Nutzenbewertung nicht verwässern

Der neue Arzneiverordnungs-Report zeigt: Generika sind die große Erfolgsstory im Arzneimittelmarkt

Deutsche Ärzte sind Weltmeister beim Verschreiben von Generika. Die Nachahmerpräparate machen inzwischen 70 Prozent der Verordnungen aus. Für die Herausgeber des Arzneiverordnungs-Reports (AVR) sind die Generika deshalb "die große Erfolgsstory des deutschen Arzneimittelmarktes". Anteil an diesem Erfolg haben die Festbeträge für Medikamente und die Arzneimittelrabattverträge. Diese Steuerungsinstrumente haben die Preise für Generika auch 2009 sinken lassen – um zwei Prozent. Das niedrigere Preisniveau hat die 2009 um knapp drei Prozent gestiegene Zahl der Generika-Verordnungen aufgefangen. Der Umsatz blieb konstant.

"Wenn Kassen, Ärzte, Apotheker und Politik an einem Strang ziehen, können wir Einsparpotenziale ausschöpfen", sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt, bei der Vorstellung des AVR 2010. Dass es diese Potenziale weiter gibt, belegen die Analysen des aktuellen Reports. Auf 4,1 Milliarden Euro beziffern die Herausgeber Prof. Ulrich Schwabe und Prof. Dieter Paffrath die ohne Qualitätsverlust zu mobilisierenden Effizienzreserven im Bereich der Generika, bei den Analogpräparaten und bei umstrittenen Arzneimitteln.

Ausgabentreiber Nummer Eins aber bleiben patentgeschützte Wirkstoffe. Deren Preise haben 2009 laut AVR um drei Prozent auf 13,2 Milliarden Euro zugelegt. Bei rund zwölf Prozent Verordnungsanteil haben die patentgeschützten Medikamente 46 Prozent Umsatzanteil. Wenige kostenintensive Arzneimittelgruppen verursachen 80 Prozent der Ausgabensteigerung im GKV-Markt für Fertigarzneimittel. Dazu gehören zum Beispiel Angiotensinhemmstoffe (+ 167 Mio. Euro gegenüber 2008), Neuroleptika (+ 153 Mio. Euro) oder Tumortherapeutika (+ 177 Mio. Euro) und Immuntherapeutika (+ 490 Mio. Euro).

Reichelt begrüsste deshalb ausdrücklich, dass die Bundesregierung nach der Markteinführung eine schnelle Nutzenbewertung neuer Medikamente als Grundlage für Preisverhandlungen einführen will: "Dann wissen wir deutlich schneller, welche Medikamente tatsächlich einen therapeutischen Fortschritt versprechen. Wir stellen sicher, dass sich Forschung und Entwicklung innovativer Medikamente für die Hersteller lohnen und gute neue Therapien für alle bezahlbar bleiben." Es wäre fatal, warnte Reichelt, "wenn dieser wichtige Fortschritt für den deutschen Arzneimittelmarkt auf der Zielgeraden den Interessen der Pharmaindustrie zum Opfer fiele und verwässert würde."

prodialog 09/10