Extremkostenbericht: Atypische Krankheitsverläufe sind im Durchschnitt kein Kostenrisiko mehr

(10.04.18) Die Fallpauschalen bilden das Leistungsgeschehen an deutschen Kliniken immer besser ab. Patienten mit atypischen Krankheitsverläufen wirken sich nun im Durchschnitt sogar positiv auf die Bilanz der Kliniken aus: Die Kostenunterdeckungen der sogenannten Kostenausreißer werden durch entsprechende Kostenüberdeckungen mehr als kompensiert, das geht aus dem vierten Extremkostenbericht hervor, den das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) veröffent­licht hat. Bei etwa gleichbleibender Anzahl atypischer Patienten verbuchen die Kliniken im Datenjahr 2016 eine Kostenüberdeckung von 0,3 Millionen Euro. Im Jahr davor hatte das InEK noch ein Minus von 0,5 Millionen berechnet. 2014 hatten die Verluste der Häuser durch besonders komplexe oder langwierige Krankenhausbehandlungen noch bei 5,3 Millionen Euro gelegen, im Jahr davor sogar bei mehr als 30 Millionen Euro.

Für den Bericht hat das InEK die Daten von 245 Krankenhäusern analysiert. Die durchschnittliche Kostenüberdeckung bei Kostenausreißern liegt bei rund zwei Euro je Fall. Unterfinanzierung gehe im Wesentlichen auf sogenannte Langlieger zurück, so das InEK. Dabei sind die neuen Zusatzentgelte für erhöhten Pflegeaufwand noch nicht berücksichtigt, sodass die Kostenüberdeckung der atypischen Fälle tatsächlich noch höher ausfällt. Die Einführung der OPS-Codes 8-98f („Super-SAPS“) hat zudem die Abbildung der aufwendigen intensivmedizinischen Komplexbehandlungen verbessert. Und auch die Behandlungskosten von Kindern sind im G-DRG-System 2018 erneut besser abgebildet. Die entsprechende Belastung sank um 27 Prozent auf 2,8 Millionen Euro. 

Unikliniken und Maximalversorger mit Defiziten bei Regelleistungen

Nach wie vor werden dem Bericht zufolge atypische Krankheitsverläufe in Universitätskliniken und Maximal­versorgern im Bereich der Regelleistungen nicht hinreichend vergütet. Während diese Leistungen in den anderen Krankenhäusern mit einer Unterdeckung von minus 0,1 Prozent nahezu ausfinanziert sind, entsteht bei den Universitätskliniken und Maximal­versorgern eine Unterdeckung von minus 8,3 Prozent. Bei den spezialisierten Leistungen hingegen sind die Kosten in den großen wie kleineren Häusern mehr als gedeckt. Aufgrund der (verstärkten) Teilnahme von Unikliniken (an der DRG-Kalkulation?) sind jedoch die Ergebnisse für die spezialisierte Versorgung und die Gruppe der Unikliniken nur bedingt vergleichbar. Im vergangenen Jahr hatten nur 13 Universitätskliniken Daten für die Analyse geliefert

Der Extremkostenbericht wird jedes Jahr im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes, des Verbandes der Privaten Krankenversicherung und der Deutschen Krankenhausgesellschaft erstellt. Die Analyse soll Kostenausreißer identifizieren, um die Behandlung insbesondere von Patienten mit komplexen und seltenen Erkrankungen besser in den Fallpauschalen abzubilden.

Zum Extremkostenbericht 2018