DMP sorgen für Schub bei der Versorgungssteuerung

So ist mittlerweile nahezu jeder zweite Diabetiker in Deutschland in ein DMP eingeschrieben, geht aus dem jüngst veröffentlichten Versorgungs-Report 2011 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Mehr als 2,7 Millionen AOK-Versicherte nehmen an einem Programm für Diabetes Typ 2 (seit 2003), Brustkrebs (2003), koronare Herzkrankheit (2004), Diabetes mellitus Typ 1 (2005) und Asthma/COPD (2006) teil.

"Dass sich bei der Versorgung chronisch Kranker in den letzten zehn Jahren durchaus etwas verändert hat, ist insbesondere den DMP zu verdanken", heißt es denn auch in dem Bericht, der sich schwerpunktmäßig dem Thema "chronische Erkrankungen" widmet. "Sie haben der Versorgungssteuerung nachhaltig Schub verliehen."

Allein die häufigen Arztbesuche der Patienten – immerhin suchen Diabetiker 38-mal pro Jahr eine Arztpraxis auf – ließen erkennen, wie notwendig eine koordinierte Behandlung ist. Wie gut DMP funktionieren, lässt sich nachweisen: Die inzwischen vorliegenden Ergebnisse zeigten positive Entwicklungen bei den medizinischen Werten der Patienten und deutliche Verbesserungen im Bereich der Prozessqualität. Die Ergebnisse der vom AOK-Bundesverband beauftragten ergänzenden Begleitforschung zur gesetzlichen Evaluation deuten zudem darauf hin, dass Diabetiker, die an einem DMP teilnehmen, eine höhere Lebenserwartung gegenüber Nichtteilnehmern haben (s. S. 1). Weiter heißt es im Versorgungs-Report: "Diabetesbedingte Folgeerkrankungen gehen bei DMP-Teilnehmern zurück. Die Patienten fühlen sich besser versorgt und informiert. Sie verhalten sich gesundheitsbewusster."

Evidenzbasierte Medizin "Hoffähig gemacht"

Die flächendeckende Einführung der strukturierten Behandlungsprogramme für chronisch kranke Patienten sei mithin eine der wichtigsten Neuerungen der letzten Jahre im deutschen Gesundheitswesen, heißt es im Versorgungs-Report weiter. Auch hätten die Programme die evidenzbasierte Medizin hoffähig gemacht und das Konzept des "Shared-Decision-Making" in die Praxis eingeführt und die Kooperation zwischen den Versorgungssektoren verbessert.

"Erstmals wurde die Behandlung der Patienten als ganzheitlicher Prozess betrachtet", heben die Autoren hervor. Nach anfänglichen Akzeptanz- und Umsetzungsproblemen hätten sich DMP mittlerweile in der Versorgungsrealität etabliert und leisteten einen wirksamen Beitrag zur Verbesserung der Behandlungsqualität und zur Sekundärprävention. Auch liefen die administrativen Prozesse in den Arztpraxen und bei den Krankenkassen dank der elektronischen Dokumentation "längst geräuschlos".

Auch in anderen Ländern stießen die DMP auf Interesse: "Die flächendeckende Einführung und die hohen Teilnehmerzahlen haben zu einem großen internationalen Interesse an den deutschen DMP geführt", heißt es im Bericht weiter. "Die Anreize, die der Gesetzgeber durch die Finanzierung der Programme gesetzt hat, waren offensichtlich sehr effektiv." Eine Stärke der strukturierten Behandlungsprogramme in Deutschland liege zudem darin, "dass die teilnehmenden Ärzte die Behandlung der Patienten koordinieren". Diese arztzentrierte Umsetzung unterscheidet den deutschen Ansatz zum Beispiel von den US-amerikanischen DMPs, bei denen die Koordination oft in der Hand von Krankenversicherungen oder spezialisierten Unternehmen liegt.

 

prodialog 12/10