Depressionstag 1. Oktober: neuer Online-Coach der AOK

(01.10.18) Der europäische Depressionstag am 1. Oktober 2018 steht in diesem Jahr unter dem Motto: "Depression und Vorurteile - Junge Erwachsene sind besonders betroffen". Organisiert werden die Veranstaltungen in ganz Europa von der European Depression Association (EDA).

Wie die EDA mitteilt, wurden in den vergangenen zehn Jahren vermehrt depressive Erkrankungen in allen Altersgruppen diagnostiziert. "Depressive Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft allerdings leider immer noch mit einem eingeschränkten Wissen über die Erkrankung und Vorurteilen verbunden. Jüngere Menschen sehen sich vor dem Hintergrund der sich wandelnden Gesellschaft und der Familienstrukturen sowie durch soziale Medien neuen Herausforderungen und Belastungen ausgesetzt", sagt Professor Detlef Dietrich, Vertreter der EDA in Deutschland.

AOK bietet Unterstützung für Angehörige von depressiv Familienmitgliedern

Depressive Erkrankungen zählen zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland. Der EDA zufolge sind knapp vier Millionen Deutsche sind an Depressionen erkrankt. Darunter leiden nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihre Eltern, Geschwister und Partner.

Ein neues Online-Programm der AOK hat sich das Ziel gesetzt, Angehörige im Umgang mit depressiv erkrankten Familienmitgliedern oder Freunden zu unterstützen. Der "Familiencoach Depression" hilft den Angehörigen der Betroffenen, mit häufigen Symptomen wie Freudlosigkeit oder Antriebslosigkeit umzugehen.

Wie groß der Bedarf für Unterstützung ist, zeigt das "Deutschland-Barometer Depression" der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutsche Bahn Stiftung. Darin gaben 37 Prozent der Deutschen an, dass bei einem Angehörigen oder Bekannten schon einmal die Diagnose Depression gestellt wurde. Die Studie habe zum Teil erhebliche Wissenslücken bei den Angehörigen gezeigt, berichtet Professor Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: "So glaubt jeder dritte Angehörige fälschlicherweise, dass Depression ein Resultat von Charakterschwäche sei, während es bei den Betroffenen 22 Prozent der Befragten sind".

Familiencoach Depression: Wie kann erkrankten Angehörigen helfen?

Der Familiencoach Depression basiert auf den Inhalten von Psychoedukationskursen, die die Belastung der Angehörigen nachweislich senken können. "In vier Trainingsbereichen erfährt man, wie man seinen erkrankten Angehörigen, Freund oder Bekannten unterstützen und sich selbst vor Überlastung schützen kann", sagt Professorin Elisabeth Schramm vom Universitätsklinikum Freiburg, die das Programm in Zusammenarbeit mit der AOK entwickelt hat.

Eine depressive Erkrankung eines nahestehenden Menschen verursacht oft hohe psychosoziale Belastungen, die die Lebensqualität, aber auch den Gesundheitszustand der Angehörigen beeinträchtigen können, betont Dr. Christiane Roick, stellvertretende Leiterin des Stabs Medizin beim AOK-Bundesverband. "Während Psychoedukationskurse für Patienten bereits zum Standardrepertoire der Versorgung gehören, sind entsprechende Kurse für die Angehörigen aber noch deutlich seltener", so Roick.

Das wissenschaftlich fundierte Online-Programm zeigt unter anderem in 14 Videos, wie es gelingt, die Beziehung zum erkrankten Angehörigen wieder zu stärken, mit Krisensituationen umzugehen, den Erkrankten zu unterstützen und sich selbst in dieser schwierigen Situation nicht zu überfordern. Zudem vermittelt das Programm Wissen über die Erkrankung.

Das interaktive Online-Programm ist für jeden Interessierten kostenfrei unter der Adresse www.familiencoach-depression.de verfügbar. Darüber hinaus bietet die AOK das Selbsthilfe-Programm www.moodgym.de an. Es richtet sich an Menschen mit leichten und mittelschweren Depressionen. Moodgym basiert auf Er­kenntnissen der kognitiven Verhaltens­therapie und hilft bei der Vorbeugung und Linderung von depressiven Sympto­men.  

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