Auch Helfer brauchen Hilfe

Die Berliner Organisation "Pflege in Not" und das Münchener Kontaktnetzwerk "allfa beta" haben beide den ersten Platz beim Berliner Gesundheitspreis 2010 belegt und ein Preisgeld von je 20.000 Euro erhalten. Die Berliner Initiative ist seit 2000 Anlaufstelle für Menschen, die im Rahmen der Pflege in Konflikt- oder Gewaltsituationen geraten sind. Das Münchener Projekt engagiert sich seit 2007 für allein erziehende Mütter mit behinderten Kindern. Den zweiten Platz mit 10.000 Euro Preisgeld belegte die Bürgerinitiative Stendal. Sie betreut seit 1994 hilfs- und pflegebedürftige Senioren.

Wie wichtig Unterstützung für pflegende Menschen ist, beschrieb der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. Günther Jonitz: "Das sind nicht nur Zustände, in denen ein krankes Kind drei Tage lang hohes Fieber hat. Hier geht es um kranke Angehörige, die über einen Zeitraum von Wochen, Monaten oder Jahren betreut werden müssen." Die Initiatoren des Berliner Gesundheitspreises - die Ärztekammer Berlin, die AOK Nordost und der AOK-Bundesverband - hätten erfolgreich nach Lösungen gesucht, die sich in der Praxis bereits bewährt hätten.

Für Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler ist die Tatsache, dass bei der Preisvereihung nur Frauen waren, bezeichnend: "Nicht nur, dass die Hauptlast der ambu- lanten Pflege bei den Angehörigen liegt, sondern vor allem bei den Frauen." Das Berliner Projekt "Pflege in Not" spreche mit den Themen Aggression und Gewalt "ein Tabu im Tabu" an. Josef Hecken, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, hält Hilfsangebote wie die von "allfa beta" für unverzichtbar, um Angehörige nicht mit der Pflege auf Dauer zu überfordern.

AOK-Vorstandsvize Graalmann sprach sich dafür aus, die Hilfe für pflegende Angehörige im Zuge der anstehenden Pflegereform auszuweiten: "Mit Geld allein werden wir die Situation nicht lösen. Wir brauchen viele solcher engagierter Plattformen, um ein würdiges Altern zu organisieren, ohne die junge Generation zu überfordern." Um den Berliner Gesundheitspreis 2010 hatten sich insgesamt 81 Projekte beworben. 17 davon kamen in die engere Auswahl.

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prodialog 02/11