Die Anwendung von Flourchinolonen soll europaweit eingeschränkt werden

(29.11.18) Die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat empfohlen, die Anwendung von systemisch und inhalativ angewandten Fluorchinolonen und Chinolonen einzuschränken. Das teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit. In Deutschland betrifft dies die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin. Hintergrund der Warnung ist eine wissenschaftliche Neubewertung der EMA, in die auch die Sichtweise von Patienten, Vertretern der Gesundheitsberufe und der Wissenschaft eingeflossen sind. Die genannten Antibiotika werden demnach mit schwerwiegenden und potentiell dauerhaften Nebenwirkungen in Verbindung gebracht wird. 

Zu den berichteten Nebenwirkungen gehören Sehnenentzündungen und -risse, Arthralgien, Schmerzen in den Extremitäten, Gangstörungen, Neuropathien, aber auch Depressionen, Fatigue, Gedächtnis- und Schlafstörungen bis hin zu Beeinträchtigungen des Hörens und Sehens sowie Störungen des Geschmacks- und Geruchssinns. Aufgrund der Risiken sollten Flourchinolone in folgenden Fällen nicht oder nur eingeschränkt angewandt werden:

  • Bei Infektionen, die auch ohne Behandlung abklingen oder nicht schwerwiegend sind, sowie bei nichtbakteriell verursachten Infektionen, sollten Fluorchinolone nicht angewendet werden.
  • Fluorchinolone sollten nicht zur Vorbeugung von Reisediarrhoe oder rezidivierenden Infektionen der unteren Harnwege angewendet werden.
  • Fluorchinolone sollten nicht als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung leichter und mittelschwerer Infektionen angewendet werden.

Vorsicht bei Nierenfunktionsstörungen

Generell vermieden werden sollte die Anwendung von Fluorchinolonen bei Patienten, bei denen vormals schwere Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Anwendung von Fluorchinolonen oder Chinolonen aufgetreten sind. Besondere Vorsicht gilt bei älteren Patienten, bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen und bei Patienten, die eine Organtransplantation hinter sich haben – bei allen drei Gruppen besteht ein erhöhtes Risiko für Sehnenschäden. Da Sehnenschäden auch verstärkt bei der Anwendung eines Kortikosteroids zusammen mit einem Fluorchinolon auftreten, sollten Ärzte eine Kombination dieser beiden Arzneimittelgruppen vermeiden. Bei Anzeichen von Nebenwirkungen, die die Muskeln, Sehnen, Gelenke oder das Nervensystem betreffen, sollten Patienten die Behandlung beenden und einen Arzt aufsuchen.

Hintergrund

Die Neubewertung der Fluorchinolone und Chinolone wurde im Februar 2017 durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) initiiert. Das daraufhin entstandene Gutachten des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) wird nun der Europäischen Kommission zugeleitet, die abschließend einen für alle EU-Mitgliedsstaaten rechtsverbindlichen Beschluss veröffentlicht. 

Weitere Informationen:
Tests zur gezielten Verordnung von Antibiotika im EBM
Antiobiotika: Weniger Einsatz, mehr Forschung