Rahmenvorgaben für Arzneimittel

In Bezug auf die Zielvorgaben für 2017 geben die Verhandlungspartner auf Bundesebene keine einheitlichen Quoten mehr vor. Stattdessen bilden sie die tatsächlichen Anteile der Leitsubstanzen und Verordnungsquoten aus dem ersten Halbjahr 2016 ab.

Der Einsatz von Biosimilars und Generika soll stärker gefördert werden. Erstmals empfehlen die Bundesvertragspartner außerdem, auf regionaler Ebene fachgruppenspezifische Vereinbarungen zur Arzneimittelgruppe der "GABA-Analoga" und Interferon-ß-1a zur Behandlung der Multiplen Sklerose zu berücksichtigen.
 

  • Rahmenvorgaben 2017

    Für das Jahr 2017 rechnen die Verhandlungspartner mit Ausgabensteigerungen von bundesweit 3,3 Prozent. Das entspricht etwas mehr als einer Milliarde Euro. Dieser Wert setzt sich aus folgenden Faktoren zusammen:

    • Preisentwicklung bei den Arzneimitteln, ohne Rabattverträge (minus 0,4 Prozent)
    • Veränderungen der gesetzlichen Leistungspflicht (0 Prozent)
    • Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (0 Prozent)
    • erwartete Mehrausgaben für innovative Arzneimittel (plus 3,2 Prozent)
    • Ausgabensteigerungen infolge der Verlagerung von Arzneimitteltherapien vom stationären in den ambulanten Bereich (plus 0,5 Prozent).

    Davon ausgenommen bleibt weiterhin das bereits 2015 gebildete "Sonderausgabenvolumen Hepatitis C". Auch 2017 werden diese Sonderausgaben unter den oben genannten Anpassungsfaktoren nicht berücksichtigt. Das Volumen wird außerdem als absoluter Betrag ausgewiesen:

    • Sondervolumen für die Hepatitis-C-Therapie 2017: 500 Millionen Euro

    Rückwirkend wurden die bundesweit zu bewertenden Anpassungsfaktoren mit 3,1 Prozent niedriger bewertet als Ende 2015 vorhergesehen (3,7 Prozent). Dies geht in erster Linie auf den neu bewerteten Faktor "Preisentwicklung" zurück (minus 0,9 statt minus 0,3 Prozent). Hinzu kommt der regional zu bestimmende Faktor zu Zahl- und Altersstruktur von 1,1 Prozent im Bundesdurchschnitt (prospektiv auf 0,8 Prozent angesetzt). Bei den Sonderausgaben für die neu zugelassenen Arzneimittel zur Behandlung der chronischen Hepatitis C rechnen die Verhandlungspartner für 2016 mit einem Volumen von 700 Millionen Euro (ohne gesetzliche Zuzahlungen und Rabatte).

    Rahmenvorgaben Arzneimittel 2017
  • Leitsubstanzen und Verordnungsquoten 2017

    Die Empfehlungen gelten für verordnungsstarke Anwendungsgebiete und betreffen folgende Arzneimittelgruppen und Leitsubstanzen:
    • HMG-CoA-Reduktasehemmer (Simvastatin und Pravastatin)
    • Selektive Betablocker (Bisoprolol und Metoprolol)
    • Alpha-Rezeptorenblocker zur Behandlung der BPH (Tamsulosin)
    • Selektive Serotonin-Rückaufnahme-Inhibitoren (Citalopram und Sertralin)
    • Bisphosphonate zur Behandlung der Osteoporose (Alendronsäure und Risedronsäure)
    • ACE-Hemmer, Sartane und Aliskiren (Enalapril, Lisinopril und Ramipril)
    • ACE-Hemmer, Sartane und Aliskiren in Kombination mit Diuretika bzw. Calcium Antagonisten (Enalapril, Lisinopril und Ramipril jeweils mit Diuretikum/HCT bzw. Amlodipin und Nitrendipin)
    • Calcium-Antagonisten (Amlodipin und Nitrendipin)
    • Nichtselektive Monoamin-Rückaufnahmehemmer (Amitriptylin und Doxepin).

    Höchstquoten gelten für die Verordnung folgender Arzneimittelgruppen beziehungsweise Arzneimittel:
    • HMG-CoA-Reduktasehemmer und ezetimibhaltige Arzneimittel: Anteil von ezetimibhaltigen Arzneimitteln einschließlich Kombinationen an der gesamten Gruppe der HMG-CoA-Reduktasehemmer und ezetimibhaltigen Arzneimittel
    • Antidiabetika exklusive Insuline: Anteil der GLP-1-Analoga an der Gesamtgruppe der Antidiabetika exklusive Insuline
    • Opioide: Anteil der transdermalen Darreichungsformen an den oralen und transdermalen Darreichungsformen

    Mindestquoten gelten für die Verordnung folgender Arzneimittelgruppen beziehungsweise Arzneimittel:
    • Opioide: Anteil der generikafähigen an allen BtM-pflichtigen, oralen Opioiden
    • Erythropoesestimulierende Wirkstoffe: Anteil von biosimilarem Erythropoietin an der gesamten Gruppe der erythropoesestimulierenden Wirkstoffe
    • Infliximab: Anteil der biosimilaren Infliximab-haltigen Arzneimittel an der gesamten Gruppe des Wirkstoffs Infliximab
    • Etanercept: Anteil der biosimilaren Etanercept-haltigen Arzneimittel an der gesamten Gruppe des Wirkstoffs Etanercept
    • Prostaglandin-Analoga inkl. Kombinationen mit Timolol in der Glaukomtherapie: Anteil der generikafähigen Prostaglandin-Analoga inklusive Kombinationen mit Timolol an der gesamten Gruppe der Prostaglandin-Analoga inklusive Kombinationen mit Timolol
  • Rahmenvorgaben 2016

    Das Ausgabenvolumen steigt im Jahr 2016 bundesweit um 3,7 Prozent. Dieser Wert setzt sich aus folgenden Faktoren zusammen:
    • Preisentwicklung bei den Arzneimitteln, ohne Rabattverträge (minus 0,3 Prozent)
    • Veränderungen der gesetzlichen Leistungspflicht (0 Prozent)
    • Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (0 Prozent)
    • erwartete Mehrausgaben für innovative Arzneimittel (plus 3,5 Prozent)
    • Ausgabensteigerungen infolge der Verlagerung von Arzneimitteltherapien vom stationären in den ambulanten Bereich (plus 0,5 Prozent).

    Auf Landesebene verhandeln die Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) noch weitere Faktoren, so zum Beispiel indikationsbezogene Zielvereinbarungen und Wirtschaftlichkeitsreserven. Für den regional zu bestimmenden Faktor "Zahl und Altersstruktur der Versicherten" ist 2016 im Bundesdurchschnitt von einer Anpassung von plus 0,8 Prozent auszugehen. Auf dieser Grundlage treffen die Landesverbände der Kassen und die KVen die regionalen Arzneimittelvereinbarungen.

    Von der Steigerung ausgenommen ist das bereits 2015 gebildete "Sonderausgabenvolumen Hepatitis". Auf diese neuen Therapiemöglichkeiten waren die Kostensteigerungen für Arzneimittel bereits 2014 und 2015 maßgeblich zurückzuführen. Auch für 2016 werden diese Sonderausgaben nicht unter den oben genannten Anpassungsfaktoren berücksichtigt - also auch nicht unter "Einsatz innovativer Arzneimittel". Dieses Sonderausgabenvolumen wird getrennt als absoluter Betrag ausgewiesen:

    • Sondervolumen für die Hepatitis-C-Therapie in 2015: 1,4 Milliarden Euro

    Für das Jahr 2015 haben die Bundesvertragspartner die Rahmenvorgaben für Arzneimittel rückwirkend um plus 1,7 Prozent angehoben. Zusätzlich wurde die Prognose für das Sonderausgabenvolumen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro für die neu zugelassenen Arzneimittel zur Behandlung der chronischen Hepatitis C aufgrund der tatsächlichen Kostenentwicklung bestätigt.

    Rahmenvorgaben Arzneimittel 2016
  • Leitsubstanzen und Verordnungsquoten 2016

    Die Empfehlungen gelten für verordnungsstarke Anwendungsgebiete und betreffen folgende Arzneimittelgruppen und Leitsubstanzen:

    • HMG-CoA-Reduktasehemmer (Simvastatin und Pravastatin)
    • Selektive Betablocker (Bisoprolol und Metoprolol)
    • Alpha-Rezeptorenblocker zur Behandlung der BPH (Tamsulosin)
    • Selektive Serotonin-Rückaufnahme-Inhibitoren (Citalopram und Sertralin)
    • Bisphosphonate zur Behandlung der Osteoporose (Alendronsäure und Risedronsäure)
    • ACE-Hemmer, Sartane und Aliskiren (Enalapril, Lisinopril und Ramipril)
    • ACE-Hemmer, Sartane und Aliskiren in Kombination mit Diuretika bzw. Calcium-Antagonisten (Enalapril, Lisinopril und Ramipril jeweils mit Diuretikum/HCT bzw. Amlodipin und Nitrendipin)
    • Schleifendiuretika (Furosemid und Torasemid)
    • Calcium-Antagonisten (Amlodipin und Nitrendipin)
    • Nichtselektive Monoamin-Rückaufnahmehemmer (Amitriptylin und Doxepin)

    Die Verordnungshöchstquoten gelten für folgende Arzneimittelgruppen beziehungsweise Arzneimittel:
    • HMG-CoA-Reduktasehemmer und ezetimibhaltige Arzneimittel: Anteil von ezetimibhaltigen Arzneimitteln einschließlich Kombinationen an der gesamten Gruppe der HMG-CoA-Reduktasehemmer und ezetimibhaltigen Arzneimittel
    • Antidiabetika exklusive Insuline: Anteil der GLP-1-Analoga an der Gesamtgruppe der Antidiabetika exklusive Insuline
    • Opioide: Anteil der transdermalen Darreichungsformen an den oralen und transdermalen Darreichungsformen

    Die Verordnungsmindestquoten gelten für folgende Arzneimittelgruppen beziehungsweise Arzneimittel:
    • Opioide: Anteil der generikafähigen an allen BtM-pflichtigen, oralen Opioiden
    • Erythropoesestimulierende Wirkstoffe: Anteil von biosimilarem Erythropoietin an der gesamten Gruppe der erythropoesestimulierenden Wirkstoffe
    • Infliximab: Anteil der biosimilaren Infliximab-haltigen Arzneimittel an der gesamten Gruppe des Wirkstoffs Infliximab

Hintergrund

Der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung beschließen jedes Jahr bis zum 30. September "Rahmenvorgaben für die Gestaltung der regionalen prospektiven Arznei- und Heilmittel-Vereinbarungen" (§ 84 Abs. 7 und 8 SGB V).  Auf dieser Basis vereinbaren anschließend (bis zum 30. November desselben Jahres) die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Verbände der Krankenkassen auf Landesebenedas das Ausgabenvolumen für Arznei- und Heilmittel, das Ärzten im folgenden Kalenderjahr zur Verfügung steht. 

Grundlage der Rahmenvorgaben ist die Bewertung bestimmter vorgeschriebener Faktoren, die die Ausgabenentwicklung beeinflussen, wie zum Beispiel Veränderungen der Zahl und der Altersstruktur der Versicherten, Preisentwicklung auf dem Arznei- und Hilfsmittelmarkt, Einsatz innovativer Arznei- und Heilmittel (§ 84 Abs. 2 SGB V). Darüber hinaus gibt es weitere Anpassungsfaktoren - etwa die Wirtschaftlichkeitsreserven - über die die Vertragspartner auf Landesebene verhandeln. 

Bei den Verhandlungen über die Rahmenvorgaben wird auch der prospektiv verhandelte Ausgabenrahmen des laufenden Jahres neu beurteilt und an die tatsächliche Entwicklung angepasst (sogenannte Salvatorische Klausel).

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