizinische Dokumente hochladen, Ärzte und speziell geschulte Medizinstudierende höherer Semester übersetzen die Unterlagen kostenlos in eine laienverständliche Sprache. Mittlerweile ist aus dem studentischen Start-up eine gemeinnützige GmbH geworden, die sich auf vielfältige Weise für mehr Verständlichkeit im Gesundheitswesen engagiert. Die vom Gewinnerteam entwickelte automatisierte Lösung kann bundesweit ohne viel Aufwand in allen Krankenhäusern eingesetzt werden.

Der zweite Platz, prämiert mit 15.000 Euro, ging an das Projekt ScienceKids. In diesem Programm finden Schülerinnen und Schüler durch Selbermachen, Experimentieren und Ausprobieren selbst Antworten auf Fragen zu gesunder Ernährung, Bewegung und seelischem Wohlbefinden. Mittlerweile wird das Programm in rund 1.000 Schulen in Baden-Württemberg eingesetzt und ist eine ideale Möglichkeit, das Thema Gesundheit über die regulären Unterrichtsfächer in den Schulalltag zu integrieren. ScienceKids wurde 2006 vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung sowie der Stiftung Sport in der Schule gemeinsam mit Wissenschaftlern, Lehrkräften, Eltern und Schülern entwickelt.

Ein Preisgeld von 10.000 Euro erhielt die drittplatzierte "Patientenuniversität" an der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie hat es sich seit ihrer Gründung 2007 zur Aufgabe gemacht, mit Vorlesungen und Aktionen laienverständliches Wissen zu vermitteln. Welche Impfungen brauche ich? Wie macht sich eine Depression bemerkbar? Und was kann ich gegen Arthrose tun? – so lauten Titel der Vorlesungen, die an der Patientenuni angeboten werden. Davon profitieren vor allem Menschen mit eher geringer Bildung, wie eigene Erhebungen der Patientenuniversität zeigen. Bislang haben mehr als 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Veranstaltungen besucht.

Insgesamt 41 Projekte aus dem ganzen Bundesgebiet hatten sich für den Berliner Gesundheitspreis beworben. "Alle Menschen wollen möglichst lange gesund leben. Mehr denn je braucht es dazu individuelle Gesundheitskompetenz. Wenn sie nicht vorhanden ist, belastet dies auch das Gesundheitswesen. Deshalb liegt uns und vielen anderen Akteuren sehr am Herzen, dass die Menschen leicht verständliche Informationen über ihre Gesundheit erhalten. Dazu gehört die Motivation, diese Informationen in ihren Alltag zu übernehmen. Mit unserem aus Patientensicht entwickelten Digitalen Gesundheitsnetzwerk wollen wir Nutzern deshalb künftig auch ermöglichen, Gesundheitsinformationen leichter und besser zu verstehen", sagte Daniela Teichert, designierte Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost über ihr Engagement beim Berliner Gesundheitspreis.

Litsch: "Nachahmen ist erwünscht"

Für Martin Litsch, Vorstand des AOK-Bundesverbandes, liegt eines der wichtigsten Ziele des Berliner Gesundheitspreises darin, gute Ideen und funktionierende Ansätze stärker bekannt zu machen: "Nachahmen ist beim Berliner Gesundheitspreis nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Um die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung zu erhöhen, brauchen wir noch viel mehr gute Angebote. Immerhin fällt es jedem zweiten Menschen in Deutschland schwer, Gesundheitsinformationen zu finden und zu verstehen. Die AOK engagiert sich für dieses Ziel unter anderem beim Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz, dessen Schirmherrschaft das Bundesgesundheitsministerium innehat."

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