Mit Hilfemix gegen Herausforderungen in der Pflege

Bild: Angehörige und Ehrenamtliche übernehmen in der Pflege eine wichtige Rolle

Der Anteil der Pflegebedürftigen ist in den vergangenen zehn Jahren weiter gestiegen. Inzwischen sind 2,7 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Ursache ist unter anderem die Zunahme von Hochaltrigen in der Bevölkerung. Das geht aus dem aktuellen Pflege-Report 2016 hervor. Danach ist bei den 80- bis 84-Jährigen jeder Fünfte, von den 85- bis 89-Jährigen 37 Prozent und bei den über 90-Jährigen weit mehr als die Hälfte auf die Pflege angewiesen. Damit werde die Pflegebedürftigkeit im hohen Alter immer mehr zum Normalfall und damit zur Alltagsaufgabe.

Gute Voraussetzungen, um diese Herausforderung zu bewältigen, bietet nach Worten von Professorin Adelheid Kuhlmey der spezifische Versorgungsmix aus familiärer und professioneller Pflege. Die Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft an der Charité Berlin und Mitherausgeberin des Pflege-Reports 2016 sieht die Entwicklungsmöglichkeiten für die professionell Pflegende in der gemeinsamen Ausbildung von Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege sowie der weiteren Akademisierung. Man wisse aus anderen Ländern, dass die Akademisierung der Pflege- und anderer Gesundheitsberufe sich äußerst positiv ausgewirkt habe. "Bildung und Aufwertung, das ist die zentrale Botschaft, die wir dem Report entnehmen können", so Kuhlmey.

Kommunales Engagement ausbauen

Aber auch pflegende Angehörige brauchen mehr Entlastungsangebote und bessere Beratung. Laut einer aktuellen Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) unter 1.000 pflegenden Angehörigen im Rahmen des Pflege-Reports nutzen nur wenige die zusätzlichen Unterstützungsangebote der gesetzlichen Pflegeversicherung. Gleichzeitig sagt jeder vierte Pflegehaushalt, der weder Pflegedienst noch Tagespflege oder Kurz- und Verhinderungspflege in Anspruch nimmt, dass er genau diese Leistungen eigentlich benötige.

Diejenigen, die die zusätzlichen Entlastungsleistungen nutzen, waren damit sehr zufrieden und stuften das professionelle Pflegepersonal als kompetent ein. Die häufigste Ursache, warum Familien mit pflegebedürftigen Menschen sich nicht helfen lassen, war laut Report: Pflegebedürftige wollen nicht von einer fremden Person gepflegt werden. Antje Schwinger, Pflegeexpertin des WIdO und Mitherausgeberin des Reports, sieht hier Barrieren. "Wir müssen die Bedürfnisse der Betroffenen noch besser verstehen und gleichzeitig mit guter Beratung und niedrigschwelligen Angeboten überzeugen. Allerdings zeigt sich hier auch ein tief sitzendes Selbstverständnis von familiärer Pflege, in das Pflichtgefühl und Scham mit hineinspielen."

Bedürfnisse von Betroffenen besser berücksichtigen

Pflegeberatung hilft bei der Suche nach pasenden Angeboten

Aber auch pflegende Angehörige brauchen mehr Entlastungsangebote und bessere Beratung. Laut einer aktuellen Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) unter 1.000 pflegenden Angehörigen im Rahmen des Pflege-Reports nutzen nur wenige die zusätzlichen Unterstützungsangebote der gesetzlichen Pflegeversicherung. Gleichzeitig sagt jeder vierte Pflegehaushalt, der weder Pflegedienst noch Tagespflege oder Kurz- und Verhinderungspflege in Anspruch nimmt, dass er genau diese Leistungen eigentlich benötige. Diejenigen, die die zusätzlichen Entlastungsleistungen nutzen, waren damit sehr zufrieden und stuften das professionelle Pflegepersonal als kompetent ein. 

Die häufigste Ursache, warum Familien mit pflegebedürftigen Menschen sich nicht helfen lassen, war laut Report: Pflegebedürftige wollen nicht von einer fremden Person gepflegt werden. Antje Schwinger, Pflegeexpertin des WIdO und Mitherausgeberin des Reports, sieht hier Barrieren. "Wir müssen die Bedürfnisse der Betroffenen noch besser verstehen und gleichzeitig mit guter Beratung und niedrigschwelligen Angeboten überzeugen. Allerdings zeigt sich hier auch ein tief sitzendes Selbstverständnis von familiärer Pflege, in das Pflichtgefühl und Scham mit hineinspielen."

Individueller Versorgungplan durch gezielte Beratung

Pflegende Angehörige im Fokus
Die Broschüre "In besten Händen - Wie die AOK-Pflegeberatung Angehörigen hilft" informiert darüber, warum die Pflegeberatung so hilfreich ist und welche Unterstützungsangebote die AOK bereithält.

Angesichts der Umfrageergebnisse unterstreicht der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, die Bedeutung von gezielter Beratung. "Die AOK-Pflegekasse hat rund 700 Pflegeberater im Einsatz. Diese kommen auf Wunsch auch zu den Menschen nach Hause und klären in einem persönlichen Gespräch den konkreten Hilfebedarf. Dann wird gemeinsam ein individueller Versorgungsplan aufgestellt." Dass Beratung wichtig ist, auch das geht aus der WIdO-Befragung hervor. Dreiviertel der Nutzer von Beratungsgesprächen geben an, dass ihnen diese geholfen haben.

Gleichzeitig müsste die Pflegeversicherung ihre Leistungen noch einfacher und flexibler machen. Zum Beispiel könne man "Verhinderungspflege" und "Kurzzeitpflege" zusammenlegen, so Litsch. "Statt hier zwei verschiedene Regelungen und Budgets vorzusehen, sprechen wir uns für die Bündelung aus. Es geht um 3.224 Euro für 14 Wochen je Kalenderjahr. Pflegende Angehörige wissen selbst am besten, wie sie während einer Auszeit das Geld am sinnvollsten einsetzen können."

Pflege-Report 2016: Die Pflegenden im Fokus

Cover Pflege-Report 2016

Die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt in Deutschland weiter deutlich zu. Ihre Versorgung sicherzustellen ist eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung der kommenden Jahrzehnte. Mit dem Schwerpunktthema "Die Pflegenden im Fokus" widmet sich der Pflege-Report 2016 den Personen und Berufsgruppen, die den Versorgungsalltag der Pflegebedürftigen maßgeblich gestalten.

Jacobs/Kuhlmey/Greß/Schwinger (Hrsg.): Pflege-Report 2016. Schwerpunkt: Die Pflegenden im Fokus. Schattauer (Stuttgart); 364 Seiten; 63 Abb.; 52 Tab., kart.; 54,99 € (D) / 56,60 € (A); ISBN-13: 978-3-7945-3175-2 

Weitere Iniformationen zum Pflege-Report 2016

Zum Pflege-Report 2015