AOK-Familienstudie 2010: Gesunde Eltern – gesunde Kinder

Übergewicht sowie psychosomatischen Erkrankungen und psychischen Auffälligkeiten bei Kindern kann nach den Ergebnissen der AOK-Familienstudie 2010 mit relativ einfachen Mitteln entgegengewirkt werden.

Denn die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hängt wesentlich von der Einstellung und vom Verhalten der Eltern ab. Einen wichtigen Beitrag zum gesunden Aufwachsen der Kinder leisten Eltern, wenn sie im Familienleben einige Routinen und mit dem Nachwuchs ausgehandelte Regeln einhalten, lautet das Resümee der Studie unter der wissenschaftlichen Leitung der Professoren Klaus Hurrelmann und Ulrike Ravens-Sieberer. Eine besonders große Bedeutung hat dabei das gemeinsame Frühstück im Familienkreis.

In der bisher einmaligen Repräsentativbefragung wurde nach Hurrelmanns Angaben erstmals die Elterngesundheit untersucht und der Grundstein für eine Betrachtung über einen längeren Zeitraum hinweg gelegt. Dafür befragte die Gesellschaft für angewandte Sozialforschung (GE-F-A-S) im Auftrag des AOK- Bundesverbandes von Februar bis April 2010 bundesweit mehr als 2000 Mütter und Väter zum Alltag mit ihren vier- bis 14-jährigen Kindern.

„Familienroutinen“ pflegen

Nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, belegt die Studie, „dass viele gesundheitsfördernde Selbstverständlichkeiten in den Familien bereits gelebt werden“. Diese positive Einstellung will die AOK laut Graalmann mit ihrer Präventionsarbeit und vor allem im Rahmen der Initiative „Gesunde Kinder – gesunde Zukunft“ stärken.

Die Untersuchung folgt auf eine erste qualitative Studie des AOK-Bundesverbandes aus dem Jahr 2007, in der erforscht wurde, welche Faktoren für das gesunde Aufwachsen von Kindern förderlich und welche hinderlich sind.

Sechs Alltagsroutinen sind nach den Erkenntnissen aus der neuen Studie in Deutschlands Familien besonders verbreitet. Dies sind tägliche Rituale beispielsweise zum Tagesbeginn oder -ausklang wie gemeinsame Mahlzeiten.

Die meisten Eltern halten gemeinsame Mahlzeiten für wichtig. In etwa 85 % der Familien gehört das gemeinsame Abendessen zum Familienalltag. Der Studie zufolge stellt vor allem das gemeinsame Frühstück einen wichtigen Schutzraum der Kinder dar. Allerdings frühstücken nur knapp zwei Drittel der Eltern mit ihren Kindern und nur 47% essen gemeinsam mit ihnen zu Mittag. Mehr als ein Drittel der Kinder isst mittags in der Kita oder der Schule.

Interesse an der Schule zeigen

Der Studie zufolge können Eltern durch ihr Interesse an vorschulischer oder schulischer positiv im Hintergrund wirken. Als wichtiger Ausdruck des Interesses gilt der Besuch von Elternabenden. 96 % der Befragten gaben an, regelmäßig an Elternabenden oder anderen Veranstaltungen teilzunehmen. Väter verneinten diese Frage allerdings wesentlich öfter als Mütter. Je älter die Kinder werden, desto mehr lässt das Interesse der Eltern an Veranstaltungen in Kita oder Schule allerdings nach. Eltern, die oft an Schulveranstaltungen teilnehmen, beugen schulischen Problemen vor: Psychosomatische und psychische Symptome bei Kindern sind oft verbunden mit Problemen in Schule oder Kita. Nehmen Eltern nicht regelmäßig oder nie an Veranstaltungen teil, so erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl Schulprobleme als auch psychosomatische und psychische Reaktionen wie Nervosität, Kopfschmerzen oder Einschlafstörungen auftreten, schreiben die Autoren.

prodialog 07/10