Es braucht einen Casemanager

Pneumologe Dr. Eckehard Frisch, Pro Dialog vom 22.01.16

Dr. Eckehard Frisch, Leiter der Praxis für außerklinische Beatmung am Berliner Centrum für Gesundheit erklärt, warum das Casemanagement für die Patienten so wichtig ist.

Ärzte Zeitung: Was genau leistet die Praxis für außerklinische Beatmung?

Dr. Eckehard Frisch: Da Praxisbesuche für Beatmungspatienten oft mit erheblichen Umständen verbunden sind, besuchen wir sie zu Hause, in der betreuten Wohngemeinschaft oder im Heim. Wir erheben den konkreten Unterstützungsbedarf und koordinieren die im Einzelfall notwendige Behandlung, Begleitung und Versorgung des Patienten. Da eine Vielzahl von Akteuren daran beteiligt ist, braucht es begleitendes Casemanagement. Die Rolle übernehmen wir. Wichtig ist: Das Projekt ist nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung des Haus- oder Facharztes konzipiert.

Seit Langem werden Defizite in der ambulanten Versorgung von Beatmungspatienten moniert. Welche sind das?

Die Versorgung außerklinisch beatmeter Patienten findet im Wesentlichen durch Hausärzte und punktuell durch Fachärzte statt. Die haben aber meist kaum Erfahrung im Bereich der außerklinischen Beatmung. Den Logopäden oder Physiotherapeuten, die den Beatmungspatienten begleiten, fehlt ebenfalls ein mit künstlicher Beatmung erfahrener Ansprechpartner. Ähnlich ergeht es dem Medizinproduktelieferanten. Die Folge ist, dass oft falsche Hilfsmittel verordnet werden. Auch den Kostenträgern und dem Medizinischen Dienst fehlt der konkrete Ansprechpartner bei fachlichen Fragen.

Welche Rückschlüsse ziehen Sie aus der Arbeit im Projekt?

Bei zunehmender Inzidenz von Langzeitbeatmung brauchen wir dringend Lösungen, um eine angemessene Versorgung sicherzustellen. Primär geht es darum, die ärztliche Betreuung zu optimieren, die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen und deren Selbstbestimmtheit zu stärken. Genau dies sind Schwerpunkte unserer Praxis. Für Kostenträger stellt sich zudem die Herausforderung, dass in der Beatmungsmedizin mit einer beitragsrelevanten Kostenexplosion zu rechnen ist. Die Ausgaben für die ambulante Betreuung eines Beatmungspatienten mit Kanüle belaufen sich auf jährlich rund 250 000 Euro.

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