Herzinsuffizienz: Poststationäre Versorgung meistens gut

Herzinsuffizienz:Regionale Unterschiede bei medikamentöser Versorgung

Herzinsuffizienz:Regionale Unterschiede bei medikamentöser Versorgung

Wie gut werden Herzinsuffizienz-Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt mit Medikamenten versorgt? Wo liegen die Stärken der Versorgung und wo gibt es Verbesserungspotenzial? Diese und weitere Fragen rund um die Qualität der poststationären Arzneimittelversorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz beleuchtet ein Beitrag im jüngsten Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Herzinsuffizienz zählt in Deutschland zu den Volkskrankheiten und gehört seit Jahren zu den häufigsten Ursachen für stationäre Krankenhausaufenthalte. Seit 2009 steht mit der Nationalen Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz eine evidenzbasierte Handlungsempfehlung zur Versorgung der betroffenen Patienten zur Verfügung, die unter anderem den Einsatz von ACE-Hemmern bzw. bei Unverträglichkeit von AT1-Blockern für alle Herzinsuffizienz-Patienten vorsieht. Auf Basis dieser Leitlinie wurde 2012 im Rahmen des Qualitätsindikatorensystems für die ambulante Versorgung (QISA) ein Indikatorenset zur Herzinsuffizienz entwickelt. Dieses Set diente als Grundlage für die Auswertung im Krankenhaus-Report.

Geringere Erfüllungsgrade bei Älteren und psychisch Kranken

Die Autoren des Beitrags untersuchten die medikamentöse Versorgung anhand von Routinedaten aller im Jahr 2012 bei der AOK abgerechneten Herzinsuffizienz-Fälle mit einem Klinikaufenthalt. Ergebnis: Der Erfüllungsgrad bei der Versorgung mit ACE-Hemmern bzw. AT1-Blockern im ersten Jahr nach dem Krankenhausaufenthalt ist hoch, für die Indikatoren Betablocker bzw. orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern moderat. Mit einem etwa 80-prozentigen Anteil der Patienten mit ACE-Hemmer-Einnahme zeigte sich ein etwas höherer Erfüllungsgrad als beispielsweise in einer englischen Studie aus dem Jahr 2009 (60 Prozent ACE-Hemmer). Auffällig sind der Studie zufolge aber deutliche regionale Unterschiede. Außerdem zeigten sich insgesamt geringere Erfüllungsgrade bei älteren Patienten und bei Patienten mit psychiatrischer Komorbidität.

Die in der Untersuchung gefundenen Einflussfaktoren auf den Erfüllungsgrad einzelner Indikatoren decken sich nur teilweise mit bestehenden Kontraindikationen. So ergibt sich dem Bericht zufolge zwar bei einer bestehenden Niereninsuffizienz je nach Schweregrad durchaus eine Kontraindikation gegen die Gabe von ACE-Hemmern bzw. AT1-Blockern, bei der Gabe von Betablockern bzw. oraler Antikoagulation (Ausnahme: direkt orale Antikoagulatien - DOAK) in der Regel aber keine Kontraindikation. Besonders bei Patienten mit einer psychischen Komorbidität  wurde ein geringerer Erfüllungsgrad für alle untersuchten Indikatoren festgestellt. Diese sei nicht durch spezifische Kontraindikationen erklärbar. "Es ist davon auszugehen, dass weitere Faktoren bei der Entscheidung für oder gegen eine spezifische Medikation eine Rolle spielen", erklärt Dr. Elke Jeschke aus dem Forschungsbereich Qualitäts- und Versorgungsforschung des WIdO. "Dahinter könnte zum Beispiel die Frage stehen, ob ein Patient aus Sicht des behandelnden Arztes von der gegebenen Medikation profitieren kann oder ob es - zum Beispiel im Fall einer palliativen Situation - sinnvoller ist, die Zahl der Medikamente nicht weiter zu erhöhen."

Deutliche regionale Unterschiede

Wie die Untersuchung ferner zeigt, sind die Präferenzen der verordnenden Ärzte und der Patienten regional unterschiedlich ausgeprägt. Zum Beispiel variiert der Erfüllungsgrad für den QISA-Indikator 6 ACE-Hemmer/AT1-Blocker bundesweit zwischen 70 Prozent in der Region Hochrhein-Bodensee und 87 Prozent in der Region Mecklenburgische Seenplatte. Auch innerhalb einzelner Bundesländer schwanken die Werte teilweise beträchtlich. In Niedersachsen beispielsweise reichen sie von 75 Prozent im Emsland bis zu 86 Prozent in der Region Südheide. Als eine mögliche Erklärung führt der Bericht an, dass beispielsweise Weiterbildungen regional unterschiedlich wahrgenommen werden. Gleichwohl dürften wegen der sehr kleinräumigen Variation innerhalb von Bundesländern weitere Faktoren eine Rolle spielen. "In der Konsequenz besteht unter Berücksichtigung möglicher Kontraindikationen insgesamt Potenzial für die Optimierung der poststationären medikamentösen Therapie bei Patienten mit Erstaufenthalt aufgrund von Herzinsuffizienz", so das Fazit des Beitrags. Insbesondere gelte das für Patienten mit psychischen  Erkrankungen.

Zurück zu PRO DIALOG aktuell vom 04.03.16