Zu- und Abschläge

Neben der Vergütung über Fallpauschalen sieht das deutsche Krankenhaus-Finanzierungssystem diverse Zu- und Abschläge vor.

Bild Zu- und Abschläge

Übersicht Zu- und Abschläge

Zuschläge erhalten die Kliniken beispielsweise zum Zweck der Qualitätssicherung, für Mehrkosten durch Ausbildung, zur Finanzierung des Pflegepersonals, für Mehrkosten aus der Umsetzung von Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), für Zentren oder zur Sicherstellung bedarfsnotwendiger Krankenhäuser. Darüber hinaus gibt es Systemzuschläge zur Finanzierung des DRG-Systems, des GBA und des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.

Abschläge müssen Krankenhäuser hinnehmen, wenn sie beispielsweise an der Notfallversorgung nicht teilnehmen oder die DRG-Daten nicht liefern. Je nach Zuschlagsart werden sie entweder jährlich für alle Krankenhäuser einheitlich oder krankenhausindividuell vereinbart.

Zu- und Abschläge (DRG) 2018
Quelle: AOK-Bundesverband; Stand: 02.01.18

Pflegezuschlag

Der Pflegezuschlag ersetzt seit Jahresbeginn 2017 den 2013 eingeführten Versorgungszuschlag. Das Volumen beträgt 500 Millionen jährlich, so hat es das Krankenhausstrukturgesetz festgesetzt. Die anteilige Fördersumme der einzelnen Häuser bemisst sich nach der relativen Höhe der Pflegedienstpersonalkosten des Krankenhauses an den Personalkosten für das Pflegepersonal aller allgemeinen Krankenhäuser. Der Zuschlag wird je vollstationären Fall bezahlt. Er ergänzt die Entgelte für das Pflegestellenförderprogramm, das auf die Neueinstellung und Aufstockung von Stellen im Pflegedienst abzielt, sowie den Zuschlag für die anteilige Tarifkostenrefinanzierung und das Hygieneförderprogramm.

Der durch den Pflegezuschlag abgelöste Versorgungszuschlag war im Jahr 2013 eingeführt worden, um den Degressionseffekt der Mengenentwicklung im Landesbasisfallwert (LBFW) für diejenigen Kliniken zu kompensieren, die selbst keine Mengenausweitung verzeichneten. Der Versorgungszuschlag wurde als Rechnungszuschlag einheitlich allen Krankenhäusern vergütet. So erhielten die Krankenhäuser im Jahr 2013 zusätzlich rund 250 Millionen, 2014 rund 500 Millionen Euro. Für 2015 wurde der Versorgungszuschlag in der bisherigen Höhe von 500 Millionen Euro übergangsweise für ein weiteres Jahr beibehalten. Die Umwandlung in den Pflegezuschlag wurde mit dem Ersten Pflegestärkungsgesetz beschlossen. 

Fixkostendegressionsabschlag

Der Fixkostendegressionsabschlag wurde 2015 mit dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) eingeführt. Er soll die im Vergütungssystem vorhandenen Anreize zur Erbringung von Mehrleistungen auf Ortsebene dämpfen. Er ersetzt dabei die bisher auf Landesebene im Landesbasisfallwert wirksame Mengendegression durch einen krankenhausindividuellen Abschlag, der den positiven Skaleneffekten bei der Erbringung von Mehrleistungen (Senkung der Fixkosten pro Leistung) Rechnung tragen soll. Im Gegensatz zur bisherigen Regelung der Mengendegression im Landesbasisfallwert sind vom FDA nur diejenigen Häuser betroffen, die tatsächlich Mehrleistungen erbringen. Anders als die dauerhafte Mengendegression im Landesbasisfallwert wirkt der FDA nur befristet (drei Jahre). Grundsätzlich sollen die Vertragspartner die Höhe des Regelabschlages jährlich bis zum 30. September auf Landesebene vereinbaren. Für 2017 und 2018 wurde er jedoch auf Landesebene bundesweit einheitlich auf 35 Prozent gesetzlich festgelegt. Der FDA gilt für alle Regelleistungen, die nicht unter einen Ausnahmetatbestand oder eine Sonderreglung fallen, die den Abschlag auf die Hälfte reduziert.

  • Vereinbarung

    Für die Jahre 2017 und 2018 wurden sowohl der auf Landesebene zu verhandelnde FDA (35 Prozent) und die Obergrenze für den erhöhten Abschlag auf Ortsebene (50 Prozent) gesetzlich festgelegt. Der erhöhte Abschlag kommt sowohl für zusätzliche Leistungen mit höherer Fixkostendegression zum Tragen als auch für zusätzliche Leistungen, bei denen bereits in hohem Maße wirtschaftlich begründete Mengensteigerungen vorliegen. Insgesamt darf beim FDA die Obergrenze von 50 Prozent 2017 und 2018 nicht überschritten werden. Weitere Details der Umsetzung werden auf Bundesebene vereinbart.

    Vereinbarung 2017

  • Grundsätzlich ausgenommene Leistungen

    Komplett vom FDA ausgenommen sind
    • Transplantationen
    • Polytraumata
    • Leistungen zur Versorgung Schwerbrandverletzter
    • Leistungen zur Versorgung Frühgeborener
    • Leistungen für zusätzliche Versorgungsaufträge, für die bisher keine Abrechnungsmöglichkeit bestand
    • Leistungen von Zentren
  • Katalog nicht mengenanfälliger Leistungen

    Für die von den Vertragspartnern vereinbarten Leistungen aus dem Katalog nicht mengenanfälliger Leistungen wird der FDA nur zur Hälfte veranschlagt.

    Dasselbe gilt für Leistungsverlagerungen im Einzugsgebiet eines Krankenhauses. Die Vertragspartner haben zur Umsetzung dieser Regelung eine Methode zur Bestimmung des Einzugsgebiets vereinbart: Das Einzugsgebiet eines Krankenhauses ist demnach das Gebiet, in dem mehr als 70 Prozent der Patienten ihren Wohnort haben.

    Anlage zur FDA-Vereinbarung für 2017
    Anlage zur FDA-Vereinbarung für 2018
  • Katalog abgesenkter Bewertungsrelationen

    Die gezielte Absenkung von Bewertungsrelationen durch das InEK betrifft einen vereinbarten Katalog von Leistungen, bei denen es eine höhere Fixkostendegression oder Anhaltspunkte für wirtschaftlich begründete Fallzahlsteigerungen in der Vergangenheit gibt. Abgesenkte DRGs sind vom FDA ausgenommen.

    Vereinbarung zur gezielten Absenkung von Bewertungsrelationen

    Katalog der abgesenkten DRGs 2017
    Katalog der abgesenkten DRGs 2018
  • Sachkostenlastige Leistungen

    Gemäß der FDA-Vereinbarung veröffentlicht das InEK jedes Jahr einen DRG-Katalog mit Leistungen, die einen Sachkostenanteil von mehr als zwei Dritteln aufweisen. Diese sachkostenintensiven DRGs sind vom FDA ausgenommen.

    Sachkostenlastige DRGs 2017
    Sachkostenlastige DRGs 2018

Hintergrund

Bis zur Landesbasisfallwert-Vereinbarung 2016 wurde in den Landesbasisfallwerten die Leistungssteigerung (Zuwachs des Casemixvolumens) absenkend berücksichtigt, in dem die zusätzlichen Leistungen nur in Höhe der geschätzten variablen Kosten angesetzt wurden (§ 10 Abs. 3 Satz 1 Nr. 4 KHEntgG). Da damit der Preis für alle DRG-Leistungen landesweit gesenkt wurde, wurden auch diejenigen Krankenhäuser, die ihre Mengen nicht ausweiten, vom entsprechenden Degressionseffekt betroffen.

Mit dem GKV-Finanzierungsgesetz (GKV-FinG) hatte der Gesetzgeber – neben der Mengendegression im Landesbasisfallwert – einen befristeten Abschlag für Leistungen eingeführt, die Krankenhäuser im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr zusätzlich vereinbaren (Mehrleistungsabschlag § 4 Absatz 2a KHEntgG). Als einheitlicher Abschlag auf alle mit Landesbasisfallwerten vergüteten Krankenhausleitungen sollte er Fehlanreize für eine wirtschaftlich begründete Leistungsausweitung der Kliniken dämpfen. Vereinbart wurde er von den Krankenhäusern und Krankenkassen auf Ortsebene. Die bisherige Mengendegression auf Landesebene wurde 2015 durch den Fixkostendegressionsabschlag (FDA) ersetzt.