Kosten-Nutzen-Bewertung

Mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (2007) wurde das Verfahren der Nutzenbewertung von Arzneimitteln erneuert: Im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Bewertung (KNB) sollte der medizinische Nutzen eines Präparates im Verhältnis zu seinen Kosten bewertet werden. Neben dem Patientennutzen sollten demnach auch die Angemessenheit und Zumutbarkeit einer Kostenübernahme durch die Krankenkassen bewertet werden. Auf Basis einer KNB sollte der GKV-Spitzenverband einen Höchstbetrag festlegen, bis zu dem die Kassen das jeweilige Präparat erstatten.

2011 wurde auch dieses Verfahren wieder grundlegend verändert und die frühe Nutzenbewertung eingeführt. Die KNB ist in diesem neuen System nur noch als „Ultima Ratio“ vorgesehen: Wenn die Preisverhandlungen scheitern und ein Verhandlungspartner den Schiedsspruch anzweifelt, kann er eine KNB beantragen. Bislang wurde die KNB nur an einer Arzneimittelgruppen durchgeführt. Die im Oktober 2013 abgeschlossene KNB zu Antidepressiva ist jedoch aufgrund der geänderten gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht entscheidungsrelevant.

Der vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) beauftragte Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat im Juni 2014 empfohlen, die KNB wieder stärker zu nutzen. Ein Grund für die geringe Anzahl der KNB sei darin zu sehen, dass nur das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die Prüfungen durchführen dürfe. Im Sinne der Pluralität solle diese Exklusivität aufgehoben werden, forderten die Sachverständigen. Zudem sollten KNB künftig in Preisverhandlungen zwischen Pharmaherstellern und Krankenkassen eingebracht werden können und nicht erst zum Tragen kommen, wenn die Verhandlungen gescheitert seien.