Das Ziel: Transparenz in Einzelpraxen und Netzen

Dr. Veit Wambach

Der Facharzt für Allgemeinmedizin, Dr. Veit Wambach, Jahrgang 1957, führt seine von seinem Vater übernommene Praxis in Nürnberg zusammen mit seiner Ehefrau. Er ist Vorsitzender der Agentur deutscher Ärztenetze und Vizechef des NAV-Virchow-Bundes.

Ärzte Zeitung: Wie funktioniert das interne Qualitätsmanagement Ihres Arztnetzes?

Dr. Veit Wambach: Neben dem normalen Qualitätsmanagement in Einzelpraxen haben wir sozusagen als Dach darüber in der Genossenschaft ein zertifiziertes Qualitätsmanagement-System eingeführt. Für uns sind dabei zwei Dinge besonders wichtig. Das ist zum einen, ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Vertrauen untereinander zu entwickeln. Einmal im Monat treffen wir uns im sogenannten Effizienzzirkel Koordination, in dem alle wichtigen Entwicklungen und Neuerungen besprochen werden. Diese Treffen sind sehr gut besucht, meist nehmen 50 bis 60 Ärzte teil. Bei rund 70 Mitgliedspraxen ist das ein sehr erfreulicher Anteil. Damit wird ein gleichmäßiger Informationsgrad erreicht und alle Mitglieder können sich einbringen und unseren Weg mitgestalten. Zum anderen setzen wir Incentives in Bereichen, bei denen wir ein Optimierungspotential sehen. Hierbei können Effizienzpunkte erreicht werden, die zu einer definierten Vergütung führen. Kurz gesagt, setzen wir auch finanzielle Anreize in Richtung Qualität.

Ärzte Zeitung: Wie müssen Qualitätsindikatoren aussehen, damit sie wirklich praxistauglich sind? Und erfüllen die QISA-Indikatoren diese Kriterien?

Dr. Veit Wambach: Prinzipiell muss ein Qualitätsindikator klar zu definieren und einfach zuzuordnen sein. Außerdem brauchen wir eine gute Datengrundlage. Und es muss möglich sein, die Richtung, in die wir mit dem Indikator zielen, gut abzubilden. Vor allem aber muss das System fair sein. QISA ist breit aufgestellt, das macht es für uns interessant. Im Moment beschäftigen wir uns zum Beispiel mit der Frage, ob bestimmte Gruppen von Indikatoren bei uns implementiert werden können. Die große Herausforderung dabei ist es, möglichst unbürokratisch und ohne großen Aufwand an die benötigten Daten zu kommen.
Wir haben uns zunächst auf Indikatoren konzentriert, die aus Routinedaten gezogen werden, zum Beispiel aus Daten von Disease-Management-Programmen, KV-Abrechnungsdaten oder Pharmakotherapiedaten der KV. Denn diese Daten liegen allen Praxen vor. Außerdem nutzen wir für unser Netz die allgemeinen QISA-Indikatoren. So können wir beispielsweise interessante Informationen über unsere Struktur und über die Zufriedenheit unserer Patienten gewinnen.

Ärzte Zeitung: Wie setzen Sie die QISA-Indikatoren konkret ein?

Dr. Veit Wambach: Wir haben unsere eigenen Qualitätsindikatoren entwickelt, zum Teil auf Basis des QISA-Sets. Diese Indikatoren setzen wir im Rahmen unserer Struktur- und Qualitätsentwicklung ein. Zum einen sind das allgemeine Indikatoren, zum anderen aber auch indikationsspezifische Indikatoren, so bei der Pharmakotherapie oder bei DMP. Um die Entwicklung zu beschleunigen werden sie mit Incentives im Sinne von Pay-for-Performance hinterlegt.

Ärzte Zeitung: Welchen Nutzen ziehen Sie dem Einsatz der Qualitätsindikatoren?

Dr. Veit Wambach: Wir schaffen damit Transparenz in Einzelpraxen und übergreifend im Netz. Dabei versuchen wir, unsere Ergebnisse laufend zu optimieren. Ich stelle zunehmend fest, dass sich vor allem neue Patienten dafür interessieren, welche Philosophie eine Praxis hat, oder ob die Praxis zertifiziert ist. Die Patienten möchten sich einfach ein Bild von der Praxis machen, möchten wissen welche Ergebnisse die Praxis bei bestimmten Indikationen erreicht. Auch die Ergebnisse von Patientenbefragungen werden zunehmend nachgefragt.

Ärzte Zeitung: Gibt es Bereiche, in denen die Arbeit mit Qualitätsindikatoren aus Ihrer Sicht besonders sinnvoll ist?

Dr. Veit Wambach: Das lässt sich vor allem für den Bereich der chronischen Erkrankungen sagen, sicher auch für die Pharmakotherapie. Prinzipiell gehen wir aber anders vor. Unser Netz setzt sich jährlich Schwerpunkte und sucht anhand dieser Schwerpunkte die Qualitätsindikatoren aus. So erreicht man eine funktionierende Möglichkeit sich qualitativ weiter zu entwickeln.

Ärzte Zeitung: Wirkt sich der Einsatz von Indikatoren auch auf das Verhältnis von Arzt und Patient aus?

Dr. Veit Wambach: Davon gehe ich aus. Auf jeden Fall lassen sich damit Defizite oder auch Problembereiche erkennen. Dann hat man die Chance, hier gegenzusteuern.

Zurück zur Ausgabe vom 09.03.12