Leitlinien-Recherche für neues DMP: Empfehlungen zur Chronischen Herzinsuffizienz sind lückenhaft

(18.01.16) Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Abschlussbericht zur Leitlinien-Recherche für ein mögliches neues Disease-Management-Programm (DMP) Chronische Herzinsuffizienz vorgestellt. Dem Bericht liegen 22 evidenzbasierte Leitlinien zugrunde. Allerdings decken diese nicht alle Versorgungsaspekte der chronischen Erkrankung hinreichend ab. Das Institut rät deshalb, für die Entwicklung eines DMP weitere Quellen heranzuziehen. Entsprechende Informationen könne etwa eine neue Europäische Leitlinie enthalten, die im Frühjahr 2016 publiziert werden soll.

Leitlinien vernachlässigen häufige Begleiterkrankungen

Dem Bericht zufolge decken die untersuchten Leitlinien ein breites Spektrum unterschiedlicher Versorgungsaspekte ab, angefangen mit der Diagnostik und nichtmedikamentösen Behandlungsoptionen über medikamentöse und interventionelle Therapien, Monitoring und Patientenschulung bis hin zur palliativen Betreuung oder Schwangerschaft. Zudem konnten Empfehlungen zur Rechtsherzinsuffizienz oder zum Management von Pflegeheimbewohnern mit Herzinsuffizienz identifiziert werden. Lücken zeigten die Richtlinien bei der Berücksichtigung häufiger Begleiterkrankungen wie Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus oder Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Darüber hinaus fehle es an Empfehlungen zur Versorgung multimorbider Patienten und zur Polypharmazie.

Akute und chronische Phasen wechseln sich ab

Auch bei der sektorenübergreifenden Versorgung blieben Fragen offen. Während sich im Krankheitsverlauf akute und chronische Phasen der Herzinsuffizienz abwechseln, werden diese in den Leitlinien getrennt abgehandelt. Da sich der Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) auf Leitlinien zur chronischen Herzinsuffizienz beschränkte, sind die typischen Übergänge zwischen ambulanter und stationärer Behandlung teilweise nur unzureichend abgebildet.

Die europäische Fachgesellschaft der Kardiologen plant die Publikation einer neuen Leitlinie im Mai 2016. Experten erhoffen sich davon maßgebliche Informationen zur kardialen Resynchronisation und zur Therapie von Herzinsuffizienzpatienten mit Schlafapnoe, die laut IQWiG ebenfalls in ein DMP einfließen sollten. 

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