Kontrolle der Prozesse in der Transplantationsmedizin

Manipulierte Wartelisten, geänderte Patientendaten, gefälschte Krankenakten – die 2012 bekannt gewordenen Organspendeskandale hatten einen drastischen Rückgang der Organspenderzahlen zu Folge. Um das Vertrauen der Menschen in das Transplantationswesen wiederherzustellen, haben der Gesetzgeber und die Selbstverwaltung die Kontrollen bei der Vergabe von Organen und der Wartelistenführung verschärft. Ein ganzes Maßnahmenbündel soll für mehr Kontrolle und Transparenz in der Transplantationsmedizin sorgen.

Transplantationskonferenzen zur Vermeidung von Manipulationen (Mehraugenprinzip)

Mediziner, die gefälschte Daten an Eurotransplant melden, um ihre Patienten auf der Warteliste für ein Spenderorgan vorn zu platzieren – das soll in Deutschland nicht mehr möglich sein. Die Ständige Kommission Organtransplantation hat mit den verbindlich umzusetzenden Transplantationskonferenzen und dem sogenannten Mehraugenprinzip den Manipulationen bei der Organvergabe einen weiteren Riegel vorgeschoben. Danach soll in jedem Transplantationszentrum eine ständige, interdisziplinäre und organspezifische Expertenkonferenz über die Aufnahme eines Patienten in die Warteliste, deren Führung und die Abmeldung eines Patienten entscheiden. In dieser Konferenz muss neben den direkt beteiligten medizinischen Disziplinen mindestens eine weitere Disziplin vertreten sein, die nicht unmittelbar in das Transplantationsgeschehen eingebunden ist.

Regelmäßige verdachtsunabhängige Vor-Ort-Prüfungen

Die Hauptrolle fällt der Prüfungskommission und der Überwachungskommission zu. Ihr Auftrag: die Wartelistenführung und die Organzuteilung in den 47 Transplantationszentren in Deutschland auf Auffälligkeiten zu prüfen und die Einhaltung der Verträge nach dem TPG zu überwachen. Als erstes haben die Kommissionen die 24 Leberprogrammen überprüft.

Das wichtigste Instrument bei der Suche nach Unregelmäßigkeiten sind die verdachtsunabhängigen Vor-Ort-Prüfungen. Zwölf organspezifische Prüfungsgruppen gibt es. Jeder Gruppe gehören zwei Mitglieder der Prüfungs- oder der Überwachungskommission und zwei unabhängige für das jeweilige Transplantationsprogramm sachkundige Ärzte an. Mitarbeiter der zuständigen Landesministerien begleiten das Expertenteam.

Mindestens einmal in 36 Monaten kündigen sich die Prüfer beim jeweiligen Zentrum an. Bevor die Prüfer das entsprechende Zentrum über die geplante Visitation unterrichten, gehen sie Unterlagen der Organvermittlungsstelle Eurotransplant durch, vergleichen die dort gemeldeten Patientendaten, begutachten Laborwerte und ärztliche Befunde. Wenn die Prüfer schließlich die Klinik aufsuchen, müssen Ärzte des Zentrums ihnen zu den einzelnen Transplantationen Auskunft geben. Die Experten können sie zur Indikation der Transplantation, zur Dialyse, zu möglichen Besonderheiten sowie zur Dokumentation der Krankenblätter und des Krankheitsverlaufs vor der Meldung des Patienten an Eurotransplant befragen.

Stellt das Expertenteam während der Visitation Auffälligkeiten fest, die weitere Untersuchungen erfordern, muss eine Sonderprüfungsgruppe, bestehend aus einem Arzt und einem Juristen, alle relevanten Unterlagen erneut begutachten. Ihre Abschlussbewertung erhalten sowohl die Klinik als auch die zuständige Landesbehörde.

Vertrauensstelle zur Meldung von Unregelmäßigkeiten

Um die Kontrolle und Transparenz über das Geschehen im Rahmen des Organspende- und transplantationsprozesses zu stärken, haben die Prüfungs- und Überwachungskommissionen im November 2012 auch eine unabhängige Vertrauensstelle "Transplantationsmedizin" eingerichtet. Dort kann jedermann Verstöße gegen das Transplantationsgesetz und sonstige Auffälligkeiten - auch anonym - melden.

Strafrechtliche Sanktionen für Manipulationen

Als Konsequenz aus den Organspendeskandalen des Jahres 2012 hat der Gesetzgeber das Transplantationsgesetz (TPG) angepasst. Wesentliche Neuerung: Die Manipulation von Krankenakten und Wartelisten ist nun eine Straftat. Ärzte, die Krankenakten ändern, um ihren Patienten schneller ein Spenderorgan zu verschaffen, müssen mit einer Geldstrafe oder mit bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug rechnen.

Weitere Informationen zu den neuen gesetzlichen Regelungen

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