Eine neue Schwester Agnes soll als Fallmanagerin Ärzte entlasten

Die "alte" AGnES wurde noch ausschließlich in medizinisch unterversorgten Gebieten eingesetzt, um den Arzt bei Hausbesuchen durch die Übernahme delegationsfähiger Leistungen am Versicherten zu entlasten. Die neue agneszwei soll sich hauptsächlich um das Fall- und Schnittstellenmanagement kümmern. Darauf haben sich die Beteiligten der IGiB - die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg sowie die Krankenkassen AOK Nordost und Barmer - geeinigt. "Der Fokus wird allerdings weiter auf ländlichen Gebieten mit schwächerer Versorgungsstruktur liegen", erläutert der Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, Frank Michalak.

agnes zwei ist das Projekt der Zukunft

Das Projekt sei aber nicht mehr an einen einzelnen Hausarzt gebunden. Michalak: "Agnes kann in Einzelpraxen, aber auch arzt- und praxisübergreifend in Medizinischen Versorgungszentren, Ärztehäusern oder Ärztenetzen eingesetzt werden. agnes zwei ist ein innovatives Projekt der Zukunft."

agnes zwei soll anfangs in fünf Regionen gestartet und erprobt werden, Erste Modellprojekte starteten zum Jahresanfang in Lübbenau im Spreewald und in der Kyritz im Nordwesten Brandenburgs. Die Städte Bad Belzig, Cottbus und Fürstenwalde sollen folgen.

Zusatzqualifikation mit hohen Ansprüchen

Auch wenn die Praxisassistentinnen weiter delegationsfähige Leistungen erbringen können, soll der Schwerpunkt vor allem auf das Case- und Schnittstellenmanagement gelegt werden. "Der Einsatz im Fallmanagement liegt im Interesse der Kassen, die ihre Versicherten gut betreut und in ihren Versorgungsprogrammen gut aufgehoben wissen wollen", so Michalak weiter.

Die zusätzlichen Aufgaben stellen hohe Anforderungen an die Ausbildung der Fachkräfte. Grundsätzlich eignen sich vor allem Medizinische Fachangestellte mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung, examinierte Krankenschwestern, nicht ärztliche Praxisassistentinnen (AGnES) oder Fachwirtinnen für ambulante Medizin für diesen Aufgabenbereich.

Allerdings benötigten auch diese Berufsgruppen eine Zusatzqualifikation im Case-Management. Das genaue Fortbildungscurriculum wird derzeit noch von der Kassenärztlichen Vereinigung zusammen mit den Krankenkassen erarbeitet.

Für die Honorierung der agnes zwei werden noch unterschiedliche Möglichkeiten getestet; das Spektrum reicht von Einzelfallvergütung bis hin zu einer Monatspauschale.

Vorbilder: Gemeindeschwester und TV-Serienstar

Der verstärkte Einsatz von nicht ärztlichen Fachkräften in besonderen Bereichen hat Vorbilder: Nicht nur in dünn besiedelten Ländern wie Kanada oder in Skandinavien arbeiteten solche Fachkräfte sehr erfolgreich, auch in Deutschland haben Gemeindeschwestern in der Vergangenheit zu einer guten Versorgung beispielsweise chronisch Kranker beigetragen.

In Anlehnung an die beliebte "Schwester Agnes" nach der gleichnamigen DDR-Fernsehserie wurde vor einigen Jahren das Projekt AGnES ins Leben gerufen, das die Vorteile eines Zusammenspiels von Arzt, Gemeindeschwester und telemedizinischen Anwendungen wie Telekooperation zwischen Hausarzt und Gemeindeschwester oder Telemonitoring von chronisch Erkrankten nutzte. Dies wurde nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) sowohl von den unmittelbar betroffenen Patienten als auch von beteiligten Ärzten gut aufgenommen. Michalak zeigt sich überzeugt: "agneszwei wird sich mittel- bis langfristig rentieren."

prodislog 02/11