Nachgehakt: Antibiotikaverordnung - ein Dauerthema

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) verwies vor Kurzem erneut auf die Gefahren der Resistenzentwicklung, die vor allem durch den sorglosen Einsatz von Reserveantibiotika entstehen. Bereits 2001 hatte das Institut diese Frage in einer Antibiotika- Studie untersucht und gewarnt. "Die aktuellen Verordnungszahlen belegen, dass diese Warnung leider immer noch aktuell ist", betonte der stellvertretende Geschäftsführer des WIdO, Helmut Schröder. So ist zwischenzeitlich fast jedes zweite Antibiotikum (46,5%), das in Deutschland verordnet wird, ein Reserveantibiotikum. Diese sollten jedoch - wie der Name schon sagt - die eiserne Reserve bei der Behandlung schwerer Erkrankungen sein.

Die meisten Antibiotika je Arzt verschreiben Urologen, gefolgt von Kinderärzten, Hausärzten und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten. "In Deutschland werden Kinder dreimal so häufig bei Mittelohrentzündung mit Antibiotika behandelt wie in den Niederlanden, obwohl dies nach Ansicht von medizinischen Experten keinen Vorteil bringt", stellte Schröder fest. Studien zeigen, dass bei Erkältungen in 80% der Fälle Antibiotika verschrieben werden, obwohl Bronchitis oder Rachenentzündungen zu mehr als 80% durch Viren verursacht werden.

Basierend auf den Ergebnissen der Antibiotika- Studie hat das WIdO bereits 2005 gemeinsam mit der Stiftung Warentest Empfehlungen für Versicherte im Umgang mit Antibiotika zusammengestellt. Diese Tipps haben nichts an Aktualität verloren. Wer sie zur Information und Aufklärung seiner Patienten verwenden möchte, kann den Beitrag "Weniger ist mehr" auf der Website der Stiftung Warentest kostenlos downloaden.

 

prodialog 12/10